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Oase der Ruhe: Der Lesegarten der Stadtbücherei, hier mit Leiterin Gabriele Malek,  ist beliebt – muss aber im Zuge des Bürgerhaus-Umbaus abgerissen werden. Er soll aber in ähnlicher Form wieder aufgebaut werden.

Belastung für die Stadt

Bürgerhaus-Sanierung wird doppelt so teuer

Garching - Nach einer langen und turbulenten Debatte hat eine knappe Mehrheit im Garchinger Stadtrat entschieden: Das Bürgerhaus wird für neun Millionen Euro saniert und umgebaut. Der Haken: Im Haushalt sind nur 4,4 Millionen Euro vorgesehen.

Nach gut zweistündiger Debatte wähnen sich die Stadträte kurz vor der Entscheidung. Ja sogar einen Beschluss hat die stellvertretende Bauamtsleiterin Olga Stein bereits vorgelesen, sodass nun abgestimmt werden kann. Eigentlich. Doch bevor die Arme nach oben gehen, meldet sich Florian Baierl zu Wort. Der neue Fraktionssprecher der Unabhängigen Garchinger (UG) bittet um eine Unterbrechung der Sitzung, denn auch ihn beschleicht das Gefühl, das kurz zuvor Joachim Krause (SPD) in Worte gefasst hat: „Ich frage mich, ob wir nicht gerade dabei sind, Murks zu beschließen.“

Florian Baierl warnt vor Murks

Auslöser für all den Trubel ist die geplante Renovierung des Bürgerhauses. Sie sollte eigentlich schon heuer mit der Sanierung der undichten Dächer beginnen, doch dann war die Stadt mit ihrer Ausschreibung so spät dran, dass keine Angebote eingingen. Gleiches will Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) nächstes Jahr verhindern, weshalb er zu Beginn der Debatte mahnt: „Wenn wir jetzt nicht Nägel mit Köpfen machen, dann ist 2017 auch wieder futsch.“

Seine Stadtverwaltung hat folgenden Vorschlag erarbeitet: Für rund neun Millionen Euro soll das Gebäude außen und innen saniert sowie in puncto Brandschutz nachgerüstet werden, außerdem eine neue Klimaanlage sowie eine LED-Beleuchtung in Saal und Foyer erhalten. Da im Zuge der nötigen Umbauten der Lesegarten der Bücherei abgerissen werden muss, soll selbiger danach in ähnlicher Form wieder aufgebaut werden – auch das ist in den neun Millionen Euro enthalten. Außen vor bleibt dagegen eine Foyer-Erweiterung, die der Stadtrat anfangs noch geplant hatte.

Keine Mehrheit für Minimallösung

Dennoch betragen die geschätzten Gesamtkosten rund das Doppelte jener 4,4 Millionen Euro, die im Haushalt für die Sanierung eingeplant sind. Mit Blick auf diese Differenz fordert Hans-Peter Adolf (Grüne), sich vorerst auf „das zu beschränken, was absolut notwendig ist“ – also Dächer, Gebäudehülle und Brandschutz. Sein Vorschlag ist der Auftakt zu einer hitzigen Debatte, in der es reichlich Kritik an den Unterlagen der Stadtverwaltung und den Erläuterungen von Architekt Andreas Irl hagelt. „Ich fühle mich schlicht nicht ausreichend informiert, um eine Entscheidung über diese Höhe von Steuergeldern zu treffen“, sagt Bastian Dombret (FDP). Und Salvatore Disanto (CSU) moniert: „Mir kommt das Projekt vor wie ein Überraschungsei. Ich soll irgendwas kaufen und weiß nicht, was drin ist.“

Haushaltsberatungen werden spannend

Nach gut zwei Stunden scheint sich zunächst eine Lösung anzubahnen, die in Richtung von Hans-Peter Adolfs Vorschlag geht – also eine Beschränkung auf die Sanierung von Dächern, Fenstern und Gebäudehülle. Doch dann beantragt Florian Baierl die erwähnte Unterbrechung – und danach nimmt die Sitzung binnen Minuten zwei erstaunliche Wendungen: Erst schlägt Bürgermeister Gruchmann ein abgespecktes Sanierungspaket für sieben Millionen Euro vor. Doch dann grätscht ihm Florian Baierl in die Parade und fordert eine Abstimmung über den ursprünglichen Beschluss und die Neun-Millionen-Lösung. Diese wird letztlich mit 13:10-Stimmen angenommen – wobei die Fraktionen von CSU, SPD und BfG allesamt uneinheitlich votieren.

Mit Blick auf den hiermit beschlossenen Kostenrahmen kommentiert der Bürgermeister abschließend: „Na dann bin ich mal gespannt auf die Haushaltsberatungen.“

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