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Das stillgelegte Atom-Ei steht symbolisch für die Forschung in Garching.

Reaktor-Gegner protestieren

Castor-Transport soll 2019 durch Garching rollen

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Der FRM II wird noch einige Jahre hoch angereichertes Uran benötigen – sehr zum Unmut der Reaktor-Gegner. Sie kritisieren auch die Lagerung des Atommülls in Ahaus. Erste Castor-Transporte sollen 2019 durch Garching rollen.

Garching – Auch 14 Jahre nach seiner Inbetriebnahme stecken im Herz des Forschungsreaktors München II (FRM II) Brennelemente, die hoch angereichertes Uran enthalten. Dabei war schon 2003 in der Genehmigung für die Anlage das Ziel verankert worden, den Reaktor auf niedrig angereichertes Uran umzurüsten. Als Termin wurde seinerzeit das Jahr 2010 genannt – mit einem entscheidenden Zusatz: Eine Umstellung könne nur erfolgen, wenn es einen geeigneten Brennstoff gebe.

Doch den gibt es bis heute nicht, weshalb der FRM II wohl noch einige Jahre auf Brennelemente mit hoch angereichertem Uran angewiesen sein wird. Zwar seien Forscher der Technischen Universität München im europäischen Forschungsverbund und mit Partnern aus den USA „intensiv damit beschäftigt“, eine Umrüstung herbeizuführen, sagt Winfried Petry, bis April wissenschaftlicher Leiter des Forschungsreaktors. Aktuell befinde man sich aber noch in einer „comprehension phase“, wie er es auf Englisch formuliert – also in einer Verständnisphase. „Wir versuchen gerade zu verstehen, wo die letzten Probleme liegen.“

Die Reaktor-Gegner protestieren (Symbolbild 2014).

Diese Phase dauere bis 2021, „und erst danach können wir sagen, da geht’s lang“, erklärt Petry. „Wir wollen nicht die gleichen Fehler machen, die in der Vergangenheit gemacht wurden.“

Damit meint der Physiker die Ankündigungen vonseiten der Politik, bis wann die Umrüstung kommen solle. Denn nachdem klar wurde, dass 2010 nicht zu halten war, nannten Bund und Freistaat als neuen Termin das Jahr 2018 – wiederum unter dem Vorbehalt, dass dies „nach dem dann erreichten Stand von Wissenschaft und Technik möglich erscheint“. Inzwischen ist klar: Auch dieser Termin ist zu halten. Nun seien Bund und Freistaat gerade dabei, eine neue Vereinbarung zu erarbeiten, sagt Petry.

Derweil hat Benno Zierer, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler, schon im Sommer 2017 kritisiert, dass die Bevölkerung bei der geplanten Umrüstung „von Anfang an für dumm verkauft worden“ sei. „Der Reaktor wird bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag mit atomwaffenfähigem Uran betrieben“, so Zierer. Und auch beim Verein Bürger gegen Atomreaktor Garching herrscht Unmut darüber, dass die Umrüstung so lange dauert. In einem Brief an die neue Umweltministerin Svenja Schulze hat die Vorsitzende Ingrid Wundrak die SPD-Politikerin aufgefordert, „darauf zu dringen, dass endlich, wie lange zugesagt, künftig nur noch wenig angereichertes Uran im FRM II Verwendung findet“.

„Diebstahlszenarien“ sorgen die Gegner

Und noch einen Kritikpunkt äußert Wundrak in ihrem Brief. So warnt sie vor dem geplanten Transport der verbrauchten Brennelemente des FRM II ins Zwischenlager Ahaus. Dieses sei „relativ ungeschützt“, so Wundrak, gar „Diebstahlszenarien“ seien möglich. „Wenn schon, dann gehören solche Kernbrennstoffe in einen strengstens bewachten Atombunker.“ Vonseiten des Umweltministeriums heißt es dazu: „Eine Genehmigungserteilung kann nur erfolgen, wenn das atomgesetzlich geforderte hohe Sicherheits- und Sicherungsniveau festgestellt wurde.“

Dass Ingrid Wundrak in ihrem Brief abermals von „waffentauglichem Uran“ im Zusammenhang mit den Brennelementen spricht, will Winfried Petry so nicht stehen lassen. Diese Formulierung sei „einfach Unsinn“ und „nur Meinungsmache“, sagt er. „Erstens ist es nicht genügend Uran, um eine Atombombe zu bauen, zweitens ist es in seiner chemischen Form nicht waffenfähig, und drittens kann es nicht entwendet werden, weil es sehr gut gesichert ist“, zählt Petry auf. Das Uran im FRM-II liege als intermetallische Verbindung vor. Diese zu trennen, sei alles anderes als ein trivialer Prozess.

Wenig Platz bleibt für alte Brennelemente im Abklingbecken.

Derweil teilt Andrea Voith, Sprecherin des FRM II, mit, dass die ersten abgebrannten Brennelemente im zweiten Halbjahr 2019 nach Ahaus gebracht werden sollen. Wie der Transport konkret aussehen wird, sei aber noch offen, da es noch diverser Genehmigungen bedürfe. Aktuell liegen sämtliche 43 Brennelemente, die seit der Inbetriebnahme 2004 im Einsatz waren, im Abklingbecken des Reaktors. Dort gibt es 50 sogenannte Abklingpositionen, wo die hoch radioaktiven Brennelemente bis zu ihrem Abtransport gelagert werden. Im Schnitt benötigt der Reaktor vier Brennelemente pro Jahr. Dass es aufgrund von Platzmangel im Abklingbecken demnächst zu Engpässen kommen könnte, sei Stand jetzt aber „nicht absehbar“, sagt Voith.

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