Maßnahmen im Landkreis München

Coronavirus: Unterhaching sagt Neujahrsfest ab - Kirchheimerin berichtet aus Hongkong

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Im Landkreis München reagieren Unternehmen und Behörden auf das Coronavirus. Eine Kirchheimerin befindet sich gerade in Hongkong und berichtet von gespenstischer Stille.

  • In der Nacht auf Dienstag wurde ein erster Coronavirus-Fall in Bayern bekannt.
  • Auch im Landkreis München bereiten sich Behörden und Unternehmen auf den Ernstfall vor.
  • Eine Unternehmensberaterin berichtet live aus Hongkong.

+++ Aktualisierung vom 30. Januar: In Unterhaching ist das für 1. Februar geplante chinesische Neujahrsfest in der Hachinga Halle abgesagt worden. Aus Vorsorge und Pietät, wie Mit-Organisatorin Inci Ahmad verrät. Selbst wenn keine Coronavirus-Erkrankung auf dem Familienfest befürchtet werden müsste, könne man angesichts der leidenden Menschen in China nicht guten Gewissens feiern. Laut Rathaussprecher Simon Hötzl haben 186 Festland-Chinesen ihren festen Wohnsitz in Unterhaching.

Der ursprüngliche Text: 

Landkreis München – Elisabeth Wente neigt nicht zur Panik. Die 28-Jährige, in Kirchheim aufgewachsen, ist derzeit im Auftrag einer Unternehmensberatung in Hongkong - und damit hautnah konfrontiert mit den Auswirkungen des Coronavirus

„Alle laufen mit Mundschutz durch die Stadt - wobei, die Straßen sind wie leer gefegt.“ Wer nicht muss, geht nicht aus dem Haus, um sich keiner Infektionsgefahr auszusetzen.

Coronavirus: Kirchheimerin berichtet aus Hongkong

Auch Elisabeth Wente ist vorsichtig, trägt den Mundschutz, den ihr Unternehmen an alle verteilt hat, und meidet Menschenmengen. Wobei alle Großveranstaltungen etwa zum chinesischen Neujahrsfest auch in Hongkong abgesagt und die Schulferien um zwei Wochen bis zum 16. Februar verlängert worden sind. Ab heute seien auch alle öffentlichen Schwimmbäder gesperrt, berichtet die junge Unternehmensberaterin.

Frau aus Landkreis München über Coronavirus in Hongkong: Maßnahmen besonders strikt

Den Mundschutz findet sie lästig, er schränkt die Sicht ein und man schwitzt darunter – aber was sind diese Unbequemlichkeiten im Vergleich zu einer Infektion. Elisabeth Wente hätte auch ein Projekt in Shanghai betreuen sollen – doch der Termin wurde abgesagt. Wegen des Virus. In Hongkong seien die Sicherheitsmaßnahmen besonders strikt, weil die Stadt vor Jahren von der Lungenkrankheit SARS sehr stark betroffen gewesen sei.

Elisabeth Wente ist voraussichtlich noch zwei Wochen in Hongkong. Es sei denn, die Lage spitze sich zu. Dann werde ihre Unternehmensberatung ihre Leute abziehen

Coronavirus im Landkreis München: Viele Studierende in TU Garching aus China

Auch an der Technischen Universität (TU) in Garching ist der Coronavirus ein Thema. Schließlich stammen rund 1000 Studierende aus China. „Die chinesischen Studierenden stellen bei uns die größte ausländische Landesgruppe dar“, sagt TU-Sprecher Andreas Battenberg.

Dass die neue Lungenkrankheit auf dem Campus kursiert und sich Studierende in einer Vorlesung, beim Essen in der Mensa oder bei der Arbeit im Labor anstecken könnten, das hält Battenberg für abwegig. 

„Im Moment sind keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen geboten. Das Semester läuft. Die Studierenden haben keine Zeit zwischendurch nach China zu reisen. Von daher ist die Gefahr, sich bei einem Tisch- oder Banknachbarn anzustecken gering.“ 

Sollte eine Epidemie ausbrechen, sei die TU vorbereitet: „Es gibt Notfallpläne in der Schublade“, sagt Battenberg.

Immer mehr Menschen tragen wegen des Coronavirus einen Mundschutz. Seit ein paar Tagen sind die hellgrünen und hellblauen Masken auch in der U6 zum Forschungscampus zu sehen. 

Peter Aurnhammer, Sprecher des Bayerischen Apothekerverbands, berichtet, dass in seiner Apotheke in Ismaning gestern das letzte Exemplar verkauft wurde. „Wir haben allerdings keine große Menge vorrätig, weil wir den Mundschutz normalerweise keine fünfmal im Jahr brauchen.“ 

Doch seit dem Wochenende ist die Nachfrage stark gestiegen. „Es gibt Lieferengpässe. Die vier Großhändler in München sind ausverkauft“, sagt Aurnhammer, „wir versuchen jetzt irgendwo anders Mundschutz-Masken aufzutreiben.“ 

Und er ergänzt: „Wenn sich die Leute doch so umsichtig vor der Grippe schützen würden.“ Aurnhammer sieht bei der Grippe eine weitaus größere Gefahr.

Coronavirus im Landkreis München: BMW schränkt Dienstreisen nach China ein

BMW hält sich an die offiziellen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und des Auswärtigen Amtes. Der Autohersteller mit Standorten in Unterschleißheim und Garching hat seine Mitarbeiter über nötige Verhaltens- und Hygienemaßnahmen informiert. „Bis auf Weiteres sind nur zwingend erforderliche Dienstreisen nach China anzutreten“, sagt BMW-Sprecherin Martina Hatzel.

Coronavirus im Landkreis München: Auch Mars Deutschland zieht Konsequenzen

In der Zentrale von Mars Deutschland in Unterhaching wird die Situation in China genau beobachtet. Pressesprecherin Katharina Stocks: „Wir haben dorthin Geschäftsbeziehungen, wenngleich nicht in die Region Wuhan, wo das Virus ausgebrochen ist.“ 

Es finde ein sehr enger Austausch zwischen dem chinesischen und dem globalen Team statt. Alle Mitarbeiter würden informiert und auf dem neuesten Stand gehalten. Im Moment sei aus Unterhaching niemand in China, auch nicht vor Kurzem zurückgekehrt. 

Seit die Krankheit auf dem Vormarsch ist, gilt die Regelung bei Mars, dass genauestens geprüft wird, ob ein Flug wirklich notwendig ist. 

Chinesischer Mediziner aus Ottobrunn über Coronavirus: Zum Glück im Landkreis München andere Verhältnisse

Giac Nguyen (73) betreibt zusammen mit seiner Tochter eine Praxis für chinesische Medizin in Ottobrunn. Zu ihm sind bislang noch keine Patienten gekommen, die sich Sorgen gemacht haben über die Viruserkrankung. Nguyen kam mit 19 Jahren nach Deutschland und arbeitete am Max-Planck-Institut. Er hält das Virus allerdings durchaus für sehr gefährlich und nimmt die Situation sehr ernst: „Diese Viren mutieren sehr schnell, das ist Wahnsinn.“ 

Seinen Worten nach passen sie sich ungeheuer schnell an die Gegebenheiten an. Es ist ein Kampf gegen die Zeit. In Europa seien die Bedingungen glücklicherweise sehr viel günstiger zur Bekämpfung, weil viel weniger Menschen in engem Kontakt miteinander stünden. „Wuhan ist ja in seinen Dimensionen im Grunde keine Stadt, sondern ein Land.“ Man könne froh sein, dass es im Landkreis München einen Abstand dazu gibt.

Alle News über den Coronavirus-Fall in Starnberg in unserem News-Ticker. Auch im Landkreis Landsberg am Lech reagiert man. Dort wohnt der Infizierte.

Rubriklistenbild: © dpa / Fabian Strauch

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