Dicht gedrängt zwischen den Buden – heuer unvorstellbar: In allen Kommunen im Landkreis fallen die Christkindlmärkte aus. Auch wenn es angesichts der tollen Stimmung wie hier in Garching vor ein paar Jahren schwerfällt.  archivFoto: baumgart
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Dicht gedrängt zwischen den Buden – heuer unvorstellbar: In allen Kommunen im Landkreis fallen die Christkindlmärkte aus. Auch wenn es angesichts der tollen Stimmung wie hier in Garching vor ein paar Jahren schwerfällt.

„Die Bedenken sind einfach zu groß

Die staade Zeit wird ziemlich staad: Sämtliche Christkindlmärkte im Landkreis fallen aus

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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Die staade Zeit wird heuer so ruhig wie selten: Alle Christkindlmärkte oder Adventsmärkte im Landkreis München sind abgesagt. Sehr zum Bedauern von Bürgermeister und Bürger.

Landkreis – So kontinuierlich wie die Infektionszahlen zuletzt in die Höhe geschossen sind, so haben sich in den vergangenen Tagen die Absagen von Gemeinden und anderen Veranstaltern gehäuft. Jetzt seht fest: Keiner der Advents- und Christkindlmärkte im Landkreis findet heuer statt. „Es ist traurig, dass dieses ohnehin bittere Jahr nun auch noch so ein staades Ende finden muss“, bedauert Garchings Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) zur Absage der Garchinger Vorweihnacht und des Kunsthandwerkermarktes. „Es tut mit leid für diejenigen, die sich jedes Jahr aufs Neue hier einbringen und sich auch heuer einbringen wollten“, so Gruchmann.

Seine Kommune war eine der letzten, die das Aus für die beliebten Veranstaltungen in der Vorweihnachtszeit verkündet hat. Bereits Ende August – schon zu diesem Zeitpunkt gab es aufgrund steigender Infektionszahlen Verschärfungen bei den Hygienevorschriften – hatte der Gewerbeverband Oberhaching Konsequenzen gezogen und den Oberhachinger Christkindlmarkt abgesagt. „Jeder, der schon einmal auf unserem Christkindlmarkt am Kirchplatz war, weiß die heimelige Atmosphäre zu schätzen, kennt aber auch den enormen Andrang, der spätestens beim Erscheinen des Nikolaus regelmäßig herrscht. Das ist mit den Hygieneauflagen und unserem Verantwortungsgefühl gegenüber den Teilnehmern und den Besuchern nicht vereinbar,“ betonte in einer Pressemitteilung der Gewerbeverbandsvorsitzende Christoph Müller-Brandt.

Hygienevorschriften „unerfüllbar“

Auch die Argeter Dorfweihnacht, die nur alle zwei Jahre stattfindet, muss nun unfreiwillig ein weiteres Jahr pausieren. „Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben zu derart strikten Auflagen und Hygienevorschriften geführt, wie sie im Rahmen der Durchführung des Weihnachtsmarktes nicht erfüllbar sind“, teilt Organisator Heinrich Reichel den Fans des Marktes mit. Die Argeter Dorfweihnacht wird nun um ein Jahr verschoben.

In Feldkirchen hat man nicht nur den Christkindlmarkt abgesagt. Auch die Seniorenweihnachtsfeier im Gemeindesaal, zu der jährlich am zweiten Adventssamstag zwischen 350 und 400 Besucher kommen, sei gestrichen worden, teilt Gemeindemitarbeiterin Marion Ohnes mit. „So viele Personen aus der Risikogruppe auf einem Platz. Das können wir nicht vertreten“, sagt sie.

„Die Bedenken sind einfach zu groß“

Selbst Hans Sienerth ist „das Risiko zu groß“. Der parteilose Bürgermeister von Straßlach-Dingharting hat in den vergangenen Jahren als Privatmann den Adventsmarkt und das Winterweiherfest gemeinsam mit den Dinghartinger Vereinen und Gruppierungen organisiert. Allein zum Adventsmarkt mit den elf Buden seien in den vergangenen Jahren im Durschnitt rund 300 Personen gekommen, erzählt er: „Das waren urige, heimelige Treffen.“ Doch heuer müssen die Bürger auf diese Events verzichten. Sienerth hat sich mit den Vereinsvorsitzenden beratschlagt und ist zu dem Entschluss gekommen, beides abzusagen. „Die Bedenken sind einfach zu groß, dass wir kein umsetzbares Hygienekonzept vorlegen können.“ Man könne einfach nicht garantieren, dass die Menschen den gebotenen Abstand zueinander einhalten.

Doch macht ein Christkindlmarkt auf Distanz überhaupt Sinn? „Ein Christkindlmarkt, ohne dass man sich mit Leuten treffen kann, ist kein Hit“, findet der stellvertretende Vorsitzende des Pullacher Gewerbeverbandes, Manfred Müller. Deshalb hat der Gewerbeverband den Christkindlmarkt am Kirchplatz schweren Herzens abgesagt. „Es geht halt heuer einfach nicht“, sagt Müller. Man habe bereits vor einiger Zeit die Entscheidung getroffen, weil viele der Standl-Besitzer einen längeren Vorlauf bräuchten. Letztlich könnte niemand der Organisatoren die Sicherheit garantieren. „Und wir sind alles ehrenamtliche Mitarbeiter, die dann möglicherweise haften müssten“, betont Müller.

Alternativen? Schwierig.

Das Aus für die Adventsmärkte bedeutet nicht nur Einbußen für Budenbesitzer, Gastro-Unternehmer und Fieranten. Einige Organisatoren wollen mit ihrem Christkindlmarkt gezielt gutes Tun, spenden zum Beispiel den Erlös an soziale Projekte. So wie das ökumenische Gemeinschaftsprojekt Aschheimer Advent. Umso größer ist die Enttäuschung bei den Verantwortlichen. „Das wir den Aschheimer Advent absagen mussten, ist sehr traurig. Das ist vor allem ja auch eine Herzensangelegenheit der teilnehmenden Vereine“, sagt die Pfarrbeauftragte Ina Trainer. Man wolle den Menschen trotzdem die Gelegenheit geben, sich auf Weihnachten entsprechend vorzubereiten. Zum Beispiel, in dem man Besinnungsorte vor den Kirchen anbietet. Und Trainer hofft, dass die Menschen dann eben individuell etwas für gute Zwecke spenden.

Ersatzveranstaltungen waren zuletzt unter anderem auch in Garching, Unterschleißheim und Kirchheim geplant. Doch ob beispielsweise der angedachte Künstleradventsmarkt in Kirchheim anstelle des traditionellen Christkindlmarktes stattfinden kann, ist angesichts der Infektionszahlen mehr als fraglich. „Wir würden unseren Bürgern gerne etwas bieten, aber die Sicherheit und Gesundheit der Kirchheimer geht vor“, stellt Katharina Ruf, die Referentin für Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit im Kirchheimer Rathaus klar.

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus im Landkreis München informieren wir in unserem News-Ticker.

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