+
Abtransportiert: die Zeburinder aus Hochbrück.

Dauerstreit um Hochbrücker Herde

Veterinäramt kassiert Zeburinder 

  • schließen

Der Dauer-Streit um die Zeburinder von Christine Scherr ist eskaliert: Das Landratsamt hat  150 Rinder abholen lassen. Die Behörde sieht das Tierwohl gefährdet. 

Hochbrück – Die Rinderherde von Christine Scherr, die bis vor Kurzem noch auf einer Wiese an der Ingolstädter Landstraße im Südwesten von Hochbrück stand, ist weg. 150 Zebus sind am Montag abtransportiert worden. In drei Viehtransportern. Auf Geheiß des Veterinäramts am Landratsamt. Und unter den Augen von Besitzerin Christine Scherr und ihrer Tochter, die sich fühlten „wie vom Lkw überfahren“, sagt die Mutter.

Die „Tierfortnahme“, wie das im Amtsdeutsch heißt, ist der Höhepunkt im Streit zwischen den Behörden und der Rinderhalterin, mit der man sich seit zehn Jahren „herumärgere“, wie es eine Vertreterin des Veterinäramts im Sommer 2016 bei einem Gerichtstermin formulierte.

Seinerzeit klagte Christine Scherr vor dem Verwaltungsgericht München gegen die behördlich angeordnete Auflösung ihrer Herde – und verlor. In der Folge ging sie in Berufung; seither liege der Fall am Verwaltungsgerichtshof, berichtet Christina Walzner, Sprecherin des Landratsamts.

Laut der Behördensprecherin sind die jüngsten Geschehnisse ins Rollen gekommen, „weil die Herde dort seit Längerem nicht tierschutzgerecht gehalten wird“. Zuletzt habe eine Kontrolle am 1. Dezember gezeigt, dass sich die Zahl der Rinder in Hochbrück zwischenzeitlich von 120 auf 150 erhöht habe, so Walzner. Ihnen stünde jedoch eine Weide zur Verfügung, „die um ein Drittel kleiner geworden ist“. Überdies hätten sich die Bedingungen für die Tiere verschlechtert: „Es gibt viel Matsch und Morast, aber zu wenige trockene und witterungsgeschützte Liegeflächen“, sagt die Amtssprecherin. Dadurch seien die Tiere „von Kälte, Krankheit und Leiden bedroht“. Und nicht zuletzt habe man festgestellt, dass die Rinder „in einem gesundheitlich nicht guten Zustand“ seien. Summa summarum etliche Gründe, deretwegen sich das Landratsamt gezwungen sah, die Reißlinie zu ziehen. Die Tiere seien aktuell „in einem Stall unter guten Haltungsbedingungen“ untergebracht.

Vor Gericht streitet Christine Scherr um ihre Herde.

Für Christine Scherr ist die Aktion nur einer von vielen Querschüssen des Veterinäramts, „das mich schon seit Jahren auf alle erdenklichen Weise behindert“. Sie sei am Montag um 9 Uhr angerufen worden und habe erfahren, dass eine Stunde später der Abtransport ihrer Tiere beginnen werde. Die Argumente der Behörde hält sie für haltlos. Und sie betont: „Die Tiere sind am Montag stundenlang ohne Wasser auf dem Viehtransporter gestanden. So viel leiden mussten sie im ganzen letzten Jahr nicht.“ Über ihren Anwalt habe sie sich per Eilantrag an den Verwaltungsgerichtshof gewendet, sagt Scherr. Sie will ihre Tiere zurück – zumal sie gerade erst einenStall für die Rinder im Landkreis Freising gefunden habe, sagt die Halterin, die bei Petershausen lebt.

Derweil plant das Veterinäramt den Verkauf von Tieren, um die Herde zu reduzieren, sagt Christina Walzner. Der Erlös werde an die Halterin gehen – abzüglich der Kosten für den Abtransport und die Versorgung der Rinder. Konkret seien das einmalig 6000 Euro sowie pro Tag 700 Euro fürs Futter, zürnt Christine Scherr. „Damit wollen die mich in die Knie zwingen.“ Dass die Behörde die Rinder nun verkaufen möchte, klingt für sie wie Hohn. „Wenn die Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt geklappt hätte, hätte ich längst etliche Tiere verkauft.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Feuerwehren bergen nach Unfall acht Tonnen Ladung
Auf der A99 bei Feldmoching ist in der Nacht zum Mittwoch ein Sattelzug umgekippt und hat seine Ladung auf der Fahrbahn verteilt. Die Feuerwehren hatten ordentlich zu …
Feuerwehren bergen nach Unfall acht Tonnen Ladung
Freunde Grünwald laden zum Frühjahrskonzert
Die Vereinigung der Freunde Grünwald lädt zum Frühjahrskonzert ein. Jugendblaskapelle und Blasorchester spielen einen abwechslungsreichen Mix.
Freunde Grünwald laden zum Frühjahrskonzert
Hochbrück: Offene Ganztagsschule startet im Herbst
Hochbrück bekommt eine offene Ganztagsschule - die Stadt Garching lässt sich das einiges kosten. Standort ist das ehemalige Sparkassengebäude.
Hochbrück: Offene Ganztagsschule startet im Herbst
Trauer um das Schlösschen von Unterhaar
Die Bäume von Efeu überwuchert, vom Haus blättert der Putz. Das „Schlösschen von Unterhaar“ an der Zunftstraße liegt im Dornröschenschlaf. Aus dem es die Abrissbirne …
Trauer um das Schlösschen von Unterhaar

Kommentare