Drei Männer im Gespräch über Ängste und Sorgen: (v.l.) Christian Mörtel, Leiter der Ismaninger Bücherei, Autor und Risikoforscher Klaus Heilmann und der Leiter der Volkshochschule im Norden des Landkreises, Lothar Stetz. Dieter MichalekDrei Männer im Gespräch über Ängste und Sorgen: (v.l.) Christian Mörtel, Leiter der Ismaninger Bücherei, Autor und Risikoforscher Klaus Heilmann und der Leiter der Volkshochschule im Norden des Landkreises, Lothar Stetz.

Diese diffuse Sorge vor der Zukunft

„German Angst“, ein Phänomen in Deutschland, das die Sorge vor der Zukunft beschreibt. Erklärt und begründet bei einem Vortrag von Risikoforscher Klaus Heilmann.

Ismaning – Kurz nach dem Amoklauf in München sei sie im Alltag etwas aufmerksamer gewesen, das schon, sagt Barbara Mayr. „Wenn ich mit der U-Bahn gefahren bin, habe ich an der Haltestelle auch mal nach links und rechts geschaut“, erzählt die Ismaningerin, bevor sie den Gedanken beiseite wischt. Denn inzwischen habe sich das wieder gelegt: „Ich habe keine Angst, wenn ich unterwegs bin. Und auch sonst habe ich keine besonders große Angst, was die Zukunft angeht.“

Ähnlich wie Barbara Mayr äußern sich die meisten Besucher an diesem Abend in der „Blackbox“ in Ismaning. Und doch sind sie hierher gekommen zu einem Vortrag mit dem Titel: „German Angst – Die Angst vor Gewalt, Kriminalität und Terror“. Referent ist der Risikoforscher und Autor Klaus Heilmann, der eigentlich nicht mehr öffentlich auftreten wollte, wie er zu Beginn einräumt. „Aber zuliebe der Arbeit an den Volkshochschulen“, sagt er in Richtung des VHS-Leiters Lothar Stetz, „habe ich doch zugesagt“.

In seinem Vortrag räumt Klaus Heilmann erst mal mit einem verbreiteten Irrtum auf. So sei die „German Angst“, die den Deutschen weltweit zugeschrieben wird, eigentlich gar keine Angst im Wortsinn. Vielmehr handle es sich um eine Sorge, also „das Gefühl, dass etwas Unerfreuliches kommen könnte“, wie Klaus Heilmann es formuliert. Die Angst hingegen beziehe sich auf eine konkrete Gefahr, sei die „eingebaute Alarmanlage“ des Menschen und überdies sein „Schutzengel“, sagt der Risikoforscher. „Angst ist also entgegen des Sprichworts ein guter Ratgeber.“

Anders dagegen bei der „German Angst“, dieser diffusen Sorge vor der Zukunft. Sie grassiere hierzulande nicht etwa trotz, sondern weil man in Deutschland „noch nie so gut und so sicher gelebt hat wie heute“, argumentiert Heilmann. „Diese Sorgen würden schnell vergehen, wenn es uns wirklich schlecht ginge.“ Wobei sich die Deutschen um die falschen Dinge sorgen, da viele von ihnen die Risiken für bestimmte Gefahren fehlerhaft einschätzen. Ein Beispiel, so Heilmann: „Würde täglich ein Jumbo Jet abstürzen, dann würden die Menschen bald das Fliegen einstellen. Dabei sterben bei uns genauso viele Menschen durch die Folgen des Rauchens – und das interessiert kaum jemanden.“ Auch die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Terroranschlags zu werden, sei mit 1 zu 27 Millionen verschwindend gering, werde aber laut einer Studie von 63 Prozent der Bundesbürger überschätzt. Andersrum würden die Gefahren durch falsche Ernährung, Alkohol und Bewegungsmangel von einer Mehrheit unterschätzt.

In der Diskussion mit den rund ein Dutzend Zuhörern verrät Klaus Heilmann noch, welches Problem er selbst als das Gefährlichste einschätzt. Das sei weder Terror noch Klimawandel noch Naturkatastrophen, sondern: „Die stetige Zunahme der Weltbevölkerung ist die größte Gefahr überhaupt.“  ps

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