Auf der Teststrecke der A 9 in Garching messen Radare und Kameras den Verkehr. Sie erfassen die Fahrzeuge, deren Position und Geschwindigkeit. Mit diesen Daten wird ein digitaler Zwilling erstellt, der das Verkehrsgeschehen in Echtzeit widerspiegelt. Sendemasten leiten die Daten des digitalen Zwillings dann an die Fahrzeuge im Sendeabschnitt weiter. So wird die Reichweite herkömmlicher Sensoren erweitert. Über eine App oder das Assistenzsystem können dann etwa Spurwechsel-Empfehlungen oder Unfallwarnungen an den Fahrer weitergegeben werden.
+
Auf der Teststrecke der A 9 in Garching messen Radare und Kameras den Verkehr. Sie erfassen die Fahrzeuge, deren Position und Geschwindigkeit. Mit diesen Daten wird ein digitaler Zwilling erstellt, der das Verkehrsgeschehen in Echtzeit widerspiegelt. Sendemasten leiten die Daten des digitalen Zwillings dann an die Fahrzeuge im Sendeabschnitt weiter. So wird die Reichweite herkömmlicher Sensoren erweitert. Über eine App oder das Assistenzsystem können dann etwa Spurwechsel-Empfehlungen oder Unfallwarnungen an den Fahrer weitergegeben werden.

Verkehrssicherheit

Digitaler Schutzengel auf den Straßen: Garchinger Forschungsprojekt mit bundesweiter Tragweite

  • Sabina Brosch
    vonSabina Brosch
    schließen

In Garching wird mit dem Forschungsprojekt „Providentia++“ der Verkehr der Zukunft erprobt. Über einen sogenannten digitalen Zwilling wird das Verkehrsgeschehen in Echtzeit erfasst. Er soll nicht nur den Verkehr intelligent ordnen, sondern auch für mehr Sicherheit sorgen und Unfälle vermeidbar machen. Ein Projekt mit bundesweiter Tragweite.

Garching – Vor vier Jahren startete das Projekt Providentia mit einem Testfeld entlang der A9. „Unser Ziel ist eine Steuerung und Optimierung des Verkehrs zur Verbesserung der Sicherheit, wir wollen die Autofahrer über ihre Assistenzsysteme mit besseren Informationen versorgen“, sagt Alois Knoll, Leiter des Lehrstuhls für Robotik, Künstliche Intelligenz und Echtzeitsysteme an der TU in Garching und Leiter des Projekts.

Kameras und Radarsysteme auf der A9

Auf der Schilderbrücke bei Garching-Nord sind acht Kameras sowie acht Radarsysteme installiert, die jedes Fahrzeug und seine Geschwindigkeit erfassen. Neben der Straße stehen zwei weiße Kästen, in denen die Daten verarbeitet und die Autos und Lkws identifiziert und anonymisiert werden. Das Ergebnis zeigt, dass eine digitale Autobahn möglich ist und die Informationen aus dem nutzbar sind für einen vorausschauenden Fahrbahnwechsel oder eine Temporeduzierung, um Staus zu verhindern sowie Unfälle zu vermeiden. „Wir erzeugen einen digitalen Zwilling, erfassen und spiegeln also die Live-Situation des Verkehrsgeschehens“, sagt Knoll. Kurzfristige Vorhersagen und Warnungen können dann an ein Smartphone oder ein Fahrassistenzsystem weitergegeben werden.

Vom Bundesverkehrsministerium mit neun Millionen Euro unterstützt

Das Projekt wird vom Bundesverkehrsministerium mit neun Millionen Euro finanziell unterstützt und wurde von der Koordinierungsstelle für Autonomes Fahren gestartet. „Die Vernetzung ist entscheidend für die Digitalisierung des Verkehrs. Der digitale Zwilling spielt die Schlüsselrolle für die Assistenzsysteme der Zukunft“, ist sich Knoll sicher. Ist das System flächendeckend, können so auch Routen geplant und auch schwierige Punkte oder Regionen umfahren werden. Eine entsprechende App ist für Knoll hier denkbar.

Weiterentwicklung auch im städtischen Bereich

Nach dem Testlauf auf der A9 wird das Projekt nun auf den urbanen Raum erweitert. Der Nachfolger Providentia++, der ab diesem Monat einsatzfähig ist, bezieht Radfahrer und Fußgänger mit ein, um so auch alltagstauglich zu werden. Dafür wird die B471 entlang der Schleißheimer Straße mit der entsprechenden Technik bestückt. Interessant sind vor allem die Knotenpunkte, wie etwa die Kreuzung zur Zeppelinstraße. Hier treffen Lkw, Pkw, Radler und Fußgänger aufeinander. „Gerade an Kreuzungen kommt es zu den Rechtsabbieger-Unfällen. Wenn der Fahrer präzise, etwa durch ein akustisches Signal, gewarnt wird, dass sich von rechts ein anderer Verkehrsteilnehmer nähert, dann kann ein Unfall vermieden werden“, sagt Knoll. Dafür braucht es aber erst den nächsten Schritt, dass die Assistenzsysteme oder Navis auch fähig sind, solche Informationen zu empfangen und auszuwerten. Um eine Überwachung der Verkehrsteilnehmer geht es bei Providentia nicht, es gibt keine Gesichtserkennung, Nummernschilder würden nicht erfasst.

Auf urbane Räume wurde das Projekt nun erweitert. In Kreuzungsbereichen können so Radfahrer und Fußgänger einbezogen und Rechtsabbieger-Unfälle vermieden werden.

30 Millionen Euro, um den Mittlere Ring mit der Technik auszustatten

Knoll sieht für sein Projekt enorme Chancen, um auf den deutschen Straßen eine moderne Infrastruktur aufzubauen. „Man müsste halt jetzt endlich den ersten Schritt in die Umsetzung wagen. Ich befürchte, dass wir in Deutschland im Entwicklungsstatus bleiben und dann aus dem Ausland überrollt werden.“ Um den Mittleren Ring auszustatten kommt er grob auf Kosten von etwa 30 Millionen Euro, die Hälfte der deutschen Autobahnen auszurüsten, schätzt Knoll auf eine Milliarde Euro.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare