Pläne für Testfeld 

Durch Garching kurven Autos ohne Fahrer

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Garching - Kurven auf dem Garchinger Forschungsgelände bald reihenweise selbstfahrende Autos umher? Nach den Plänen einer Denkfabrik soll auf dem Campus das bundesweit erste Testfeld für autonomes Fahren entstehen.

Ein Auto biegt von der Lichtenberg- in die Bolzmannstraße ein und rollt vorbei an der Maschinenbau-Fakultät auf dem Garchinger Forschungsgelände. Vor dem U-Bahnhof hält der Wagen an, damit ein Student die Straße überqueren kann. Doch der bleibt wie angewurzelt stehen und blickt entgeistert ins Innere des Autos. Denn dort sitzt – niemand. Vielmehr wird dieses selbstfahrende Fahrzeug von einem Computer gelenkt.

Pläne einer Denkfabrik

Noch sind derlei Szenen Zukunftsmusik. Doch geht es nach Siegfried Balleis, dann sollen sie bald Realität werden. Der einstige Oberbürgermeister von Erlangen gehört zu einer Expertengruppe, einer sogenannten Denkfabrik. Ihr Ziel: Sie will ein Testfeld für autonomes Fahren in Bayern schaffen, wo selbstfahrende Autos in einer realistischen Probelandschaft auf Herz und Nieren geprüft werden können. Ihr Wunschort hierfür sei das „absolute Hightech-Zentrum in Bayern“, so Balleis – nämlich der Forschungscampus in Garching.

Campus Garching wäre ideal

Das Areal sei in mehrfacher Hinsicht ideal geeignet für solch ein Testfeld. Erstens befinde sich das Grundstück im Besitz des Freistaats. „Das heißt, man ist dort Herrscher über die Verkehrsregeln“, erklärt Balleis. „Man kann so ein Testfeld ja nicht in irgendeinem Wohngebiet errichten.“ Zweitens sei in Garching die TU München mit ihrem größten Standort direkt vor Ort. Die Universität ist eine von fünf bayerischen Hochschulen, die nach dem Wunsch der Denkfabrik im Rahmen eines Forschungsverbunds mit ins Boot geholt werden sollen. Überdies müsse man in das Projekt „die Audis, BMWs und Continentals dieser Welt integrieren“, sagt der Alt-OB. Drittens liegt das anvisierte Gelände nur einen Steinwurf von der A 9 entfernt, die das Bundesministerium für Verkehr unlängst zum „Digitalen Testfeld Autobahn“ erkoren hat. Dort sollen Firmen neue Systeme und Technologien erproben können – unter anderem auch mit selbstfahrenden Autos.

Auf der Autobahn ist es einfacher

Jedoch sei dies kaum vergleichbar mit dem angedachten Testfeld in Garching, sagt Siegfried Balleis. „Auf der Autobahn ist das lange nicht so kompliziert. Dort gibt es keine Radfahrer und keine Fußgänger. Die viel größere Herausforderung ist das autonome Fahren im urbanen Feld.“ Genau das soll nach den Plänen der Denkfabrik in Garching erprobt werden. „Das wäre sensationell, weil es so etwas in ganz Deutschland noch nicht gibt“, betont Balleis. „In den USA existieren bereits vier solcher Testfelder. Aber es kann doch nicht sein, dass die deutsche Autoindustrie ihre Forschung und ihre Tests in Amerika durchführt.“

Für das angestrebte Testfeld in Garching schwebt Balleis eine öffentlich-private Partnerschaft vor – auch wegen der geschätzten Kosten von rund 50 Millionen Euro. Von technischer Seite her ließe sich das Projekt in maximal drei Jahren realisieren, glaubt der Alt-OB.

Die weitaus größere Herausforderung dürfte jedoch sein, die verschiedenen Partner mit an Bord zu holen. Mit der TU München habe es bereits erste Gespräche gegeben, berichtet Balleis. Und auch bei der Stadt Garching sei man vorstellig geworden. Dort bestätigt Geschäftsführerin Sylvia May, dass es ein Treffen zwischen dem Bürgermeister und Siegfried Balleis gegeben habe. Der werde den aktuellen Stand und die Pläne seiner Denkfabrik nun in der nächsten Stadtratssitzung vorstellen.

Vorstellung im Stadtrat

Am Donnerstag, 23. Juni, um 19.30 Uhr beginnt die Stadtratssitzung. Das Testfeld für autonomes Fahren auf dem Forschungsgelände kommt gleich nach der Bürgerfragestunde auf den Tisch.

Rubriklistenbild: © dpa

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