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Sauber eing’schenkt: Der streitbare und auch umstrittene Fraktionschef der Grünen, Hans-Peter Adolf, übt im Beethoven-Saal der Musikschule scharfe Kritik an der SPD Garching und ihrem Bürgermeister Dietmar Gruchmann. 

Die Entfremdeten

So richtig wohl fühlen sich die Garchinger Grünen offensichtlich nicht im Gefüge der städtischen Kommunalpolitik.

Von Patrik Stäbler

Garching – Fußball-Analogien sind nicht erst seit Edmund Stoiber ein parteiübergreifend überaus beliebtes Mittel in der Politik. Auch die Garchinger Grünen haben sich nun daran versucht und zur Mitte der Legislaturperiode im Stadtrat gewissermaßen zu einer Halbzeitansprache eingeladen.

Laut der mit allerlei Fußbällen garnierten Ankündigung sollte es um „unsere Tore“, aber auch um „Fouls an unserer Mannschaft“ gehen. Vor allem hat die Veranstaltung jedoch gezeigt: So wie die Fans zweier Vereine ein und dasselbe Spiel oft komplett unterschiedlich bewerten – so driften auch das Eigen- und das Fremdbild auseinander, wenn es um das Wirken der Grünen-Fraktion im Stadtrat geht.

Zunächst aber zur Zwischenbilanz der Grünen, die sich laut Fraktionschef Hans-Peter Adolf sehen lassen kann. Er blickte zurück auf die Bürgermeisterwahl, bei der seine Partei den SPD-Kandidaten Dietmar Gruchmann unterstützt hatte, und auf den Beginn seiner Amtszeit, die sich „sehr gut angelassen“ habe. So hob Adolf den Kampf seiner Fraktion für einen Flüsterasphalt auf der B 471 hervor sowie den Zehn-Minuten-Takt bei der U-Bahn, den die Grünen angestoßen hätten – „auch wenn jetzt der Bürgermeister damit hausieren geht“. Mit dieser Spitze ging Hans-Peter Adolf über zur zunehmenden Entfremdung seiner Partei mit dem Rathauschef und der SPD. Er monierte „einen Bruch“ in der Politik des Bürgermeisters, der sich allzu sehr auf seine Verwaltung verlasse. „Man merkt bei Herrn Gruchmann, dass da ein bisserl die Führung fehlt. Ihm fehlen Ideen, er hat keine Visionen, wo Garching hin will, er will nichts, und ihm ist alles wurst.“

Als Beispiel führte Adolf den Zwist um das angestrebte Bürgerbegehren der Grünen zum Lieferverkehr auf dem Helmut-Karl-Platz an. Hier wirft er dem Rathauschef vor, beim Thema Durchfahrtsrecht mit „alternativen Fakten“ zu hantieren: „Man muss nur lange genug behaupten, es gibt ein Durchfahrtsrecht, dann glaubt es der Gruchmann und dann glaubt es der Stadtrat.“

Ingrid Wundrak ging in der Folge auf das neue Kinderhaus ein, dessen ursprüngliche Pläne der Stadtrat hatte durchfallen lassen – aufgrund von „Schaukämpfen“, wie Gruchmann es genannt hatte. „Dass er jetzt so was sagt, finde ich unverschämt“, zürnte Wundrak. „Dass es zu einer Verzögerung gekommen ist, lag nur daran, weil er nicht auf uns gehört hat.“ Auch Werner Landmann attackierte den Rathauschef in puncto Sozialstaffelung der Kita-Gebühren. Dies sei als Ziel im SPD-Wahlprogramm verankert gewesen, „doch dann wollte der Bürgermeister nichts mehr davon wissen“, ärgerte sich Landmann. Dies sei für ihn der Auslöser gewesen, nach mehr als 20 Jahren aus der SPD auszutreten und sich den Grünen anzuschließen – ein Schritt, „den ich bis heute nicht bereut habe“, wie er sagte. Im Gegenteil: „Mir macht’s wieder Spaß, Politik zu machen. Das war in den letzten Jahren nicht der Fall.“

Zuletzt hob Walter Kratzl den Einsatz seiner Fraktion für ein intelligentes Straßenmanagement samt Straßenmeister hervor – und auch hier kam das eigene Tun naturgemäß gut weg.

Ganz anders klingt das, wenn man sich an anderer Stelle im Stadtrat umhört. So kritisierte SPD-Fraktionschef Joachim Krause unlängst beim Ortsvereinstreffen seiner Partei, die Grünen würden seit einiger Zeit „irrlichtern – anders kann man das nicht sagen“. So hätte die Ökopartei in der vergangenen Legislaturperiode erst die CSU-Bürgermeisterin Hannelore Gabor gestützt und dann fallen gelassen, sagte Krause. Nun sei selbiges mit dem SPD-Rathauschef geschehen. „Da fragt man sich schon, mit wem sie überhaupt noch zusammenarbeiten wollen.“

Derweil attestierte CSU-Fraktionschef Jürgen Ascherl den Grünen-Stadträten zwar „manchmal gute Ideen und Ansätze“. Zugleich habe er aber oft den Eindruck, „dass sie grundsätzlich auf Gegenkurs gehen, nach dem Motto: Wir sind einfach mal gegen alles.“ Überdies kritisierte der CSU-Mann die Gangart von Hans-Peter Adolf, der im Stadtrat nicht mit heftigen Verbalattacken, vor allem auf die Stadtverwaltung, spart. „Gerade die aggressive Tonart und die Lautstärke finde ich schwierig. Das ist sicher nicht beleidigend, aber mein Tonfall ist das nicht.“ Oder um zum Fußballjargon zurückzukehren: Was für den einen ein Treffer ist, ist für den anderen manchmal ein Eigentor.“

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