Der Ostersonntag wird für die Türkei zum Schicksalstag: Das Referendum ist niht nur Gesprächsthema unter den Deutsch-Türken im Landkreis, ist ist omnipräsent.
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Der Ostersonntag wird für die Türkei zum Schicksalstag: Das Referendum ist niht nur Gesprächsthema unter den Deutsch-Türken im Landkreis, ist ist omnipräsent.
Deniz Dadli sieht sich als Moderator bei der Diskussion.
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Deniz Dadli sieht sich als Moderator bei der Diskussion.
Robert Laufmann erkennt eine Spaltung unter den Jugendlichen.
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Robert Laufmann erkennt eine Spaltung unter den Jugendlichen.

Vor dem Referendum

Erdogan verfolgt Jugendheim-Leiter bis unter die Dusche

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Am Sonntag stimmt die Türkei über die Einführung eines Präsidialsystems ab. Dieses Referendum hat hierzulande für viele Debatten gesorgt – auch in den Jugendhäusern im Landkreis.

Landkreis – Sogar in der Dusche ist Deniz Dadli nicht gefeit vor dem Thema. Als der Leiter der Oberschleißheimer Jugendfreizeitstätte Planet O kürzlich nach dem Fußball in Ottobrunn unter der Brause stand, habe ihn ein Fremder angesprochen. „Du bist doch aus der Türkei, hat er gesagt“, erzählt Dadli, der dort geboren ist, 1978 nach Deutschland kam und inzwischen einen deutschen Pass hat. „Und dann wollte er von mir wissen, wie ich denn zu Erdogan stehe – in der Dusche!“

Dadli erzählt diese Anekdote, weil er verdeutlichen will: Das Geschehen in der Türkei ist für türkischstämmige Menschen in Deutschland ein allgegenwärtiges Gesprächsthema. Und das nicht erst ob des nahenden Referendums. „Das ist schon seit Längerem so – mit der Armenien-Resolution, mit dem Putsch, mit Böhmermann und so weiter.“ Und dieses Thema sei auch nicht nur in seinem Planet O in Oberschleißheim allgegenwärtig, betont Deniz Dadli. „Sondern überall, in ganz Deutschland – wer etwas anderes behauptet, der sagt nicht die Wahrheit.“

Respekt vor Andersdenkenden 

Im Planet O jedenfalls sind der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und das Verfassungsreferendum dieser Tage Dauerthema, und Deniz Dadli lässt die Diskussionen auch bewusst zu: „Unsere Philosophie ist: Die Kinder und Jugendlichen dürfen über alles reden – aber der Respekt vor dem anderen muss da sein.“ Wenn Unterstützer und Gegner des Präsidenten in der Einrichtung aneinandergeraten, dann hält sich Deniz Dadli mit seiner eigenen Meinung zurück: „Ich bin eher der Moderator, der darauf achtet, dass die Spielregeln eingehalten werden.“

Ähnlich hört sich das bei Jan Stepputtis vom Jugendhaus in Garching-Hochbrück an. Auch er bestätigt, dass gerade die älteren Jugendlichen mit türkischen Wurzeln sehr angeregt über die Geschehnisse in der Türkei diskutieren. „Wir hören uns immer an, was sie zu erzählen haben. Ich denke, es ist wichtig, dass man niemanden vorverurteilt.“

Elternhaus prägt die Wahrnehmung

In den Diskussion zeige sich, dass es sowohl Erdogan-Befürworter als auch -Gegner gebe – „meinem Eindruck nach hält sich das bei uns ungefähr die Waage“, sagt Stepputtis, der festgestellt hat: „Die Einstellung hängt sehr stark vom Elternhaus ab.“

Das bestätigt auch Robert Laufmann, Leiter des Jugendkulturzentrums „Next Level“ in Taufkirchen: „Hier sehen wir ganz klar auch eine Spaltung bei den Jugendlichen“, sagt der 37-Jährige. „Je nachdem, ob die Jugendlichen aus einer liberalen Familie kommen oder aus einer konservativen Familie mit traditionellen Werten, gehen die Meinungen hier ganz stark auseinander.“

Meinungen prallen aufeinander

Auch in der Jugendkulturwerkstatt in Unterhaching prallen verschiedene Ansichten aufeinander, wenn es um das nahende Referendum geht. Allerdings betont Leiter Tobias Kühn: „Das Thema ist lange nicht so dominant, wie es beispielsweise bei der Frage der Flüchtlinge war.“ Und dennoch hat Tobias Kühn in den Diskussionen der Jugendlichen festgestellt: „Die Stimmung ist aufgeheizter geworden. Und leider wird bei dem Thema sehr viel mit Vorurteilen gearbeitet.“

Ein Grund hierfür sei sicher auch die Dauerberieselung zum Thema Türkei und Erdogan in den Medien und sozialen Netzwerken, mutmaßt Deniz Dadli. „Da werden die Kinder überflutet mit Bildern und Infos. Die stehen mit Erdogan auf und gehen abends mit Erdogan ins Bett. Da muss man mal überlegen, was das mit den Kindern macht.“

Seiner Meinung nach hat die überwiegend kritische Berichterstattung in den deutschen Medien über den Präsidenten bei einigen Jugendlichen zu einer Trotzhaltung geführt: „Deutschland hat einen Dämonen aufgebaut. Viele Türkischstämmige hier haben das Gefühl, dass sie nicht fair behandelt werden und nehmen daher eine Verteidigungshaltung ein.“ So sagt Deniz Dadli: „Vor ein paar Monaten hätte ich noch gedacht, dass die Mehrheit der Türken in Deutschland beim Referendum für Nein stimmt.“ Jetzt glaubt er das eher nicht mehr.

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