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Das Team von „OmegaLambdaTec“ vor dem gate: Seher Kaya, Alexander Fritz, Rene Fassbender, Alessandro Nastasi und Noemi Salamone.

Start-Up-Szene boomt

Existenzgründer zieht’s in den Landkreis München

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Garching - Für Rene Fassbender ist das „Gate“ in Garching der „ ideale Standort“. Die Region München biete alles, was es für eine Existenzgründung braucht. Eine gute Mischung aus Weltkonzernen, „hochattraktivem Mittelstand“ und Industrie, eine „exzellente Forschung“ auf dem Campus in direkter Nachbarschaft und großzügige Förderprogramme des Freistaats. Darum war für Fassbender schnell klar: Wenn er ein Unternehmen gründet, „dann in der Region München“.

Der promovierte Astrophysiker, 39, hob sein Unternehmen „OmegaLambdaTec“ 2015 aus der Taufe, am 1. Juni zog er mit seinem Team – zwei weitere Wissenschaftler sowie zwei Angestellte für die Verwaltung – in zwei Büros des Garchinger Technologie- und Gründerzentrums. Heute, ein Jahr später, „geht’s richtig los“, gibt es die ersten bezahlten Aufträge für das Start-Up-Unternehmen.

"OmegaLambdaTec" startet durch

Die Pilotphase hat der Dienstleister für komplexe Datenanalysen und -lösungen hinter sich gelassen. Fassbender und sein Team wollen Konzernen und Städten helfen, „Datenschätze zu heben“ – und diese zu nutzen. Zum Beispiel Energieversorgern, die Daten zum Stromverbrauch der Kunden per Smartphone-App an die Verbraucher zurückspielen möchten, um Einsparpotenziale und den richtigen Tarif passgenau für jeden Kunden bieten zu können.

Auch bei der Wartung von Maschinen will „OmegaLambdaTec“ Unternehmen helfen – indem die erfahrenen Wissenschaftler die Daten, die mittels Sensoren in den Maschinen generiert werden, herauslesen, analysieren und so wissen, „wann eine Wartung nötig ist, bevor die Maschine es weiß oder sogar defekt ist“, erläutert Fassbender das weite Feld der Data-Science-Services, den seine Firma anbietet. Fassbender fühlt sich im Landkreis bestens aufgehoben. Auch, weil es eine „boomende Start-Up-Szene gibt“, die von der Politik unterstützt und vom Land finanziell gefördert wird.

Landkreis wächst gegen den Trend

Die Zahlen geben ihm recht. Die Start Ups boomen im Landkreis – im Gegensatz zum Trend im gesamten Freistaat. Fassbender, zeitgleich stellvertretender Vorsitzende des neuen IHK-Regionalausschusses, war einer von 4213 Jungunternehmern, die 2015 den Schritt in die Selbständigkeit wagten. Das geht aus den aktuellen Zahlen der Industrie- und Handelskammer (IHK) hervor. Mithalten kann in Oberbayern nur Freising. Der Landkreis München nimmt mit einem Plus von 13,8 Prozent die Top-Position ein. In Bayern gingen sie um 3,3 Prozent, im Regierungsbezirk Oberbayern um 4,7 Prozent zurück.

Im Landkreis München trauen sich Unternehmer vor allem im Grundstücks- und im Baugewerbe an die eigene Firmengründung. Das Baugewerbe verzeichnete im Jahr 2015 insgesamt 530 Gewerbeanmeldungen. 2014 waren es 435. 

Kindermode in Höhenkirchen

Aber nicht nur dieser Bereich ist attraktiv. Christine Meister aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn versucht sich in einem ganz anderen Bereich als Selbstständige: Sie gründete mit ihrem Mann im Jahr 2012 den Online-Kindermode-Shop „Tines Kinderecke“ (www.kinderecke-shop.de). Im April 2015 kam ein eigener Laden in Höhenkirchen hinzu. Ein Schritt, „den ich nie bereut habe. Ich würde es immer wieder tun“, sagt die zweifache Mutter. Obwohl aller Anfang schwer ist und das Geschäft vor Ort „noch etwas Schubkraft von Kunden gebrauchen könnte“, gibt sie offen zu. Den Hauptumsatz erzielt sie derzeit mit dem Online-Shop. Sie glaubt zwar, dass sie in der Stadt vielleicht mehr Kunden erreichen könnte, aber dort sind die Mieten deutlich höher.

IHK lobt Wirtschaftsklima im Landkreis

Ein Aspekt des wirtschaftlich günstigen Klimas, das im Landkreis herrsche, sagt Robert Obermeier, IHK-Abteilungsleiter Volkswirtschaft und Standortpolitik. „Das allgemeine wirtschaftliche Umfeld ist sehr gut.“ Dabei kommt den regionalen Gründerzentren wie dem „Gate“ eine große Bedeutung zu. Sie sind ein Anziehungspunkt für viele Start-Ups. Hinzu kommt, dass sich der aufstrebende Dienstleistungssektor gern im unmittelbaren Einzugsbereich von Metropolen ansiedelt. So wie Christine Meister mit der Kindermode. Viele junge Existenzgründer zieht es laut IHK aus der Stadt raus aufs Land. „Leute, die aus einer abhängigen Beschäftigung in die Selbständigkeit wechseln, wählen für ihr Start Up gern den Wunschstandort“, sagt Obermeier. 

Und der ist für Christine Meister eindeutig Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Auch, um in der Nähe ihrer Kinder arbeiten zu können. 

In der Landeshauptstadt sind die Gewerbeanmeldungen mit 5,4 Prozent rückläufig. Außerdem drücken Gewerbesteuern, die im Umland mitunter bei 280, in München aber bei 500 Prozentpunkten liegen, die neuen Unternehmen raus aus der Stadt. Das werde steuerbefreite Existenzgründer nicht akut belasten, sagt Obermeier. Dennoch müssten ausreichend Gewinne während der Gnadenfrist erwirtschaftet werden. „Und München hat ein akutes Platzproblem.“

Günstige Kredite sind wie Doping

Das gute Ergebnis für den Landkreis München wertet IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen als Beleg für die wirtschaftliche Stärke der Region. Dennoch warnt er vor überzogenem Optimismus: „Die gute Stimmung ist gedopt.“ Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und billiges Öl ließen die Konjunktur robuster erscheinen als sie ist. Inzwischen würde fast jeder zweite Betrieb in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine Gefahr für die Geschäftsentwicklung sehen: „Die ultralockere Geldpolitik und eine Politik wohlfeiler Versprechen ohne Interesse an solidem Wachstum werden von immer mehr Unternehmen als Risiko eingestuft.“

Gründerzentren im Landkreis München

 Arcone-Technologiezentrum in Höhenkirchen-Siegertsbrunn, www.arcone-tec.de IZB: Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie in Martinsried; info@izb-martinsried.de Gate: Garchinger Technologie- und Gründerzentrum GmbH, team@gategarching.com Entrepreneurship Center: Gründerzentrum der Technischen Uni München (TUM) und „UnternehmerTUM“, Campus in Garching; gruendungsberatung@tum.de.

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