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Im Lichtlabor kann der TÜV rund 3200 Lampen einem Dauertest unterziehen. „Wenn wir alle auf einmal anschalten würden, würde es in Garching dunkel“, sagt Klaus Ludwig.

Besuch im Prüflabor

Fahrradhelm knirscht im Härtetest beim TÜV in  Garching

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Garching – Das Krachen des Kunststoffs lässt die Umstehenden zusammenzucken. Aus gut anderthalb Metern Höhe ist der Fahrradhelm ungebremst auf den Bordstein gerauscht, doch offenbar hat der blau-grüne Kopfschutz das gut verkraftet. „Sieht noch ganz ordentlich aus“, murmelt Yusuf Saygi, während er den Helm kritisch beäugt. Den Kopf hingegen, der bis eben noch unter dem Helm gesteckt ist, würdigt er keines Blickes.

Wobei dieser Kopf auch keinerlei Schaden genommen hat – kein Wunder, ist er doch nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Aluminium. In seinem Innern stecken drei Sensoren, erläutert Yusuf Saygi. „Sie messen die Kräfte beim Aufprall.“ Denn dieser Sturz ist im Labor hinter Plexiglas passiert. Auf der Straße wäre es ein Fall für den Krankenwagen gewesen – hier hingegen ist es ein Fall für Yusuf Saygi und die anderen Experten des TÜV Süd.

150-jährige Geschichte

Seit 150 Jahren prüft der Technische Überwachungsverein, wie es ausgeschrieben heißt, Produkte und Technologien auf ihre Sicherheit. Heute ist der TÜV Süd ein international tätiges Unternehmen mit 2,22 Milliarden Euro Jahresumsatz. Die Firma prüft, begutachtet und zertifiziert so ziemlich alles – vom Autoradio bis zum Atomkraftwerk, vom Stofftier bis zum Staubsauger.06

Kompetenzzentrum in Garching-Hochbrück

Am bekanntesten ist aber die Hauptuntersuchung, landläufig „der TÜV“ genannt, die Autos hierzulande regelmäßig überstehen müssen – was einen zurück nach Garching bringt. Dort, im Stadtteil Hochbrück, gab es an der Daimlerstraße einst eine große Prüfstelle, wo die Autos im Akkord anrollten. Vor vier Jahren aber wurde sie abgerissen und durch ein kleineres Service-Center an der Schleißheimer Straße ersetzt. Auf dem Areal der früheren Prüfstelle baute der TÜV ein neues Testlabor; seitdem werden hier unter anderem Skier, Toaster und Rasenmäher unter die Lupe genommen.

Lichtlabor

Und Lampen. „Hier ist unser Lichtlabor“, sagt Klaus Ludwig und macht eine einladende Armbewegung. Hinter ihm befinden sich mehrere Räume, in denen LED, Glühbirnen und sonstige Lampen wahlweise an der Decke hängen oder in langen Reihen auf Tischen montiert sind. 3200 Leuchtmittel könne man hier einem Dauertest unterziehen, erklärt Ludwig stolz. „Wenn wir die alle auf einmal anmachen würden, dann würde es in Garching dunkel werden.“

Gleich kracht’s: Ein Fahrradhelm vor dem sogenannten Bordstein-Test beim TÜV Süd.

 

Und es würde ins Geld gehen: „Da wären wir bei Stromkosten von 5000 Euro im Monat“, sagt Ludwig. Bevor eine Lampe das begehrte TÜV-Prüfsiegel erhält, muss sie aber nicht nur den Dauertest bestehen. Auch ihre Farbkonsistenz, die Lichtstärke, die Anlaufzeit und mehr als ein Dutzend weiterer Faktoren werden untersucht. Der Aufwand, der für die Tests betrieben wird, ist enorm – wobei die Prüfung auch für die Hersteller nicht ganz günstig ist. Allein für die Zertifizierung einer Lampe müsse man mit 2000 bis 5000 Euro rechnen, verrät Ludwig. „Das dauert ein bis zwei Wochen.“

Noch etwas aufwändiger ist die Prozedur bei Fahrradhelmen, bei denen eine Überprüfung gesetzlich vorgeschrieben ist. Hier dauert die Zertifizierung beim TÜV Süd bis zu sechs Wochen – Bordsteinsturz inklusive.

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