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Sebastian Sailer (l.) ist seit den Anfangstagen des „Schall im Schilf“-Festivals als Helfer mit dabei. Der XXL-Traumfänger von Andreas Demler soll später als Deko aufgehängt werden.

Am Samstag am Garchinger See

Festival "Schall im Schilf" wird durchgezogen 

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Garching - Durchziehen oder verschieben? Den halben Freitag haben die Veranstalter des Open-Air-Festivals „Schall im Schilf“ noch über dieser Frage gebrütet. Dann gaben sie sich einen Ruck: Das Festival an diesem Samstag am Garchinger mit 5000 Besuchern findet statt, von 12 bis 1 Uhr.

Die Krisensitzung am Donnerstag findet im Transporter statt. Bewaffnet mit Stift und Papier, mit Drehtabak und Club Mate sitzt eine Handvoll Jugendliche im Laderaum, die Minen so trist wie das Wetter, Regentropfen trommeln aufs Dach. Eigentlich sind sie am Garchinger See, um das Gelände für das „Schall im Schilf“-Festival herzurichten, für die Freunde elektronischer Musik; in zwei Tagen werden hier gut 5500 Besucher erwartet. Oder nicht? Denn nachdem es am Donnerstag den ganzen Tag geregnet hat, und die Prognosen für Samstag mau sind, stehen die Veranstalter vor der Frage: durchziehen oder verschieben? 

Veranstalter ist "Kellerkind"

„Wir sind nun mal ein Open Air und haben keine größeren überdachten Flächen“, sagt Alexander Hofmann. Der 25-Jährige gehört zum zehnköpfigen Team des Event-Veranstalters „Kellerkind“, der das „Schall im Schilf“ organisiert. Die Festivals sind aus einer Privatparty von Abiturienten des Garchinger Gymnasiums entstanden. Seitdem sind die Besucherzahlen stetig gestiegen: Waren es anfangs ein paar Hundert Gäste, wurden diesmal 5000 Karten verkauft – doppelt so viele wie im Vorjahr. Auch das Gelände ist heuer doppelt so groß: Erstmals gibt es am Beachvolleyballfeld eine zweite Bühne samt Bar.

Am Donnerstag ist die Stimmung noch trüb

Doch nun droht alles ins Wasser zu fallen. „Wir versuchen jetzt erst mal herauszufinden, was es uns kostet, wenn wir die Veranstaltung heute oder morgen verschieben“, sagt Hofmann. Seit Montag sind die Veranstalter hier; einige von ihnen schlafen im Wohnwagen, andere im Zelt. Unterstützt werden sie von rund 80 Helfern, größtenteils Freunde und Bekannte. 

Für manche ist das Aufbauen schöner als die Party

„Auf das Aufbauen freue ich mich fast mehr als auf das Festival selbst“, hat Hofmann gesagt. Schließlich sei das eine Art Klassentreffen: „Da sieht man Leute, die man sonst das ganze Jahre über nicht sieht.“ Einige nehmen sich extra Urlaub – so wie Sebastian Sailer. Der Ismaninger, der inzwischen in München wohnt, ist ein Helfer der ersten Stunde. Er ist seit Montag hier und übernachtet auf der Rückbank seines Autos. „Für mich ist das die beste Woche des Jahres“, sagt der 26-Jährige.

Gewitter könnte alles verhindern

Trotzdem schaut er im Moment genauso trüb drein wie seine Kollegen. Der Regen will nicht aufhören, und vor allem die Angst vor Gewittern treibt die Veranstalter um. „Wir haben hier hohe Metallbauten, das sind perfekte Blitzableiter“, weiß Hofmann. „Wenn es gewittert, müssen wir sofort absagen.“ In diesem Moment, am frühen Donnerstagnachmittag, ist die Stimmung am See auf dem Tiefpunkt – doch das bleibt nicht lange so. Wenig später hat das Wetter ein Einsehen, die Regenwolken verziehen sich, mit jeder trockenen Stunde steigt die Laune der Helfer. Bis nach Mitternacht wird gehämmert, geschraubt und gewerkelt; tags darauf kommt die Sonne raus. Am Freitagmittag vermeldet ein gut gelaunter Alexander Hofmann: „Wir sind fast fertig mit dem Aufbau – haben alle Sonnenbrand.“ Nun werde man das Festival durchziehen, sagt er, und schiebt eilig hinterher: „Oder zumindest sieht’s jetzt sehr positiv aus.“

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