Erstes Frauenhaus des Landkreises

Flucht vor dem prügelnden Mann

Landkreis München - Die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt steigt: 2016 bearbeitete die Interventionsstelle Landkreis München (ILM) bereits 87 Fälle, überwiegend von häuslicher Gewalt. Im Jahr 2015 gab es 201 Fälle; 197 Opfer waren Frauen. Zuflucht suchen viele in sozialen Frauenhäusern, die meistens belegt sind. Nun reagiert der Landkreis München und eröffnet das erste Frauenhaus.

Träger des ersten Frauenhauses im Landkreis München ist, wie in Erding, der Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) München. Der Frauenverband kümmert sich um sozial benachteiligte Menschen und verwaltet weitere Einrichtungen. Maria C. vom SKF München leitet die neue Einrichtung. Ihren ganzen Namen will sie nicht in der Zeitung lesen, um sich und die Bewohner des Hauses vor Verfolgungen zu schützen. Daher müssen auch die Adressen der Einrichtungen anonym bleiben.

Adresse bleibt anonym

Maria C. kennt die problematische Lage der Frauenhäuser in und um München: „Die Plätze der Häuser waren ständig belegt“, sagt sie. Allein das Frauenhaus Erding-München musste letztes Jahr 150 Betroffenen wegen Vollbelegung absagen. Der häufigste Grund für den Einzug ins Frauenhaus sind sexuelle Übergriffe des Partners. Die Opfer rufen dann von sich aus im Haus an und bitten um einen Platz. In 35 Prozent der Fälle ist der Ehepartner für die Taten verantwortlich. „Es ging oft soweit, dass die Betroffenen körperliche Schäden davongetragen haben“, sagt Maria C.. Männern wird der Eintritt zum Frauenhaus verwehrt: „Die Frauen müssen sich sicher sein, dass hier niemand rein kommt und es eine äußere Sicherheit gibt“, sagt Maria C..

Platz für sieben Mütter und Kinder

Im neuen Frauenhaus sollen sieben Mütter mit ihren Kindern unterkommen. Jeder Familie steht ein eigenes Zimmer mit Bad zur Verfügung. Außerdem können sich die Frauen in einem Gemeinschaftsraum treffen. Für die Kinder wird ein großes Spielzimmer eingerichtet, in dem sie basteln und kochen können. „Der Austausch untereinander ist sehr wichtig“, erklärt Maria C..

Vorangig steht das Frauenhaus Betroffenen aus dem Landkreis München zur Verfügung. Der Aufenthalt ist für sechs Wochen vorgesehen, allerdings wird diese Zeit oft überschritten. „Oft verzögert sich die Suche nach einer Wohnung“, sagt Maria C. Oder es gibt finanzielle Probleme, da viele Frauen erst wieder ins Berufsleben finden müssen. „Wir setzen keine Frau und ihr Kind auf die Straße.“

Suchterkrankungen sind häufig

Im Frauenhaus kümmern sich Pädagogen um die Betroffenen. Neben der Gewalterfahrung leiden sie immer öfter unter Suchterkrankungen, Essstörungen, psychischen Erkrankungen oder materiellen Nöten. „Die meisten sind sehr ängstlich und von den Vorfällen belastet“, sagt Maria C. „Viele fühlen sich zusätzlich für die Gewaltausbrüche ihres Partners verantwortlich.“ Ziel der Beratung ist es, die Frauen zu stabilisieren: „Wir wollen ihr Selbstbewusstsein stärken, damit sie wieder für ihr Leben handeln können.“

Ohnmachtgefühle

Auch die Kinder sollen betreut werden. Sie bekommen Ratschläge, wie sie sich selbst helfen können, wenn Ängste und dunkle Erinnerungen wieder hochkommen. „Die Kinder sind oft verstört. Für sie ist es sehr belastend, wenn ihre Mutter leidet und sie nicht helfen können“, sagt Maria C..

Die Mehrheit der Betroffenen beginnt nach ihrem Aufenthalt im Frauenhaus ein neues Leben und trennt sich von ihrem Mann oder Lebensgefährten. Doch es kommt immer wieder vor, dass Frauen zu ihren Partnern zurückkehren. „Sie haben eine emotionale Bindung zum Mann und die Hoffnung, es könnte besser werden“, erklärt Maria C.. Das Bekannte und Gewalttätige ist für einige die bessere Option als das Neue und Unbekannte. „Wir wollen den Frauen aber eins mit auf den Weg geben“, sagt Maria C.: „Dass sie das Recht auf ein gewaltfreies Leben haben."

Kontakt 

Wer Hilfe sucht, wendet sich an: Tel. 089/451 25 49 90;

07E-Mail: frauenhaus-lkr-muc@skf-muenchen.de

Rubriklistenbild: © dpa/Archiv

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