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Motivierte Azubis: (v.l.)Reza Rezaii und Hussein Abdelgani an ihren Arbeitsplätzen bei ITQ in Garching. 

Geflüchtete als Azubis bei ITQ

Angekommen in der Arbeitswelt

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Drei Geflüchtete machen eine Ausbildung bei ITQ in Garching. Firmenchef Rainer Stetter ist von ihnen begeistert. Und er findet: Unternehmen sollten viel mehr zur Integration beitragen.

Garching – Man kann lange über die Flüchtlingssituation diskutieren – oder etwas tun. Rainer Stetter hat in Garching das IT-Unternehmen ITQ gegründet und setzt auf junge Flüchtlinge als Arbeitskräfte.

In der Firma ITQ entwickeln rund 60 Mitarbeiter mit 27 Nationalitäten Software und Maschinen für die Industrie. Seit September 2016 sind Hussein Abdelgani (18) aus Syrien und sein Freund Reza Rezaii (24) aus Afghanistan bei ITQ Auszubildende zum Fachinformatiker. Seit September 2017 gehört auch der Palästinenser Abed Bisher (26) zu den Azubis.

Firmenchef Rainer Stetter.

Als die riesigen Flüchtlingsströme aus Krisengebieten wie Afghanistan und Syrien im Spätsommer 2015 nach Deutschland kamen, spornten die Nachrichten Rainer Stetter (53) an, schnell zu helfen. „Was können wir tun?“, fragte sich der promovierte Maschinenbauingenieur.

Über private Kontakte fand er dank einer Lehrerin am Ottobrunner Gymnasium Kontakt zu einer Flüchtlingsunterkunft in Riemerling. „Dort war ein Heim für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge eingerichtet worden.“ Stetter bot Technik-Workshops für Flüchtlinge an und einen schulbegleitenden Praktikumsplatz.

So lernte er Hussein kennen. Der 17-jährige Syrer kam im Februar 2016 als Praktikant in die Firma im Businesspark in Garching. Am vorletzten Tag überraschte der junge Mann den Firmenchef nachhaltig. Hussein lächelt, als er sich daran erinnert, und erzählt: „Ich fragte, ob ich bei ihm eine Ausbildung machen darf.“

Stetter war überrascht, und zwar doppelt: „Zum einen verblüffte mich, dass Hussein so gut Deutsch spricht, zum anderen sein Mut, mich direkt nach einem Ausbildungsplatz zu fragen.“ Er hatte bis dahin nur mit Studenten gearbeitet, Lehrlinge noch nie ausgebildet. Doch vielleicht ist es ja eine Herausforderung für Ingenieure, Lösungen für Probleme zu finden.

Rainer Stetter (53), selbst Vater eines heranwachsenden Sohnes, kam jedenfalls zu dem Entschluss: „Wenn der es als 16-Jähriger schafft, 3000 Kilometer von Syrien zu uns zu laufen, dann werde ich es wohl schaffen, ihm einen Ausbildungsplatz zu geben.“

Nach seinem Quali begann Hussein im September 2016 die Ausbildung zum Fachinformatiker. Gleichzeitig engagierte er sich als Technik-Coach bei der von Stetter gegründeten Gerda-Stetter-Stiftung. In Workshops gibt Hussein nach dem Schneeballeffekt sein Wissen an andere weiter. Aus Sensoren, Motoren und vielen bunten Legosteinen bauen Kinder, Jugendliche oder Flüchtlinge selbst kleine Roboter, und manche begeistern sich dabei für Technologie. Ziel der Gerda-Stetter-Stiftung ist es, Nachwuchs für Technologie und Wissenschaft zu generieren.

Über Hussein fanden auch seine Freunde Abed (26) und Reza (24) als Praktikanten zu ITQ. Rezas Wunsch war es, weiterzukommen und mit Computern zu arbeiten. Nach einer Woche als Praktikant unterzeichnete er ebenfalls am 1. September 2016 den Ausbildungsvertrag.

Trotzdem erhält der junge Afghane einige Monate später an einem Montag bedrohliche Post vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Reza öffnet den Brief mit seinen Vorgesetzten und ist wie vor den Kopf gestoßen: ein Abschiebungsbescheid. Auch Stetter ist fassungslos. Er sagt: „Das war so nicht abgesprochen. Es hieß ja, dass die 3+2-Regel gilt.“ Demnach dürfen Asylsuchende, die eine Ausbildung in Deutschland begonnen haben, diese abschließen und zwei Jahre beschäftigt werden. Er zog einen Anwalt hinzu und reichte Klage ein. Seither schwebt das Verfahren. Stetter ist zuversichtlich, dass sich für Reza alles zum Guten wendet.

Trotz dieser Erfahrung ist es Stetter wichtig, dass in der Flüchtlingsdiskussion nicht nur die Schwierigkeiten, sondern auch die Chancen gesehen werden: „Wir wollen ein Gegengewicht aufbauen.“ Die Flüchtlinge, so seine Erfahrung, hätten ein großes Pfund in die Waagschale zu werfen: „Ich habe den Eindruck, dass sie motivierter sind.“ Sein Appell: „Die Unternehmen müssen mehr tun und die Integration in die Hand nehmen. Schließlich gibt es in Deutschland 80 000 unbesetzte Lehrstellen.“ 

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