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Redner und Gastgeber: (v.l.) Esra Elvan Tirink, Ulrike Haerendel, Bürgermeister Dietmar Gruchmann, Bela Bach, Nicola Gerhardt, Christiane Lüth, Thomas Koke, Stefan Wiegand und Joachim Krause.

In Garching

Freinacht bringt Stadterfinder und Hebamme zusammen

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Die Garchinger Freinacht ist immer für Überraschungen gut.

Garching – Ein Stadterfinder neben einer Hebamme, eine junge Türkin, die in Garching partout keine Wohnung findet, sowie ein IT-Experte, der seinen Job aus ideellen Gründen aufgegeben hat, und dazu allerlei Wünsche und Anregungen an die örtliche Politik: Die vom SPD-Ortsverein organisierte Garchinger Freinacht hat den 90 Besuchern ein buntes Potpourri an Themen und Personen serviert.

„Freie Rede, freie Meinung, freier Eintritt“: Das ist seit Jahren das Motto der Veranstaltung. Wobei man es anlässlich des Reformationsjubiläums auch in Luthers Worten ausdrücken könne, sagte SPD-Ortsvorsitzende Ulrike Haerendel: „Tritt fest auf, mach’s Maul auf, hör bald auf.“ Das Besondere bei der Garchinger Freinacht freilich ist, dass nicht die üblichen Verdächtigen aus Politik und öffentlichem Leben im Luther’schen Sinn ihr Maul aufmachen, sondern normale Bürger, „die etwas zu sagen haben über das Leben hier“, so Haerendel.

Bela Bach spricht quasi außer der Reihe

Weder das eine noch das andere traf jedoch auf die erste Rednerin zu: Für Bela Bach, SPD-Politikerin aus Planegg, habe man „die Systematik durchbrochen“, sagte Haerendel. „Weil sie wieder für den Bundestag kandidiert, wollten wir nicht die Chance vergeben, sie zu hören.“ Bela Bachs etwas zaghafter Vortrag über soziale Gerechtigkeit konnte die Besucher indes kaum mitreißen – anders als nach ihr Nicola Gerhardt, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats St. Severin und Sprecherin des örtlichen Asylhelferkreises.

Katholisches CSU-Mitglied bei SPD-Veranstaltung auf Luthers Spur

„Das ist schon ein bewegender Moment, als katholisches CSU-Mitglied bei einer SPD-Veranstaltung auf den Spuren von Martin Luther zu wandeln“, scherzte Gerhardt zu Beginn, ehe sie ihre drei Wünsche für Garching vorstellte. Erstens warb sie dafür, in die Kirche einzutreten – „gerade in einer Zeit, in der die Gesellschaft auseinanderdriftet“. Zweitens pries sie die Patrona Bavariae, die der Förderverein St. Severin demnächst zwischen Maibaum und Augustiner aufstellen will, als „Symbol der Einheit von Garching – für Christen, Muslime und Nichtgläubige“. Und drittens mahnte die Asylhelferin in Gerhardt, Integration nicht als Einbahnstraße zu verstehen: „Gehen Sie auf die Flüchtlinge zu“, forderte sie auf, „und suchen Sie das Gespräch!“

Wohnungsmangel ist ein großes Thema

Nach ihr gab Thomas Koke einen spannenden Einblick in seine Arbeit als Einkaufsleiter beim Naturkost-Großhandel Tagwerk, der in Hochbrück ansässig ist. Mit Blick auf seinen Heimatort Garching lobte er die verbesserte ärztliche Versorgung und den neuen Bio-Laden, kritisierte jedoch den „wahnsinnig hohen Verkehr“. Derweil warb Christiane Lüth von der Hebammenpraxis Wunderkind für ein Familienzentrum im Ort, denn: „Das ist sicher der Traum von allen, die mit frisch gegründeten Familien arbeiten.“ Sie berichtete von jungen Eltern, die ohne familiäre Bande in Garching lebten. Hier könnten Konzepte wie Adoptiv-Großeltern das „Großfamilienprinzip wieder aufleben lassen“.

Esra Elvan Tirink, in Garching aufgewachsene Türkin und Vize-Chefin des Integrationsbeirats, hatte eine ganze Liste von Wünschen: vom Schwimmbad über ein Kino bis zu einer lebendigen Ortsmitte. Und – das tauchte in fast allen Vorträgen auf – bezahlbarer Wohnraum. „Ich war bei über 30 Vermietern und habe jedes Mal eine Absage bekommen“, erzählte die 36-Jährige. „Gerade für ausländische Mitbürger ist es sehr schwierig, eine Wohnung zu bekommen.“

Mangelnde Abstimmung zwischen Stadt und Umland 

Wobei sich die Situation mittelfristig noch verschärfen wird, wie der letzte Redner Stefan Wiegand mit Blick auf die Einwohnerprognosen für den Raum München darlegte. Der Geschäftsführer des Immobilienentwicklers Aurelis und „Stadterfinder“, wie Haerendel ihn vorstellte, kritisierte die mangelnde Abstimmung zwischen München um Umlandgemeinden beim Thema Verkehr. Und er hatte eine Botschaft seines Sohns dabei: „Sag denen, hat er mir gesagt, dass Garching die erste Kommune werden soll mit hundert Prozent Breitbandversorgung für private Haushalte.“ Sein Appell und die Thesen der anderen wurden noch eifrig diskutiert, bei einem Teller Kartoffelsuppe. 10

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