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Dunkle Stellen im Ort beleuchten CSU-Ortschef Jürgen Ascherl (r.) und Josef Ostertag beim Nachtspaziergang. 

CSU-Nachtspaziergang

Garaus für Garchings Gruselecken

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Licht ins Dunkel will die CSU in Garching bringen: Sie lud zum Nachtspaziergang in die ganz finsteren Ecken.

Garching – Die Suche nach dunklen Ecken in Garching beginnt an einem der hellsten Orte der Stadt: Am Maibaumplatz steht Jürgen Ascherl, eine Mütze seiner Deutschen Polizeigewerkschaft auf dem Kopf. Von der anderen Straßenseite funkeln die Lichter des Christbaums herüber. Ascherl ist CSU-Ortsvorsitzender, Chef der Stadtratsfraktion und gilt als Anwärter für die Bürgermeisterkandidatur 2020 – obschon er dieses Thema nicht kommentieren will. An diesem Abend hat er zu einem „Nachtspaziergang“ eingeladen. Das Ziel: „Örtlichkeiten, an denen Sie sich subjektiv oder objektiv nicht wohlfühlen.“

Im Vorfeld habe er etliche Mails mit Hinweisen von Bürgern bekommen, erzählt Ascherl. Zum Maibaum gekommen sind aber nur zwei Garchinger; zwei weitere werden auf dem Weg dazustoßen. Als einziger kein CSU-Parteibuch hat Josef Ostertag, der seit Jahrzehnten in Garching lebt und dort „viel zu Fuß und mit dem Rad“ unterwegs ist“. Dabei fallen ihm immer wieder Unzulänglichkeiten auf, sagt Ostertag und zeigt zur Bushaltestelle am Maibaum. Die sei so angelegt, dass der Bus nicht bis zum Randstein fahren könne. In der Folge müssten Passagiere eine fast metergroße Kluft überwinden, was besonders für Rollstuhlfahrer beschwerlich sei.

Auch um solche Details ist es Ascherl bei seinem Aufruf gegangen. Vor allem aber um die dunklen Ecken in Garching. Zu einigen will er die Gruppe nun führen. Den Auftakt macht die Niels-Bohr-Straße; hier sei es vor dem Fernmeldeamt duster, hat ein Bürger geschrieben, überdies liege Laub und Müll herum. „Viele haben sich bei mir über die mangelnde Sauberkeit beschwert“, erzählt Ascherl auf dem Weg. „Dabei haben wir einen Riesen-Bauhof, der auch personell gut ausgestattet ist.“ Am Ziel liegt zwar etwas Laub, aber kein Müll herum; „und richtig dunkel ist es nicht“, meint Ascherl.

Anders sieht es beim nächsten Stopp aus: auf dem Fußweg vom Parkplatz östlich des Römerhofs zur Musikschule. Auf Höhe des Amphitheaters kramt Ascherl seine Taschenlampe hervor und notiert etwas. „Hier müsste man noch eine Laterne aufstellen. Dann wäre das behoben.“ Sagt’s und zieht mit der Gruppe weiter, zu der auch JU-Vorsitzender Patrick Muschak gehört. „Bei den jungen Leuten in Garching ist die Sicherheit nicht so ein großes Thema“, sagt er. „Vielleicht auch, weil sie noch keine Kinder haben, um die sie sich sorgen“. Er selbst habe keine Bedenken, wenn er nachts durch Garching spaziere, sagt Muschak. „Aber die Rückmeldungen, die Jürgen bekommen hat, zeigen doch, dass es für viele Bürger ein wichtiges Thema ist.“

Ein Thema für Ostertag ist jedenfalls die Kurve im Riemerfeldring, unweit seiner Wohnung und vis-à-vis der Einmündung in den Kreuzeckweg. Hier tappt die Gruppe tatsächlich nach wenigen Schritten nahezu vollends im Dunkeln. „Stockfinster ist das“, konstatiert Ascherl. „Da sollte man was unternehmen.“ Dieser Kritikpunkt wie einige weitere, soll Eingang in einen Antrag finden, den die CSU im Stadtrat stellen wird, kündigt der Ortschef an.

Im Stadtrat gibt es aber auch Stimmen aus anderen Fraktionen, die Ascherl vorhalten, er hänge das Thema Sicherheit zu hoch. Der CSU-Mann sagt jedoch: „Mir ist das Thema Sicherheit wichtig. Nur dort, wo ich mich sicher fühle, lasse ich mich nieder.“

Als ganz und gar unsicher bewertet die Gruppe die nächste Station am Brunnenweg, wo parkende Autos auf einer Strecke von gut hundert Metern die halbe Fahrbahn blockieren. Sollten hier zwei Fahrzeuge aufeinandertreffen – das Chaos wäre sicher. Wobei man sagen muss: An diesem Abend ist ein Fußballspiel in der nahen Allianz Arena, was stets zu einer immensen Parkplatznot in Garching führt. Dennoch bekräftigt Ascherl, während er den Brunnenweg hinabwandert: „Diese Straße passt nicht, da gehört was geändert.“ Und zum Thema Arena kündigt er einen weiteren CSU-Vorstoß an: „Wir werden beantragen, dass die kommunale Verkehrsüberwachung bei Fußballspielen verstärkt eingesetzt wird.“

Nach einer Stunde steht die Gruppe wieder am Maibaum. „Ich denke, wir haben ein paar Örtlichkeiten gesehen, wo es Verbesserungspotenzial gibt“, resümiert Ascherl. Hinter ihm glitzern die Lichter des Christbaums herüber. Wie hat Josef Ostertag zuvor gesagt? „Aber der Baum, der ist dieses Jahr wirklich sehr schön.“

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