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Kartfahren ist beliebt im Landkreis München. Hier der Taufkirchner Axel Wiehl.

An die Wand gefahren

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Eine neue Kartbahn in Garching? Viele Stadträte lehnen das ab. Zum Entsetzen der Betreiber.

Hochbrück – Die potenziellen Betreiber der Kartbahn sind ebenso in die Bauausschusssitzung des Stadtrats gekommen wie der Architekt, von dem die Pläne für das Vorhaben stammen. Neben ihnen sitzen ein Vertreter des ADAC sowie der Inhaber jenes Grundstücks in Hochbrück, auf dem die Anlage gebaut werden soll. Sie alle sind da, um die Debatte rund um den von ihnen erhofften Neustart für eine Kartbahn im Gewerbegebiet zu verfolgen. Doch was sie zu hören bekommen, ist nicht nach ihrem Geschmack.

Denn letztlich empfiehlt der Ausschuss dem Stadtrat, sich gegen die Aufstellung eines Bebauungsplans und die Änderung des Flächennutzungsplans auszusprechen; beides wäre Voraussetzung für den Bau einer neuen Kartbahn gewesen. Diese hatte die Firma „AK Racing“, wie berichtet, auf einem Areal nördlich des Gewerbegebiets errichten wollen – unweit von jenem Gelände, auf dem dieselben Betreiber jahrzehntelang eine Kartbahn unterhalten hatten, ehe sie Ende 2016 das Feld räumen mussten. Nun sollte an dem anvisierten Standort, wo sich derzeit eine Kiesgrube befindet, der Neustart erfolgen; die Erschließung war über die Lilienthalstraße angedacht. Doch das Gros der Stadträte lehnt ab.

„Wir waren ehrlich gesagt schockiert von dem, was wir in der Sitzung gehört haben“, sagt Stephan Magg von „AK Racing“. Inwiefern die Entscheidung im Ausschuss auch einem Schlussstrich unter die Neubaupläne gleichkommt, lässt er offen. „An dem geplanten Standort wird es sicher nichts werden“, sagt Magg. „Ansonsten müssen wir diese Entscheidung jetzt erst mal sacken lassen.“

Einzig Josef Euringer (BfG) hatte für das Projekt gestimmt. Er verwies auch auf ein Schreiben des TUM-Professors Markus Lienkamp, der darin die Möglichkeit ins Spiel bringt, die Kartbahn auch als Testgelände für seinen Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik zu nutzen. Allein auch das überzeugte die Stadträte nicht. „Wir sprechen uns ganz klar gegen diese Maßnahme aus“, sagte etwa Florian Baierl (UG). Er begründete dies mit der geplanten Erschließung, die er als „nicht zuträglich“ fürs Gewerbegebiet erachte. Überdies befinde sich der Standort in einer „Pufferzone zwischen Gewerbegebiet und Naturschutzgebiet“ und diese solle unangetastet bleiben, sagte Baierl. Joachim Krause (SPD) führte die Lärm- und Geruchsbelästigung durch eine Kartbahn ins Feld. Und die Grünen wollten dem Projekt nur zustimmen, wenn dort von Anfang an bloß mit Elektrokarts gefahren wird. Das sei aber mit dem heutigen Stand der Technik nicht möglich, erläutert Stefan Magg. „E-Karts sind für die Halle okay, aber draußen gibt es keine geeigneten Modelle.“

Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) machte keinen Hehl daraus, dass er eine neue Kartbahn ablehnt. Zum einen würde man mit einer Bebauung an dem Standort das Tor zu einer weiteren Entwicklung des Gewerbegebiets öffnen, mahnte er. Zum anderem schließe das Areal an ein Naturschutzgebiet an, weshalb er nicht glaube, dass die Untere Naturschutzbehörde den Plänen zustimme, sagte Gruchmann. Er zog überdies Parallelen zum Gebaren der Postbank in Garching, die ihren Standort in der Ortsmitte „aus Gewinnabsicht“ aufgegeben habe und danach bei der Suche nach einer Alternative bei der Stadt vorstellig geworden sei. Diesen Vergleich bezeichnet Stefan Magg als „Frechheit“, und auch Albert Biersack wies ihn in der Sitzung zurück. Der CSU-Stadtrat erinnerte daran, dass der Mietvertrag der Kartbahn nicht verlängert wurde, da der Besitzer das Areal lieber an BMW verpachten wollte.

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