+
Fachkräfte fehlen: Das Autohaus Baudisch in Garching kann das Werkstatt-Geschäft nicht mehr profitabel führen.

50 Mitarbeiter auf Jobsuche 

Bitter: Autohaus schließt nach mehr als 50 Jahren - der Grund frustriert den Chef

  • schließen

Nach mehr als 50 Jahren schließt das Autohaus Baudisch in Garching seine Türen. Grund ist eine wirtschaftliche Schieflage, die der Chef auf den Fachkräftemangel zurückführt – und auf die Dieselkrise. Rund 50 Mitarbeiter müssen auf Jobsuche gehen.

Garching– „Wir suchen genau Sie!“ steht noch in Großbuchstaben auf der Webseite des Autohauses Baudisch in Garching. Und darunter: „Das Autohaus Baudisch als Arbeitgeber bietet Ihnen hervorragende Perspektiven für Ihre Zukunft.“ Dieser Satz trifft inzwischen nicht mehr zu. Denn wie Inhaber Stefan Baudisch den rund 50 Mitarbeitern am Freitagnachmittag bei einer Betriebsversammlung mitgeteilt hat, wird das Unternehmen am 30. November für immer schließen.

Dass auf der Firmenwebseite trotzdem noch diverse Stellen ausgeschrieben sind, passt ins Bild. Denn für die sinkenden Erträge macht Baudisch vor allem den Fachkräftemangel verantwortlich, insbesondere bei Mechatronikern. Nachdem er mehrere Stellen in dem Bereich nicht habe neu besetzen können, ließ sich das Werkstattgeschäft des Autohauses „seit geraumer Zeit nicht mehr profitabel führen“, heißt es in einer Mitteilung des Betriebs. „Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt“, wird darin Stefan Baudisch zitiert, der sich zu Presseanfragen aktuell nicht äußern will. „Wir haben zwar Kunden für unser Servicegeschäft, können diese wegen des Fachkräftemangels aber nicht ausreichend bedienen.“

Wie bei anderen Autohäusern bringt auch in Garching das Werkstattgeschäft den Großteil des Gewinns. „Ohne ein profitables Servicegeschäft lässt sich unser Autohaus nicht mehr betreiben“, sagt Stefan Baudisch. Darüber hinaus hat seinem Unternehmen die Dieselkrise zugesetzt: Beim Rückkauf von Leasingverträgen von Dieselfahrzeugen entstünden derzeit „teils erhebliche finanzielle Belastungen“, so die Mitteilung.

Zuletzt hatte Stefan Baudisch versucht, einen Käufer für sein Autohaus zu finden – vergeblich. „Aus unternehmerischer Verantwortung habe ich mich daher schweren Herzens entschlossen, das Traditionsunternehmen geordnet zu schließen“, sagt der Inhaber.

Für die Abwicklung zuständig sein wird Wolfgang Kottenberg als sogenannter Liquidator. Der Jurist hat laut Mitteilung am Freitag bei der Betriebsversammlung darauf hingewiesen, dass bei der Liquidation „alle Verträge von Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten erfüllt werden“. Zudem sei man bemüht, die Mitarbeiter in neue Jobs zu vermitteln. Der Arbeitsmarkt sei „derzeit ausgezeichnet“, sagt Kottenberg. „Ich sehe keine Probleme, dass das Gros der Beschäftigten kurzfristig neue Stellen findet. Bei einigen wenigen Härtefällen werden Herr Baudisch und ich alles tun, um gute Lösungen zu finden.“

Das Autohaus Baudisch war im Jahr 1963 durch Erich Baudisch gegründet worden. Der 2010 verstorbene Unternehmer, der im Kindesalter als Kriegsflüchtling aus dem Sudetenland nach Garching gekommen war, baute den Betrieb auf und übergab ihn 1996 an seinen Sohn Stefan. Der modernisierte und vergrößerte den Betrieb fortan peu à peu.

Noch vor Kurzem hatte er den Bau einer neuen Halle beantragt, was der Garchinger Bauausschuss im Stadtrat im Januar 2017 auch genehmigte. Allein die Halle wurde in der Folge nicht gebaut – wahrscheinlich zeichneten sich damals schon die Probleme ab. „Seit einigen Jahren steigt der wirtschaftliche Druck vonseiten des Marktes, aber auch der Hersteller stetig“, sagt Baudisch, „mit der Folge, dass ein wirtschaftlich verantwortliches Arbeiten nur noch in engen Grenzen möglich ist.“

Sie schließt ihr Café, obwohl ihr Leute die Bude einrennen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

A9-Unfall: „Es schaut nicht gut aus“ - Polizeisprecher über den Zustand der drei Verletzten
Die A9 bei München war am Donnerstag in Richtung Nürnberg lange komplett gesperrt. Ein schwerer Unfall hatte sich gegen 14 Uhr ereignet. 
A9-Unfall: „Es schaut nicht gut aus“ - Polizeisprecher über den Zustand der drei Verletzten
Keine Kita-Plätze: Mutter klagt gegen Landkreis
Weil sie für ihre Zwillinge keinen Kita-Platz fand, musste eine Höhenkirchnerin daheim bleiben. Nun verklagt sie den Landkreis - und will den Lohnausfall kompensiert …
Keine Kita-Plätze: Mutter klagt gegen Landkreis
Stichflamme aus Ethanolofen - Neubiberger schwer verletzt
Eine Stichflamme aus einem Ethanolofen hat am Mittwochabend einen Mann schwer verletzt und eine Wohnung in der Neubiberger Wendelsteinstraße in Brand gesetzt.
Stichflamme aus Ethanolofen - Neubiberger schwer verletzt
Startschuss für umstrittenes Bauprojekt
Die Erweiterung der Jagdfeld-Schule in Haar hat begonnen: Ein Projekt, das für viel Ärger und Aufruhr sorgte. Und das einige für „den größten Schmarrn“ halten.
Startschuss für umstrittenes Bauprojekt

Kommentare