Für ihre Zukunft streikten gestern rund 140 Beschäftigte des Maschinenherstellers Voith.
+
Für ihre Zukunft streikten gestern rund 140 Beschäftigte des Maschinenherstellers Voith.

IG Metall: „Zukunft sichern“

Warnstreik bei Maschinenhersteller Voith in Garching - Arbeitgeberverband: „unnötige Stimmungsmache“

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
    schließen

Tarifstreit entlädt sich in Hochbrück: 140 Beschäftigte legen ihre Arbeit nieder. Die Gewerkschaft IG Metall hat weitere Streiks im Landkreis geplant.

Garching – In der Metall- und Elektroindustrie in Bayern spitzt sich der Tarifkonflikt weiter zu. Seit drei Wochen, nach der vierten Verhandlungsrunde, herrscht Stillstand zwischen den Parteien, dem Arbeitgeberverband „vbm“ und der IG Metall. Der Verhandlungsstopp setzte die Arbeiter des Maschinenherstellers Voith in Bewegung. Sie streikten heute vor dem Werksgelände in Hochbrück.

Um 9 Uhr legten die Beschäftigten ihre Arbeit nieder. Voith, ein Maschinenhersteller für Fahrzeuge, Energieproduktion und Papierherstellung, beschäftigt 400 Mitarbeiter, plus 125 Leiharbeiter, berichtete Vertrauenskörper-Leiter Klaus Grosch. Rund 140 Arbeiter sind dem Streikaufruf der IG Metall gefolgt und vor das Personalbüro gezogen. Von dort liefen die Streikenden über die B 471 zum westlichen Eingang des Werks. Die einseitige Sperrung der Bundesstraße verhalf den protestierenden Arbeitern zu maximaler Aufmerksamkeit – zumindest von den Autofahrern.

Verkehrsteilnehmer und Sympathisanten solidarisieren sich

Einzelne Verkehrsteilnehmer und Sympathisanten solidarisierten sich mit den Arbeitern, auf ihrem Transparent stand: „Die Reichen sollen die Krise zahlen.“ Der Text – ganz im Sinne der Streikenden. Sie fordern: Beschäftigung sichern, Einkommen stärken, Zukunft gestalten. Kurzum: Die Arbeiter fordern mehr Sicherheit für ihre Zukunft (siehe Liste unten).

Kerem Özbek, 19, macht sich heute schon Gedanken über die Zeit nach seiner Ausbildung. „Ich bin jetzt in meinem zweiten Lehrjahr“, sagte er. Es war sein erster Warnstreik. Er war dabei, weil er nach der Ausbildung übernommen werden möchte. „Ich will eine Zukunft haben, das will doch jeder Mensch.“

Daniele Frijia kämpft mit erhobener Faust

Dass junge Menschen nach ihrer Ausbildung oder dem dualen Studium unbefristet übernommen werden, dafür kämpft auch Daniele Frijia mit erhobener Faust. Frijia ist von der IG Metall. Fachkräfte-Nachwuchs sei gerade in der Metall- und Elektroindustrie sehr gefragt. „Wenn es aber ein bisschen kriselt, dann werden Arbeitsplätze gekappt“, sagte er. Der Gewerkschafter will keine „Generation Corona“.

Auch für Übernahmegarantien für Nachwuchskräfte wie Özbek gingen die Arbeiter auf die Straße. Es sind aber auch Themen wie Tarifrecht und Null-Runden, die die Streikenden anprangern. „Mich regt auf, was die Arbeitgeber mit uns veranstalten“, brüllte Klaus Grosch der Menge entgegen.

Forderungen der IG Metall: Arbeitsplätze sichern und Einkommen stärken

  • Die Mitglieder der Gewerkschaft fordern in der Metall- und Elektroindustrie Verbesserungen der gekündigten Tarifregelungen zur Beschäftigungssicherung. Sie wollen ein Volumen von vier Prozent mehr Geld. Dieses Volumen soll Einkommen erhöhen und in Betrieben mit Beschäftigungsproblemen Einkommensverluste ausgleichen, wenn es dort zu wenig Arbeit für alle Beschäftigten gibt. Dabei geht es auch um den Wandel durch Digitalisierung und den Umstieg auf Elektroautos in der Fahrzeugindustrie.
  • Die IG Metall will zudem einen tariflichen Rahmen für betriebliche Zukunftstarifverträge. „Dort sollen in den einzelnen Betrieben Regelungen zur Sicherung von Standort und Arbeitsplätzen festgelegt werden“, teilt die Gewerkschaft auf ihrer Internetseite mit. Konkrete Investitionen und Produkte sollen in den Zukunftsverträgen festgeschrieben werden.
  • Außerdem soll die Ausbildung in den Betrieben verbessert und Absolventen unbefristet übernommen werden. Die tarifliche Regelung soll für alle Auszubildenden gelten – auch für dual Studierende. Studenten sind in der Regel von Tarifverträgen ausgeschlossen, so die IG Metall.

Vbm: „unnötige Stimmungsmache“

Der vbm dagegen kritisiert die Streiks der IG Metall als „unnötige Stimmungsmache“. Die Arbeitgeber hätten Mitte Februar einen Vorschlag unterbreitet, der neben einer Einmalzahlung auch eine Entgelterhöhung für das kommende Jahr enthalte, teilte der Verband mit. Der vbm verknüpft Angebote jedoch mit der Vereinbarung einer „automatischen Differenzierung zur Kostenentlastung“ für Betriebe in der Krise. Die IG Metall sieht das als Angriff auf das Tarifrecht.

Der Maschinenhersteller Voith um Werksleiter Steffen Krippendorf kommentierte die Streiks nicht. Bis Redaktionsschluss blieben Anfragen unbeantwortet. Krippendorf sitzt im Vorstand des Unternehmerverbands bayme, einem Ableger des vbm. Der vbm streitet seit Monaten mit der IG Metall.

In Pullach gehen morgen jedenfalls die Streiks der IG Metall weiter. Virtuell übers Internet beim Industriekonzern Linde.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare