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Garchings Bürgermeister über TU-Präsident Wolfgang Herrmann: „Ein hervorragender Strippenzieher“

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Von: Josef Ametsbichler

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Wer packt an? – Garchings Bürgermeister Dietmar Gruchmann (li.) und Uni-Präsident Wolfgang Herrmann bei der Grundsteinlegung der TU-Mensa 2016.
Wer packt an? – Garchings Bürgermeister Dietmar Gruchmann (li.) und Uni-Präsident Wolfgang Herrmann bei der Grundsteinlegung der TU-Mensa 2016. © Foto: ps/A.

Kaum einer hat die Stadt Garching im vergangenen Vierteljahrhundert so geprägt wie Wolfgang Herrmann. Bürgermeister Dietmar Gruchmann blickt auf die Amtszeit des TU-Präsidenten zurück.

Garching – Eine Legende tritt ab: Professor Wolfgang Herrmann hat in seinen 24 Jahren an der Spitze der Technischen Universität München (TUM) nicht nur diese, sondern auch die Stadt Garching maßgeblich geprägt. Über diese endende Ära und die Zusammenarbeit zwischenGarching und der Uni spricht der amtierende Bürgermeister, Dietmar Gruchmann.

- Herr Gruchmann, wer war in den vergangenen Jahren der wahre Bürgermeister in Garching, Uni-Präsident Wolfgang Herrmann oder Sie?

(lacht) Natürlich bin ich der Rathauschef! Aber wir haben eng kooperiert und uns oft ausgetauscht. Professor Herrmann hat immer vehement versucht, seine Interessen durchzusetzen. Ich habe das dann in Relation gesetzt mit den Interessen der Stadt Garching. Zwischen uns war die Zusammenarbeit dabei immer harmonisch. Wenn es mal geknistert hat, dann auf den unteren Ebenen.

SPD-Bürgermeister und SPD-Uni-Präsident? „Nie ein Problem“

- Obwohl Sie Sozialdemokrat sind und er ein treuer CSU-Mann?

Das war nie ein Problem. Wolfgang Herrmann hat jahrelang gut mit meinem Amtsvorgänger Helmut Karl zusammengearbeitet – hat ihn sogar zum Ehrensenator der TU gemacht. Und auch wir sind uns jenseits der politischen Einstellung auf Arbeitsebene souverän begegnet. Er hat schon verstanden, warum in Garching ein SPD-Bürgermeister gewählt worden ist.

Die Stadt ist nach der Ära Herrmann nicht mehr wiederzuerkennen

- Im Vergleich zu 1995, als Wolfgang Herrmann quasi mit der U-Bahn nach Garching gekommen ist, ist die Stadt nicht mehr wiederzuerkennen. Wie sehr ist das sein Verdienst?

Er hat ausgeprägte Fähigkeiten, Menschen von der Wichtigkeit des Standortes Garching zu überzeugen – und auch die entsprechenden Finanzmittel lockerzumachen. Ein hervorragender Strippenzieher. Dadurch konnte er sehr viel aus München hierher verlagern. Was ja auch für die TUM eine schöne Perspektive bot, im Vergleich zur Raumnot in München. Dadurch hat sich natürlich auch die Bevölkerungsstruktur in Garching geändert. Mit nahezu 10 Prozent Studentenanteil und Wissenschaftlern, die erkannt haben, dass es nicht nur im Münchner Süden schön ist.

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Ein Bürgermeister auch für die Studenten?

- Viele Studenten und Wissenschaftler verbringen aber wenig Zeit in Garching. Fühlen Sie sich auch als deren Bürgermeister?

Tue ich wirklich! Ich bin regelmäßig draußen auf dem Campus eingeladen, bei allen Einweihungen, Grundsteinlegungen, Festakten. Ich begrüße die Erstsemester auf Deutsch und Englisch, bin auf dem Garnix-Festival. Und wir laden die Studentenschaft immer nach Garching ein, wenn was los ist – wie beim ersten TU-Tag auf unserer Bürgerwoche. Diesen Austausch müssen wir weiter ausbauen.

- Wie profitieren denn die Nicht-Akademiker und alteingesessenen Garchinger vom Dauer-Wachstum des Uni-Campus?

Durch das Know-how, das dort draußen entsteht und das wir am Ort halten wollen. Wie mit dem Gründerzentrum, dem Business Campus. Das generiert Gewerbesteuer, die wir für öffentliche Einrichtungen und Angebote zur Verfügung haben. Dazu gibt es draußen auf dem Campus und in unserer Stadtbücherei viele Vorträge, die auch für Ottonormalverbraucher verständlich sind. Oder die Supernova – ein tolles Angebot für alle! Und letztendlich auch die U-Bahn-Anbindung. Gegenüber dem Freistaat war der Forschungscampus ein gutes Argument für den Ausbau. Alleine hätten wir Garchinger das nicht hingekriegt.

- Was war Ihre größte gemeinsame Niederlage mit Wolfgang Herrmann?

Da fällt mir keine ein. Wir sind Siegertypen! (lacht)

- Und Ihr größter gemeinsamer Sieg?

Die Kooperation bei dem städtebaulichen Wettbewerb um die „Science City“ an der Staatsstraße 2350. Dort konnten wir uns als Stadt gut einbringen, das war das größte Gesamtprojekt. Wir haben gemeinsam an der Zukunft gearbeitet. Jetzt gehen wir die Verlegung der Staatsstraße an.

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Wann kommt die U-Bahn zum Flughafen?

- Das ist ja ein großer Wunsch von Wolfgang Herrmann, damit es mehr Platz für die Uni gibt. Wann passiert’s?

Sie wissen ja: Von der Idee bis zur Umsetzung dauert es immer zehn Jahre.

- Welche Hausaufgaben hat Herr Herrmann Ihnen sonst noch hinterlassen?

Ich muss an der U-Bahn-Verlängerung zum Flughafen dranbleiben. Seinen Sohn (CSU-Landtagsabgeordneter und Staatskanzleichef Florian Herrmann, Anm. d. Red.) hat er diesbezüglich bestimmt auch instruiert. Es sieht danach aus, dass wir den Landkreis Freising mit ins Boot kriegen – dann könnte das in den nächsten zehn Jahren vielleicht auch umgesetzt werden.

Ein Rat für den Ruhestand

- Was raten Sie Herrn Herrmann für den Ruhestand?

Er soll ein bisschen kürzertreten! Er plant ja schon sein künftiges internationales Engagement als Botschafter für die TU – ich wünsche ich ihm, dass er auch seine Freizeit genießen kann. Er wird ja demnächst Garchinger, hat sich hier ein Haus gekauft. Dann soll er doch auch das Garchinger Kulturprogramm nutzen können. Ich hoffe, dass ich künftig mit ihm ab und zu ein gemütliches Bier trinken kann.

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