Auf das australische Oktoberfest geht Claudia Mohapel (l., hier mit Freundin Paula Daudiello) nur im Dirndl.

Serie: Die Auswanderer

Heimatgefühl dank Weißwurst aus der Dose

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Im Dirndl aufs Oktoberfest. In München ist das normal, in Brisbane auch – zumindest für Claudia Mohapel. Die 35-Jährige stammt aus Garching und ist vor zehn Jahren nach Australien ausgewandert. Mitgenommen hat sie die Liebe zum bayerischen Brauchtum und zum bayerischen Essen.

Brisbane/Garching– Um sich an das Leben in Bayern zu erinnern, hat sich Claudia Mohapel „dahoam“ in Brisbane vieles aus ihrer Heimat erhalten: Im Schrank hängt feinsäuberlich das Dirndl, im Regal steht immer eine Dose „Bavarian White Sausage“. „Bei mir gibt es auch nur bayerisches Bier“, sagt die 35-Jährige. Weißbier. Für das Heimatgefühl fährt sie extra in einen Großmarkt und kauft dort ein, denn viel Heimat um sich hat sie in Australien nicht. Eine Tatsache, mit der sie zurechtkommen muss, seit sie vor zehn Jahren alleine ans andere Ende der Welt ausgewandert ist.

„Eigentlich war immer klar, dass ich nicht in Deutschland bleibe“, sagt sie. Zu wenig Sonne, zu wenig Platz, zu viele Leute. Sonne, Strand und Meer. Dort wollte Claudia Mohapel wohnen.

Während der Schulzeit lebt sie bereits ein Jahr in St. Louis in Amerika, später ein Jahr in Barcelona. „In Spanien waren Strand, Meer und glückliche Leute“, sagt sie: „Aber die Sprachbarriere war zu groß. Ich konnte nicht mal meinen Arbeitsvertrag lesen.“ Also kehrt sie nach Deutschland zurück. Nach ihrem BWL-Studium in Landshut fliegt sie 2006 schließlich mit einem Work-and-Travel-Visum nach Australien.

Schwerer Abschied aus Deutschland 

Kaum auf der anderen Seite der Welt angekommen, ist Claudia Mohapel bereits in das Land verliebt. „In Australien ist einfach alles aufregender“, sagt sie. Der Regenwald ist nur einen Katzensprung entfernt, für Kängurus muss sie nicht extra in den Zoo. Und: „Hier gibt es Tiere, von denen weiß in Deutschland kein Mensch.“ Zum Beispiel den Nashornkäfer. Ihr gefällt auch die entspannte, glückliche Art der Australier. Nach einem Jahr als Backpackerin ist klar: Mit Mitte 20 kann das nicht alles sein, das reicht nicht. Sie will in Australien bleiben.

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Doch erst einmal muss sie zurück nach Deutschland. Ihr Visum ist abgelaufen. Sie bewirbt sich auf ein Sponsored-Migration-Visum. „Bei diesem Visum wird man von einer Firma unterstützt und arbeitet zwei Jahre auf Probe“, erklärt Claudia Mohapel. Es dauert neun Monate, bis sie die Zusage bekommt. Der Zukunft in Australien steht nichts mehr im Weg. Der Abschied fällt ihr trotzdem schwer. Sie lässt Familie und Freunde zurück. Dieses Mal nicht nur für ein Jahr, sondern für immer. Sie steigt ins Flugzeug – und bereut ihre Entscheidung keine Sekunde.

Was nicht heißen soll, dass die Tochter der langjährigen Garchinger Stadträtin Gudrun Mohapel in Deutschland ein schlechtes Leben geführt hat. Es hat ihr gefallen. Nur eines hat gefehlt: die Freude der Menschen. „Man sagt, in Deutschland lebt man, um zu arbeiten. In Australien arbeitet man, um zu leben“, sagt sie.

„Wenn ich hingehe, dann in Tracht“

„Leben“, das bedeutet für sie: „Ich gehe in meiner Freizeit tauchen, fahre mit dem Boot aufs Meer hinaus oder spiele Golf. Ich mache jeden Tag Dinge, die andere nur im Urlaub machen.“ Natürlich arbeitet die 35-Jährige auch. Die ersten zwei Jahre im neuen Land verdient sie ihr Geld als Managerin eines Backpacker-Hostels in „einem richtigen Kaff“ an der Ostküste, dann als Immobilien-Verwalterin in Townsville, ebenfalls an der Ostküste. Vor zwei Jahren zieht Mohapel nach Brisbane, seitdem verwaltet sie staatliche Immobilien.

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Dabei bewahrt sie sich trotz rund 14 500 Kilometern Entfernung stets ein Stückchen Heimat. Mit dem Dirndl im Schrank und den Weißwürsten im Regal. Ende September ist das am einfachsten. Dann feiert auch Queensland das Oktoberfest. „Wenn ich hingehe, dann in Tracht.“ Bei den Australiern sei das anders. Sie kämen oft nur, um auf einer Veranstaltung zu sein. In ihrem Freundeskreis hat sich das geändert, sagt Claudia Mohapel. „Ich bekomme immer wieder Anrufe, wann das Oktoberfest ist und was sie anziehen sollen.“ Sie lacht. Gemeinsam in der Tracht auf dem Oktoberfest. Dann ist die Heimat wieder ganz nahe. Den Kontakt zu Familie und Freunden hält die 35-Jährige bis heute aufrecht. Alle zwei Jahre kommt sie zu Besuch nach Garching. Auch in Brisbane hat sie oft Besuch aus der Heimat.

„Mir wäre es am liebsten, wenn alle nach Australien auswandern würden.“ Überzeugen von diesem Wunsch konnte sie bislang niemanden. Nach Deutschland zurückkehren will Claudia Mohapel nicht. Aufgeben will sie ihre Heimat aber auf keinen Fall. Die doppelte Staatsbürgerschaft hat sie bereits beantragt. Dann wird sie endgültig zur bayerischen Australierin.

Die Serie

Mit dem Münchner Merkur um die ganze Welt. In unserer Serie nehmen wir Sie mit in fremde Länder und Kulturen. Wir haben Auswanderern gesucht, die ihre Wurzeln im Landkreis München haben.

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