Der geplante Neubau an der Freisinger Landstraße in Garching
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Von einer „Maximalbebauung“ war im Ausschuss angesichts dieses Entwurfs die Rede.

An Freisinger Landstraße

Debatte um Neubau: Verliert der Stadtkern an Identität ?

  • Sabina Brosch
    vonSabina Brosch
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An der Freisinger Landstraße soll in Garching ein neues Wohnhaus entstehen. Die Dimensionen gefallen im Stadtrat nicht jedem, ja gar der Verlust von Identität wird prognostiziert.

Garching – Albert Biersack (CSU) sorgt sich um den Charakter des Garchinger Stadtkerns. Er befürchtet einen Verlust von Heimat und Identität, „wenn der Kirchturm einmal kleiner als der Wohnblock ist“.

Anlass für dieses Schreckensszenario war die Planung für den Neubau an der Freisinger Landstraße, der in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses vorgestellt wurde. Die zentrale Frage der Debatte: Wie weit darf die Nachverdichtung im Zentrum gehen und wie weit darf sie das Ortsbild verändern.

Der Bauherr hatte die vom Stadtrat aufgegebenen Änderungswünsche in die Pläne eingebaut. Der östliche Baukörper steht giebelseitig zur Freisinger Landstraße, die Erschließung ist verlegt, es gibt nun mehr Drei- und Vierzimmer-Wohnungen. Dennoch lehnten die Fraktionen der CSU und Unabhängigen Garchinger (UG) ab. Das Erdgeschoss plus drei Etagen sowie die Walmdach-Dachform seien zu viel, „das hat nichts mit dem gültigen Bebauungsplan zu tun, der eine Umwandlung unter Beibehaltung der alten Strukturen und Ortskern-Identität vorschreibt“, kritisierte CSU-Stadtrat Biersack. Er spreche sich nicht gegen Nachverdichtung und Wohnraumbeschaffung aus, „aber doch bitte nicht mit dieser Maximalbebauung“. Sein Vorschlag: „Ein Stockwerk weniger reicht aus.“ Der präsentierte „08/15-Vorschlag“ passe in die Kommunikationszone, „nicht in den Bereich des Garchinger Ortskerns“.

„Wenn wir einmal anfangen, dann fehlt uns künftig die Argumentationslinie“

Biersack verwies auf die Wohnanlage am Wasserturm, die sich „hervorragend“ in das Ortsbild einfüge. Er wolle auch keinen Präzedenz-Fall für die rund zehn Grundstücke schaffen, die im Ortskern für Nachverdichtung zur Disposition stehen. Biersack: „Wenn wir einmal anfangen, dann fehlt uns künftig die Argumentationslinie.“

Auch die UG hatte sich eine andere Lösung des Problems, das Alte zu bewahren und dennoch eine Nachverdichtung zu ermöglichen, vorgestellt. „Die Baumaßnahme an dieser Stelle ist einfach zu hoch“, so Harald Grünwald (UG). Eine Abkehr von den alten Zöpfen des Bebauungsplans aus den 90er-Jahren sieht hingegen Götz Braun (SPD). „Wir würden uns lieber auf die Jetzt-Zeit fokussieren und nicht den Stand von vor 40 Jahren zementieren.“ Wichtig sei es doch, die Grünzüge und -gürtel um Garching vor einer Bebauung zu schützen. Eine derartige Nachverdichtung an dieser Stelle ist für Braun angebracht. Man brauche keinen Dorfcharakter simulieren, „den es sowieso fast nicht mehr gibt“, man müsse eher an einen kleinstädtischen Charakter denken. Mit den sechs Gegenstimmen von CSU und UG hat der Ausschuss den Bauantrag angenommen, nun muss der Stadtrat die Entscheidung bestätigten.

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