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Der „Seelenschmeichler“ begrüßt die Besucher: Andreas Demler baut am Eingang des Festivals die Konstruktion auf.

Aufbau für „Back to the Woods“

Ein Festival für die Seele

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Rund 5000 Besucher dürften zum Festival „Back to the woods“ in Garching strömen. An Bühnen, Bars und Dekorationen wurde kurz zuvor noch kräftig gewerkelt.

Garching – Auf dem Weg zur neuesten Baustelle auf dem Forschungscampus muss man erst mal an all den anderen Baustellen vorbei. Rechterhand der Rohbau des Studentenhauses Studitum, danach der riesige Galileo-Komplex, der kurz vor der Vollendung steht, und schließlich linkerseits die künftige Mensa der TU München. Überall ragen Kräne in den Himmel, Bauarbeiter schwitzen mit finsteren Mienen in der Sonne, dazu liegt über allem der ohrenbetäubende Lärm der Maschinen wie eine schwere Decke.

Ganz anders auf der jüngsten Baustelle im hintersten Eck des Forschungsgeländes, in einem Wäldchen zwischen dem Lehrstuhl für Abfallwirt-schaft und der örtlichen Kläranlage. Hier schrauben und hämmern zwei junge Männer auf einem Hügel an einer ebenso rätselhaften wie imposanten Konstruktion aus früheren Dachstuhlbalken sowie diversen Metallrädern herum. Es handelt sich um einen „Seelenschmeichler“, sagt Andreas Demler, einer der beiden. Er soll die rund 5000 Besucher, die am morgigen Samstag hierher zum Festival „Back to the Woods“ strömen werden, schon von weither freundlich begrüßen.

Sagt’s und widmet sich wieder seinem „Seelenschmeichler“ – mit einem Lächeln im Gesicht. Auch wenige Schritte weiter, wo Dutzende junge Menschen an diversen Bühnen, Bars und Dekorationen schrauben, hämmern und sägen ist die Stimmung gelöst. Im Hintergrund wummert Musik, in einem Zelt können sich die Helfer Essen holen, zudem stehen Hängematten zum Ausruhen bereit – wenn man sich nicht lieber inmitten der grünen Natur irgendwo in den Schatten legt. „Es ist eine Baustelle hier“, sagt Leo Ehrecke. „Aber mit dem Charakter eines großen Zeltlagers.“

Der 27-Jährige aus Garching hat 2010 am Werner-Heisenberg-Gymnasium Abitur gemacht. Mit einer Handvoll Schulfreunden schmissen sie nach der letzten Prüfung eine Party im Obstgarten – so hat es angefangen. Aus dieser Feier mit kaum 150 Leuten sind über die Jahre zwei immens populäre Elektronik-Festivals mit tausenden Besuchern geworden – das „Schall im Schilf“ am Garchinger See und das „Back to the Woods“, das am Samstag auf dem Forschungscampus steigt. Organisiert werden die Feste immer noch von den Schulfreunden, die sich zur Agentur „Kellerkind“ zusammengeschlossen haben – „weil wir damals immer bei meinen Eltern im Keller gesessen sind“, sagt Ehrecke. Beim fünftägigen Aufbau werden sie unterstützt von rund 100 Freunden, Bekannten und Freunden von Freunden. Einige kommen nur für einen Nachmittag aufs Gelände, andere bleiben die ganze Woche hier und schlafen im Zelt oder im VW-Bus.

Gemeinsam bauen die Helfer die Hauptbühne mit den großen Leinwänden und zwei kleinere Bühnen auf, wo am Samstag rund ein Dutzend teils international renommierte DJs auflegen. Dazu kommen 86 Dixi-Klos sowie allerlei Essensstände, wo ausschließlich Vegetarisches feilgeboten wird – der Nachhaltigkeit wegen, sagt Ehrecke. Was das Festival aber vor allem so einzigartig macht, ist die Dekoration des kompletten Geländes mit zig Leuchten und Lampen, Schildern und Kunstwerken, Beamern und Leinwänden sowie reichlich Nippes – vom mannshohen Pferd bis zu Traumfängern, die an den Ästen baumeln. Sogar einen begehbaren Wald gibt es, der dank Teppichen und Holzpaletten zum schattigen Ausruh-Örtchen wird – oder Neudeutsch: zur Chillout-Area.

Auch wegen dieser Liebe zum Detail sind die Tickets fürs „Back to the Woods“ stets heiß begehrt; heuer waren sie einen halben Tag nach Vorverkaufsstart ausverkauft. Jetzt müssen Leo Ehrecke und seine Kollegen nur noch auf gutes Wetter hoffen. Doch zumindest im Moment sind die Prognosen ähnlich wie die Stimmung beim Aufbau – sonnig.

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