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Ein Blick ins Reaktorbecken: Der Forschungsreaktor steht seit 17. März aufgrund der Corona-Pandemie still, weil Forscher aus dem Ausland nicht anreisen konnten. 

Nach Austritt von radioaktivem Material

Wie sicher ist der Garchinger Forschungsreaktor? Betreiber äußert sich

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Ist der Forschungsreaktor in Garching wirklich sicher? Kann man den Aussagen vertrauen, dass wirklich nur eine für den Menschen unbedenkliche Menge Radioaktivität im März ausgetreten ist? Diese Fragen treiben viele nach dem Bekanntwerden des „Störfalles“ um. Jetzt äußert sich der Betreiber. 

Garching– Der Forschungsreaktor, der von der Technischen Universität München betrieben wird, steht seit 17. März wegen der Corona-Pandemie still. DasEnde März und Anfang April freigesetzte C-14 sei „unglücklich“ gewesen, sagt FRM II-Pressesprecherin Andrea Voigt, „wenngleich nie eine Gefahr für Leib und Leben bestand, dies ist jedoch auch nicht als Entschuldigung zu sehen.“ Das emittierte radioaktive Nuklid sei auf dem Gebiet des Campus niedergegangen, „etwa die Hälfte der C-14 Menge, die man beim Röntgen beim Zahnarzt in Höhe von etwa fünf Mikrosievert aufnimmt.“ Der Grenzwert sei zwar um rund 15 Prozent überschritten, aber dieser sei an sich bereits sehr niedrig festgelegt. Der genehmigte Jahresgrenzwert der Forschungs-Neutronenquelle FRM II für die Ableitung von C-14 über den Kamin in die Atmosphäre liegt bei 2,0 mal 1010 Becquerel. Was bei einer Modellrechnung, bei der man die theoretische Obergrenze für die Strahlenexposition einer Referenzperson berechnet, etwa bei drei Mikrosievert liegt.

Umweltministerium muss entscheiden, wann der Betrieb wieder anläuft

Dies wiederum entspricht einem Prozent der laut Strahlenschutzverordnung zulässigen jährlichen Strahlenexposition von 300 Mikrosievert aus Ableitungen radioaktiver Stoffe in die Luft. „Das macht deutlich, dass die radiologische Auswirkung der Ableitung von 2,3 mal 1010 Becquerel, die Erhöhung von 15 Prozent, unbedenklich, ist“, so Voigt. Dennoch wird nun wöchentlich gemessen und nicht mehr quartalsmäßig ausgewertet. Eine Online-Überwachung etwa über die Kernreaktorfernüberwachung sei nicht möglich, „dafür war die Strahlungsenergie viel zu gering.“

Der Grund für den Austritt im März und April sei auf einen individuellen Fehler bei der Montage der mobilen Trocknungseinrichtung zurückzuführen. Es war ein „menschlicher Fehler“, dass die Abscheideeinheit nicht angebracht wurde. Gerade diese Abscheideeinheit wurde 2013 eingebaut, nachdem im Jahr 2012 bereits C-14 ausgetreten war. Sieben Jahre habe es funktioniert. „Wir müssen jetzt warten, bis die Sachverständigen der Aufsichtsbehörde, dem Bayerischen Umweltministerium, das geklärt haben“, sagt Voigt.

Es geht um Forschungsergebnisse und auch um viel Geld

Corona bedingt stand der Reaktor zwar sowieso still, wann er wieder angefahren wird, ist ungewiss. „800 Projekte von externen Wissenschaftlern liegen auf Eis“, sagt Andrea Voigt, „die eigenen Forschungen sind da nicht mit eingerechnet.“ Es gehe um Messungen an Batterien für Elektroautos, aber auch etwa um drei Anträge aus Italien, die mit dem Coronavirus in Zusammenhang stünden. „Sie wollen untersuchen, wie sich Medikamente mit Proteinen verhalten oder wie das Virus an Zellmembranen andockt.“ Abgesehen von den Forschungsergebnissen gehe es auch um viel Geld, das die TU mit dem „Verleihen oder Vergeben“ von Arbeitszeit am Reaktor verdient. Denn der FRM II sei gerade einmal acht Wochen gelaufen, nachdem Frankreich vier neue Brennelemente geliefert hatte.

Ab 2022 soll niedriger angereicherter Brennstoff zum Einsatz kommen

„Das ist als waffenfähig eingestuftes Material, das wir erst einmal aufbrauchen, bis wir etwas anderes haben“, so Voigt. An dem „Ersatz“ wird bereits gearbeitet, es ist der niedriger angereicherte Brennstoff mit monolithischen Uran-Molybdan (U-Mo). Erste Prototypen sind für Anfang 2021 geplant und sollen 2022 in Produktion gehen, Voigt will sich jedoch auf keinen konkreten Zeitraum festlegen. „Das hängt davon ab, wie wir vorankommen.“ Jedoch handele es sich um ein Problem, das weltweit bei allen Hochleistungsforschungsreaktoren bestehe. Voigt vergleicht es mit starkem Kaffee, man wolle ihn stark haben, aber dafür weniger Kaffeepulver verwenden.

Grüne fordern Betriebsstopp

Bündnis90/Die Grüne fordern sofort einen Betriebsstopp bis Ende des Jahres. „Aufgrund der Grenzwertüberschreitung darf der Forschungsreaktor nicht mehr in diesem Jahr angefahren werden“, so der Grünen-Fraktionschef im Landtag Ludwig Hartmann. Ähnlich äußern sich Mitglieder der SPD und der Bund Naturschutz. Die Grünen Landtagsabgeordneten Markus Büchler und Claudia Köhler haken bei der Staatsregierung nach. Es geht dabei um die Informations- und Kommunikationskette, wer wann informiert wurde und welche Schritte veranlasst wurden. Es herrschen zudem Zweifel an der quartalsmäßigen Messung und Bilanzierung. Ein „Weiter so“ und ein „im Übrigen nie genehmigtes Wiederanfahren mit waffenfähigem Uran, die Ableitung radioaktiver Abwässer in unsere Isar sowie die Kontrolle durch den Betreiber selbst darf es nicht geben“, betont Büchler. Der Zwischenfall war auch Thema in der Sitzung der Garchinger Stadträte. „Am 28. Mai“, so kündigte Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) an, werden die Betreiber in der Sitzung erläutern, „wie es dazu kommen konnte.“ Man werde kritisch hinterfragen, „aber Ängste zu schüren, ist unverantwortlich“, so Bastian Dombret (FDP).

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