Forschungsreaktor in Garching steht still
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Forschungsreaktor in Garching steht still.

Beim Brennstoff brennt’s

Weil Uran nicht geliefert wird, steht Forschungsreaktor still: Das sind die Konsequenzen 

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Weil Frankreich den Transport von hoch angereichertem Uran blockiert, steht der Forschungsreaktor in Garching seit Monaten still. Wir haben nachgefragt, welche Folgen das hat.

GarchingDie Wissenschaftler am Forschungsreaktor FRM II in Garching sind in Schwierigkeiten: Weil der Nachschub an hoch angereichertem, potenziell atomwaffenfähigem Uran stockt, steht die Anlage seit März still. Es scheitert am Transport der Brennelemente nach Deutschland, die in Frankreich aus russischem Uran produziert werden. Anke Görg, Sprecherin des Forschungsreaktors, spricht über die Konsequenzen für die Garchinger Wissenschaftlern und die Zukunft der Forschungsanlage.

Frau Görg, was bedeutet der Stillstand für Ihre wissenschaftliche Arbeit?

Jährlich kommen etwa 1000 internationale Nutzer zu uns, um zu forschen. 30 Prozent der Messzeit stellen wir der angewandten Forschung, Industrie und Medizin zur Verfügung. 70 Prozent sind Grundlagenforschung – wie für Energiespeicherung, Krebsmedizin oder neue Materialien. Das alles steht derzeit still.

Hat der Brennstoff-Mangel auch unmittelbarere Auswirkungen?

Wir können derzeit den Bedarf für Radioisotope nicht decken: Holmium 166 oder Lutetium 177 werden bei uns für die Krebsdiagnostik und -behandlung gefertigt. Andere Isotope werden hauptsächlich an Forschungsreaktoren hergestellt, folglich ist die Nachfrage sehr hoch. Wenn der Forschungsreaktor in Berlin Ende des Jahres schließt, stehen wir alleine da.

Womit verbringen die Garchinger Wissenschaftler nun ihre Zeit?

Unsere Forscher müssen sich momentan um Messzeit in anderen Neutronenquellen wie in Frankreich, Australien oder Kanada bewerben. Oder sie arbeiten an neuen Forschungsprojekten oder am weiter Aufbau unserer neuen Molybdän-99-Anlage. Wir versuchen, die Zeit zu überbrücken, bis es eine Lösung gibt.

Woran hapert es?

Unser Transportdienstleister bekommt von den französischen Behörden keine Genehmigung für den Straßentransport der Brennelemente. Bisher hatte das immer geklappt – warum nun nicht mehr, wissen wir nicht. Ich gehe davon aus, dass es politische Gründe hat.

Und wie können Sie das lösen?

Wir sind abhängig und können nur hoffen. Es gibt ja mehrere Wege – Straße, Wasser, Luft, Schiene: Unser Dienstleister muss prüfen, wie wir an unsere Brennelemente kommen. Das Thema ist mittlerweile aber auch einige Ebenen höher gewandert: Die Bundeswissenschaftsministerin Anja Karliczek (CDU, Anm. d. Red.) unterstützt uns, wofür wir auch sehr dankbar sind. Wir sind schließlich das Aushängeschild für die deutsche Neutronenforschung.

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Es gibt immer weniger Forschungsreaktoren mit hoch angereichertem Uran. Steht in Garching ein Auslaufmodell?

Unser Reaktor ist definitiv kein Auslaufmodell, sondern einer der modernsten und leistungsfähigsten weltweit. Wir wollen aber auf einen niedriger angereicherten Brennstoff als das momentan verwendete, auf 93 Prozent angereicherte Uran 235 umsteigen. Nur muss dieser ausgiebig getestet und geprüft, industriell herstellbar und verfügbar sein.

Hilft ihnen der Lieferstopp bei diesem Umstieg auf die Sprünge?

Nein. Schneller geht das deswegen nicht. Wir haben drei Kandidaten für diesen neuen Brennstoff, die derzeit Bestrahlungstests unterlaufen. Das braucht aber Zeit.

Jüngst gab es Proteste in den Anlieger-Gemeinden gegen die Einleitung schwach radioaktiven Abwassers in die Isar. Erledigt sich das Thema durch die Lieferschwierigkeiten von selbst?

Nein, dieses Abwasser fällt immer an. Schon wenn sie sich im Sicherheitsbereich die Hände waschen, fließt das Wasser in einen eigenen Tank. Es wird gefiltert und behandelt und gilt als schwach radioaktiv. Obwohl es Trinkwasserqualität hätte und keine Gefahr für Mensch und Umwelt besteht. Was ein Krebspatient nach der Chemo ausscheidet, landet auch in der Kläranlage – das ist genauso wenig gefährlich. Dazu kommt, dass das Isar-Wasser nicht nur von uns, sondern auch von unabhängigen Messinstanzen wie der Universität Regensburg kontrolliert wird.

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