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Der Campinganhänger als Fotobox: In dem weißen Gefährt fotografieren lassen sich unter anderem (v.l.) Patrick Schumann, Laura Müller, Klaus Heller, Severin Teubner und Michael Schmidt.

Fotoaktion an der TU in Garching 

Gesicht zeigen gegen Rassismus

Mit einer ungewöhnlichen Fotoaktion beteiligt sich die Technische Universität (TU) in Garching an den „Internationalen Wochen gegen Rassismus“. Von 10 bis 14 Uhr kann man heute noch bei der Aktion mitmachen. Hier gibt‘s auch ein Video dazu: 

Garching– Mitten auf dem Vorplatz der Maschinenbau-Fakultät in Garching steht ein weißer Campinganhänger. Er gehört nicht etwa einem Studenten, der sein Lager in Zeiten von Wohnungsmangel und Wuchermieten kurzerhand vor der Technischen Universität München (TUM) bezogen hat. Vielmehr geht es im und rund um den Anhänger um ein ungleich ernsteres Thema, das man auf Anhieb nicht gerade an einem so internationalen Ort wie diesen erwarten würde. Nämlich: Rassismus. Denn im Inneren des Campers können sich Studenten und Uni-Mitarbeiter an zwei Tagen fotografieren lassen – ganz ähnlich wie bei jenen Fotoautomaten in Bahnhöfen und Flughäfen. Aus den einzelnen Porträts soll dann ein etwa fünfzehn mal fünf Meter großes Banner entstehen, das ab kommenden Montag eine Woche lang über dem Eingang der Maschinenbau-Fakultät prangen wird – als Zeichen der Technischen Universität München gegen Rassismus. 

Michael Schmidt wird tagtäglich unter dem Plakat und damit auch unter seinem eigenen Konterfei hindurchlaufen, schließlich arbeitet der 29-Jährige als Doktorand in dem Gebäude. Nur wenige Stunden, nachdem er per E-Mail von der Aktion erfahren hatte, ist er zum Wohnanhänger gekommen – gemeinsam mit drei Kollegen im Schlepptau. „Ich denke, es ist wichtig, dass man öffentlich Gesicht zeigt gegen Rassismus“, sagt Michael Schmidt. Er selbst habe in den vergangenen Wochen und Monaten in der öffentlichen Debatte festgestellt, dass fremdenfeindliche Töne häufiger geworden seien. „Es ist erschreckend zu sehen, dass so etwas inzwischen sogar fast schon salonfähig ist.“

Etwas vorsichtiger äußert sich naturgemäß Peter Finger von der Jungen Akademie, einem Förderprogramm der TUM, das hinter der Fotoaktion steht. Und doch kommt auch er irgendwann auf den amerikanischen Präsidenten Donald Trump und dessen Einreiseverbot für Menschen aus arabischen Ländern zu sprechen. Und generell sei es natürlich so, betont Peter Finger, dass sich die Universität als „gesellschaftlicher Player“ für Weltoffenheit und kulturelle Toleranz einsetze.

Vor sechs Wochen habe ihn die Hochschulleitung beauftragt, auch auf dem Campus einen Beitrag zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus beizusteuern. Gemeinsam mit der Agentur „Prankl“ aus Aying habe man daraufhin die Fotokunst-Aktion konzipiert: Jeweils an zwei Tagen können sich Studenten in Garching und München wahlweise im Foto-Camper oder im provisorischen Fotostudio fotografieren lassen. „Wir hoffen, dass sich hier in Garching etwa 600 Menschen beteiligen“, sagte gestern Martin Prankl. „Und bislang ist die Aktion sehr gut angenommen worden.“

Weltweite Aktion mit historischem Hintergrund

Die Internationalen Wochen gegen Rassismus finden weltweit stets rund um den 21. März statt, dem internationalen Tag gegen Rassismus. Das Datum geht auf eine Kundgebung im Jahr 1960 im südafrikanischen Sharpeville zurück, als bei einer friedlichen Demonstration von 20 000 Menschen gegen das Apartheid-Regime 69 Protestierende von der Polizei erschossen und mindestens 180 verletzt wurden. Allein in München beteiligen sich Dutzende Einrichtungen und Institutionen an den „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ – mit Vorträgen, Lesungen, Konzerten und zahllosen weiteren Veranstaltungen. Die Technische Universität München ist mit ihrer Fotokunst-Aktion heuer erstmals mit dabei. Nach dem Start gestern können sich Studenten noch heute von 10 Uhr bis 14 Uhr vor der Maschinenbau-Fakultät in Garching fotografieren lassen; am 16. und 17. März folgen dann zwei weitere Foto-Tage in der Immatrikulationshalle der TUM in München. Sämtliche Porträts an beiden Orten werden anschließend jeweils zu einem Plakat zusammengefügt, das eine Woche lang an prominenter Stelle hängen soll – als Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz, wie es vonseiten der Uni heißt.

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