Er wollte Geld abholen

Wegen Betrugs: Gericht verurteilt falschen Hauptkommissar

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Ein 41-jähriger Betrüger hat sich bei einer Rentnerin aus Garching als Polizist ausgegeben, um einen hohen Geldbetrag zu ergaunern. Ein Amtsgericht hat ihn nun zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

Garching – „Hauptkommissar Kai Wagner“ rief spät abends an, gegen 22 Uhr. Seinem Opfer am anderen Ende der Leitung, einer 62-jährigen Garchingerin, erzählte der vermeintliche Polizist, jemand wolle ihr Bankguthaben stehlen. Um sicher zu gehen, solle die Frau am nächsten Morgen das Geld abheben. Ein Kollege werde kommen und es abholen, sagte „Hauptkommissar Kai Wagner“. Doch die Rentnerin wurde misstrauisch und rief die Polizei – die echte Polizei.

Der Fall ereignete sich im August vergangenen Jahres. Nun hat ein Richter des Amtsgerichtes München einen 41-jährigen Münchner zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten wegen versuchten Betruges verurteilt. Der Mann wollte das Geld bei der 62-Jährigen abholen.

Der Arbeitslose ist selbst ein Opfer – ein Opfer seiner Heroinsucht. Laut einer Pressemitteilung des Amtsgerichtes gab er zu, dass er sich als Polizeikommissar ausgeben und bei der geschädigten Witwe einen höheren Geldbetrag abholen wollte. Ein Bekannter habe ihm am Telefon den Auftrag erteilt, so der 41-Jährige. Er kenne ihn aus der Justizvollzugsanstalt Stadelheim. Inzwischen sei der Auftraggeber aber in die Türkei abgeschoben worden. Dieser hätte zu ihm gesagt, er brauche keine Konsequenzen fürchten und solle an seinen „letzten Schuss“ denken. Der Angeklagte sagte vor Gericht, er habe Drogen gebraucht und sich schließlich zur Tat entschlossen. Seit 20 Jahren konsumiere er Heroin. Wegen der Sucht habe er seinen Arbeitsplatz verloren und sei straffällig geworden. Der 41-Jährige saß schon einmal für eineinhalb Jahre hinter Gittern.

So wollten die Betrüger die Rentnerin reinlegen

Die Garchingerin erzählte, wie man sie reinlegen wollte. Demnach klingelte das Telefon am Abend. Das Display zeigte die Anrufnummer „089/110“. Am Apparat meldete sich der vermeintliche Hauptkommissar. Dieser gab vor, dass es Hinweise gebe, dass Einbrecher bald in die Wohnung der Garchingerin einsteigen würden. Außerdem arbeite bei ihrer Haubank „ein Maulwurf“. Bei einem weiteren Telefonat teilte man der 62-Jährigen mit, dass „die Bande“ bei einem anderen Opfer bereits 46 000 Euro erbeutet habe.

Aus Furcht veranlasste die Rentnerin am nächsten Morgen ihre Bank, die Auszahlung von 38 000 Euro vorzubereiten. Gleichwohl war sie misstrauisch und tat das einzig Richtige – sie verständigte das Münchner Polizeipräsidium. Fortan begleiteten echte Polizisten die Frau bei allen weiteren Schritten.

Mittages rief erneut „Hauptkommissar Kai Wagner“ bei der Garchingerin an. Er sagte, ein anderer Beamter werde nun das Geld abholen und die Scheine markieren, um so den „Maulwurf“ zu überführen. Außerdem seien bereits bewaffnete Einbrecher in der Nähe. Schließlich tauchte der 41-Jährige in der Wohnung auf, um das Geld abzuholen – und wurde anschließend festgenommen.

Der Amtsrichter legte dem Angeklagten zur Last, dass die Masche gezielt auf Opfer abziele, „die in ihrer Urteilsfähigkeit deutlich herabgemindert sind“. Ferner habe er die Vernichtung der wirtschaftlichen Existenz der Frau in Kauf genommen. Hinzu komme: „Durch die Vortäuschung der Polizeizugehörigkeit sei das Sicherheitsgefühl nicht nur der Geschädigten sondern auch der breiten Bevölkerung erheblich beeinträchtigt.“ Das Gericht folgte den Ausführungen eines Sachverständigen, der eine eingeschränkte Schuldfähigkeit des 41-Jährigen wegen seiner Drogensucht nicht ausschloss. Der Angeklagte muss nun in eine Entziehungsanstalt.

Rubriklistenbild: © dpa

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