CO-Melder warnen mit einem Piepen vor Kohlenmonoxid-Lecks.
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CO-Melder warnen mit einem Piepen vor Kohlenmonoxid-Lecks.

Kohlenmonoxid-Vergiftung

Heimlicher Schwelbrand: Ehepaar in Garching erstickt fast in eigenem Haus

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Ein vergleichsweise harmloser Rettungseinsatz in Garching ruft schnell den Atemschutztrupp der Feuerwehr auf den Plan. Erst im Nachhinein stellt sich heraus: Es ging um Leben und Tod.

Garching – Als ein Reihenhausbesitzer aus Garching am Freitagvormittag den Notruf wählt, weiß er noch nicht, dass es längst um Leben und Tod geht. Seine Frau, so berichtet es danach die Feuerwehr, ist mit Schwindelgefühl gestürzt und blutet am Kopf. Auch ihrem Ehemann ist nicht wohl, auch er geht zwischenzeitlich zu Boden. Beide sind um die 80. Die Besatzung des eintreffenden Rettungswagens ruft, kaum dass sie die Wohnung im Südosten der Stadt betritt, die Feuerwehr: Ein CO-Melder, den die Retter sicherheitshalber bei jedem Einsatz mitführen, warnt mit einem lauten Piepen.

Kohlenmonoxid: unsichtbar, geruchlos - und tödlich

Kohlenstoffmonoxid, kurz CO, ist ein heimtückischer Killer. Das Verbrennungsgas breitet sich unsichtbar und geruchlos in geschlossenen Räumen aus, verursacht Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und Müdigkeit. Und wer davon einschläft, dem kann es passieren, dass er nie wieder aufwacht. Denn CO verdrängt den Sauerstoff aus dem Blut. Die Opfer vergiften sich unbemerkt an der Raumluft. Im schlimmsten Fall endet das tödlich.

Glücklicherweise nicht in Garching. Der Rettungsdienst begleitet den Ehemann nach draußen, die Feuerwehr holt wenig später mit schwerem Atemschutz seine Frau aus dem ersten Stock des Reihenhauses. Beide kommen ins Krankenhaus, werden mit Sauerstoff therapiert.

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Rätselraten über die Gasquelle

Währenddessen herrscht in ihrem Haus das Rätselraten: Die Feuerwehr um Kommandant Christian Schweiger durchkämmt das Gebäude auf der Suche nach der Quelle des tödlichen Gases. ein nicht richtig ziehender Kachelofen, eine defekte Ölheizung? – Fehlanzeige. Nur das Kohlenmonoxid ist überall, in verschiedensten Konzentrationen präsent. „Es waren sehr hohe Werte“, sagt Feuerwehrkommandant Schweiger.

Die Lösung des lebensgefährlichen Rätsels finden die Retter schließlich nebenan. Der Besitzer dort renoviert und erwähnt laut Schweiger, dass er die Dehnungsfuge zwischen den beiden Reihenhaus-Parteien mit einem Brenner frisch mit Bitumen verschweißt habe. Dieses habe Feuer gefangen, aber er habe selber löschen können.

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Vermutlich glomm das Feuer in der Isolierung stundenlang

Die Feuerwehr findet zwar keine CO-Nester in dem Haus, öffnet aber die Dehnungsfuge und sprüht mit einer Löschlanze Löschmittel hinein. „Vermutlich hatte es dort drin weitergeglimmt“, sagt Kommandant Schweiger. Jedenfalls ist die Raumluft in beiden Häusern Samstagfrüh wieder ungiftig.

Ohne Weiteres, so der Kommandant, sei nicht nachvollziehbar, was sich in der Zwischenisolierung des Reihenhauses abgespielt habe und wie das Gas in die Räume zog. Es sei brandhemmendes Material verbaut, weshalb sich der vermutete Schwelbrand über die Nacht zum Freitag wohl nicht in einen Vollbrand ausgewachsen hat.

Das Ehepaar ist schon am Freitagabend aus dem Krankenhaus entlassen worden. Die Nacht darauf, bevor es in seinem Haus Entwarnung gab, verbrachte es bei seiner Tochter. Mittlerweile konnten die Senioren zurück in ihr Haus.

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