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Hat die Rolle geliebt: Kulturreferent Wolfgang Windisch, hier beim Rathausfasching, geht nach 22 Jahren in Rente.
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Schöne Momente: Windisch überreicht Blumen an Monika Gruber.
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Das erste Kulturprogramm: 1996 wurde es gedruckt.

Wolfgang Windisch geht in Rente

Abschied mit zwei weinenden Augen

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Über 22 Jahre hat Wolfgang Windisch Garching als Kulturreferent geprägt, seit heute ist er im Ruhestand. Er geht mit zwei weinenden Augen und blickt doch freudestrahlend auf die vergangenen Jahrzehnte zurück.

Garching – Am Donnerstag darf Wolfgang Windisch zum ersten Mal in diesem Jahrtausend ganz privat auf eine Kulturveranstaltung in Garching gehen. Und doch wird beim Auftritt von Heiner Lauterbach wohl fast alles sein wie bisher. „Ich bin da ganz entspannt, sag’ dem Heiner Hallo und stelle meinen Nachfolger vor“, sagt der 66-Jährige. Anschließend kann Windisch die Komödie „Jahre später, gleiche Zeit“ genießen.

„Ich habe das so gerne gemacht.“

Genossen hat er auch seine 22 Jahre als Garchinger Kulturreferent. „Ich habe das so gerne gemacht. Es ist ein schwieriger Abschied“, gibt er zu. Mit zwei weinenden Augen übergebe er an Thomas Gotterbarm. „Viele zählen die Tage bis zur Rente. Das ist nicht mein Ding.“ Mit 66 Jahren sei es aber an der Zeit, die Zügel weiterzureichen.

Dass er sich einmal für die Kultur in Garching verantwortlich zeichnet, das hatte er selbst nicht gedacht. Schon früh lernte der Vollblutmusiker Schlagzeug, spielte in verschiedenen Bands und studierte dann an der Hochschule für Musik in München. Die Hürde zu einem Musikstudium sei Anfang der 1970er höher gewesen als heute. „Meine Familie hat gesagt: Spinnst du? Lern was Anständiges“, erzählt er. Doch mit dem Staatsexamen sei das vergessen gewesen.

Musik und Theater studiert

Als Schlagzeuger und Komponist machte sich Windisch einen Namen in der Szene, hatte Jobs in Studios, wo auch Weltstars wie die Rolling Stones oder Queen Songs aufnahmen.

Mit seiner zweiten Leidenschaft, dem Theater, schaffte er es bis zur Württembergischen Landesbühne in Esslingen. Dort merkte er allerdings, „dass es so etwas wie Heimat gibt“ und kehrte als freier Theaterkomponist nach München zurück. 1994 bewarb er sich erstmals in Garching.

Genommen wurde er allerdings erst 1996 – und setzte sich gegen 240 Bewerber durch. Die Bedingungen seien perfekt gewesen. Größere Städte hätten ihn nicht interessiert: zu wenig Kontakt zu den Künstlern. In kleineren Orten hätte er seine Vorstellungen nicht umsetzen können. Aber Garching: „Diese Ausstattung, zwei Spielstätten. Welche Stadt in dieser Größe hat das!?“

Wo geben sich Monika Gruber, Rainhard Fendrich oder Gregor Gysi die Klinke in die Hand? Wo wurde im Münchner Raum sonst die Theaterfassung von „Schtonk!“ aufgeführt? Nur Beispiele für die hochklassigen Künstler, die Windisch durch die guten Voraussetzungen an Land gezogen hat.

Kulturbonbon spricht sich bis nach Österreich herum

Dazu die besonderen Überraschungsabende: Das Garchinger Kulturbonbon, bei dem das Publikum nie weiß, wer auf die Bühne kommt. Bei dieser Idee – „Meinem Baby“ – sei er wieder gefragt worden, ob er spinne, weil niemand die Katze im Sack kaufen würde. Also musste zum Auftakt ein Kracher her: Schauspielerin Senta Berger. Seit dem dritten Jahr seien alle Veranstaltungen der Reihe ausverkauft.

An zwei Kulturbonbons erinnert sich Wolfgang Windisch besonders gern: mit Fendrich und Gysi. „Fendrich spielt sonst nicht vor gerade mal 100 Leuten“, sagt Windisch. Doch das Konzept sprach sich bis nach Österreich herum, und er fand die Idee so charmant, dass er sich selbst meldete und seinen Auftritt anbot. Die Talkrunde mit Gregor Gysi war für Windisch ein persönliches Highlight, „weil ich das vorher noch nie gemacht habe“. Und weil Windisch lange auf diesen Abend hingearbeitet hat. Mehrmals hat er angefragt, immer sei er vertröstet worden – bis zum Dezember 2015. „Joa, am 1. März hat der Gregor Zeit“, sagte die Sekretärin. Drei Monate später schlüpfte Windisch in die Rolle des Moderators. „Ich habe gedacht: Das musst du selber machen.“

Er prägte Garching mit rund 2500 Veranstaltungen

Selber machen, dafür stand Windisch in Garching. Als Kulturreferent kümmerte er sich um die Künstler, um die Verwaltung und den Etat – und war auf fast jeder der rund 2500 Veranstaltungen. ob im Bürgerhaus, im Theater am Römerhof oder jetzt im Theaterzelt. In den Pausen sprach er mit dem Publikum: Passt alles, oder fehlt etwas?

Windisch hörte den Garchingern zu. Und trotzdem sah er sich dem Vorwurf ausgeliefert, die städtische Kultur käme zu kurz. „Ich weiß nicht, woraus diese kritischen Stimmen resultieren.“ Alle Vereine, die wollten, hätten ins Bürgerhaus gekonnt.

Wenn jemand in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen sei, dann seine Familie. Für die will er sich jetzt Zeit nehmen, öfter mit dem Sohn (12) jammen. Da der auch Schlagzeug spielt, hat Windisch Gitarre gelernt. Nebenher sucht er künftig Künstler für eine Kleinkunstbühne in Großhadern.

Den Abschied aus der Garchinger Kultur feierte der 66-Jährige am Samstag mit den Blues Brothers. Ganz weg ist er natürlich nicht, er kommt nur nicht mehr zu jeder Veranstaltung. „Es wäre ja auch blöd, wenn der Windisch da immer rumhüpft“, sagt er, lacht und verabschiedet sich von der Bühne.

Lesen Sie auch: Thomas Gotterbarm folgt Wolfgang Windisch nach 

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