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Kult-Rolle: Heinz Becker alias Gerd Dudenhöffer.

Hart an der Grenze

Witze über Schwule und Flüchtlinge: Kabarettist Dudenhöffer polarisiert bei Auftritt

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In seiner TV-Sendung amüsierte Gerd Dudenhöffer als „Heinz Becker“ das Publikum. Bei seinem Auftritt in Garching schrammte er nun hart an der Grenze zu rechtem Gedankengut entlang.

Garching – Den saarländischen Spießbürger Heinz Becker kennt fast jeder. Seit 34 Jahren spielt Gerd Dudenhöffer die Rolle auf der Bühne. 1992 liefen die ersten Folgen der „Familie Heinz Becker“ im Fernsehen, 2004 die letzten. Mit seinem mittlerweile 17. Kabarett-Programm „Deja Vu“ gastierte Dudenhöfer am Freitagabend im Garchinger Theaterzelt. Ohne Ehefrau Hilde und Sohn Stefan wie in der TV-Serie, dafür aber leider mit – neben vielen gelungenen Stellen – einigen rassistischen und menschenverachtenden Witzen.

„Heinz Becker“ kam, wie man ihn kennt auf die Garchinger Bühne: Nämlich mit Kappe, kariertem Hemd und Hosenträgern. Dudenhöffer setzte sich auf einen Stuhl und begann knapp zwei Stunden zu reden, nahezu ohne Requisiten und ohne richtigen roten Faden. Der Kabarettist spannte einen breiten thematische Bogen über das schlechte Zusammenpassen von Mischbrot und Butter, die schlechte Auffindbarkeit von Klopapier in entsprechenden Notsituationen und dem Seifenspender in der Toilette eines Restaurants, durch den zu viel Seife auf seiner Hose landete. Was Hilde im Restaurant natürlich so laut bemerkte, dass die Nachbartische es hörten.

Garching: Hart an der Grenze: Kabarettist Dudenhöffer polarisiert bei Auftritt

Komisch war die Geschichte, als Becker für Hilde Creme kaufen sollte, dabei aber aus Versehen im Sexshop neben der Parfümerie landete. Hier lagen „überall Männer rum - nur ohne Körper“ und die Verkäuferin glaubte, er wolle Gleitcreme. Zum Lachen war auch manch Anekdote vom „Meier Kurt“ und den anderen bekannten Figuren aus dem Becker-Kosmos.

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Doch dann überschritt Dudenhöffer immer häufiger die Grenzen des guten Geschmacks. So sprach er über Schwule, die Schleifchen tragen, was ja gut sei „dass man die markiert“. Am besten lege man noch Knoblauch gegen sie aus. „Neger“ sollen nicht wie angeblich so oft Wolfgang heißen, sondern Lumumba. Flüchtlinge sind „Zeugs“, die möglichst nur mit Abitur kommen sollten. Deutschland sei zwar ein Auffangbecken für Flüchtlinge, aber bitte mit Abfluss. Sein Nachbar bekam ein Hakenkreuz auf die Garage gemalt, erzählt Becker, und habe dieses dann sofort wegschrubbt – aber nur, weil es falsch gezeichnet war. Wäre es korrekt gemalt gewesen, hätte er es dran gelassen.

Garching: Dudenhöffer hatte schon glücklichere Auftritte

Natürlich darf Satire Grenzen ausloten. Auch bei den heiklen Stellen lachten eine Reihe von Zuschauern. Heinz Becker ist ja schließlich ein konservativer Spießbürger, in dessen Rolle manch rechte Stammtisch-Ansichten passen. Doch Dudenhöffer verbreitete an einigen Stellen Rassismus und Menschenverachtung, was auch dann nicht in Ordnung ist, wenn es als Kabarett verpackt ist.

Die oft zynischen Tabubrüche waren weder komisch noch hintersinnig, sondern stellenweise widerlich. All das, was Dudenhöfer in der TV-Serie so oft herrlich gelang, nämlich die Familie Becker in ihrer Biedermaier-Welt mit spießigen Weltansichten und lustigen Erlebnissen als Klischee-Nachbarn von nebenan zu parodieren, gelang ihm in Garching in manchen Teilen überhaupt nicht. Man fragt sich, was Becker nun für eine Figur sein soll – ein AfD-Sympathisant und Wutbürger, der das Gedankengut der ganz Rechten verbreitet?

Dudenhöffer wird heuer 70 Jahre alt. Er kann auf ein geniales Lebenswerk zurückblicken. Vielleicht wäre es jetzt Zeit für die Rente.

Erst vor Kurzem hatte die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer mit einer Rede auf einer Karnevalsveranstaltung für Aufsehen gesorgt, als sie eine Bemerkung über Transgender machte. Daraufhin forderten viele Menschen eine öffentliche Entschuldigung der Politikerin.

Auslöser war unter anderem eine Diskussion darüber, ob es künftig auch Toiletten fürs dritte Geschlecht geben solle. Diese Frage wurde beispielsweise auch im Landkreis München mehrfach diskutiert,wo das neue Konzept an einigen Grundschulen eingeführt werden soll.

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