Schatten einer Radlerin
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Die Radlerin stürzte (Symboldbild)

Aus dem Gericht

Nach Radunfall mit einem Hund: 77-Jährige bekommt Entschädigung

  • Angela Walser
    VonAngela Walser
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Ein Labrador ist einer 77-Jährigen ins Rad gelaufen, so dass die Frau stürzte. Vor Gericht kam es nun zu einem Vergleich.

Garching/München – Vor vier Jahren stürzte eine Seniorin beim Radeln auf dem Isarradweg. Ein Labrador war der heute 77-Jährigen urplötzlich ins Rad geschossen. „Ich bin mit dem Radl komplett auf den Hund gestürzt“, erinnerte sich die Frau am Rande eines Prozesses vor dem Landgericht München I. Dort hatte sie mit ihrem Ismaninger Anwalt Wolfgang Weber die Hundehalterin auf Schmerzensgeld und Schadenersatz verklagt.

Während der Hund sich flink aus seiner misslichen Lage befreien konnte, blieb die Seniorin mit einem Handgelenks- und Daumenbruch liegen. Ihr war übel vor Schmerzen. Die Besitzerin erklärte ihr rasch, dass sie hoch versichert sei. Und tatsächlich wurde auch sofort die Haftungsfrage bejaht. Denn der Labrador hätte angeleint werden müssen. Er war allerdings bis zum Moment des Unfalls brav neben Herrchen und Frauchen gelaufen. Das bestätigte auch die äußerst rüstige 77-Jährige. Als sie zwischen Garching und Ismaning eine kleine Anhöhe hinabfuhr, sah sie schon von Weitem die „Gassi-Gruppe“. Der Hund sei bei seinen Leuten gewesen, erklärt die Klägerin, die mit Lebensgefährtem und Sohn ins Gericht gekommen war. Die beiden Männer hätten als Zeugen aussagen sollen.

Richter schlägt Vergleich vor

Doch soweit kam es nicht. Der Richter schlug beiden Seiten einen Vergleich vor –und begann zu rechnen. Die 77-Jährige hatte 5000 Euro Schmerzensgeld gefordert und einen Haushaltsführungsschaden von rund 1500 Euro aufgestellt. Außerdem verlangte sie die Übernahme aller Folgekosten durch die Handverletzung. Wegen des Bruchs, der nicht operativ behandelt werden musste, trägt sie immer noch eine Schiene.

Die Versicherung der Hundebesitzer bezahlte bereits 4000 Euro Schmerzensgeld und übernahm von den Haushaltskosten 1000 Euro. Der Richter schlug vor, den Anspruch auf Folgeschäden zu „verkaufen“. Das ist rechtlich legitim. Dafür schlug er 1500 bis 2000 Euro vor. Die Versicherung genehmigte aber nur 1500, der Anwalt der Klägerin verlangte 2000. Nun muss geprüft werden, ob der Gesamtbetrag von 3500 Euro doch übernommen wird. Die Widerrufsfrist läuft bis 3. August.

Die 77-Jährige kann mittlerweile wieder Rad fahren, aber viele andere Dinge gehen nicht. Zum Beispiel das Karteln. Statt abends vor dem Fernseher zu sitzen, spielt die Familie nämlich gerne Rommé.

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