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Zwischenfall trotz Stillstand: Obwohl der Forschungsreaktor in Garching derzeit aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht in Betrieb ist, ist dort radioaktives C-14 ausgetreten.

Nach Reaktor-Panne: Grüne sprechen von „Schlamperei und Pfusch“

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Nach dem Austritt von radioaktivem C-14 am Forschungsreaktor FRM II in Garching wird Kritik an den Verantwortlichen laut.  Politiker und Umweltschützer fordern Konsequenzen.

Garching – „Wir werden den Zwischenfall im Bayerischen Landtag genau aufarbeiten und eine lückenlose Aufklärung verlangen“, kündigte die grüne Landtagsabgeordnete Claudia Köhler aus Unterhaching an. Ihr Fraktionskollege im Landtag, Markus Büchler aus Oberschleißheim fordert, den Reaktor, der derzeit außer Betrieb ist, nicht wieder hochzufahren: „Zum Schutz unserer Bevölkerung und der Umwelt.“

Wenige Stunden zuvor hatte die Technische Universität München (TUM), die den Forschungsreaktor betreibt, auf ihrer Homepage über den meldepflichtigen Zwischenfall berichtet. Demnach sei am Donnerstag am FRM II „eine geringfügige Überschreitung des in der Betriebsgenehmigung festgelegten Wertes für die Ableitung des Nuklids C-14 über den Kamin in die Atmosphäre festgestellt“ worden. Der Jahresgrenzwert des radioaktiven Nuklids sei dabei überschritten worden, heißt es in der Pressemitteilung weiter. FRM-II-Sprecherin Anke Görg konkretisierte später das Ausmaß der Überschreitung: Der Jahresgrenzwert sei um rund 15 Prozent überschritten worden. Für Menschen und Umwelt habe zu keiner Zeit Gefahr bestanden. Als Ursache für den Zwischenfall gab die TUM einen „individuellen Fehler“ bei der Montage einer Trocknungseinrichtung, die im Rahmen der Wasserreinigung benötigt wird, an.

Landtagsabgeordnete fühlt sich getäuscht

Dass innerhalb weniger Tage mehr als die maximal zulässige Menge an radioaktivem C-14 freigesetzt wurde, sei „absolut inakzeptabel“, findet Köhler. Erst vergangenen Sommer hätten die Betreiber im wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren zur Einleitung von Radioaktivität betont, wie sicher die Anlage sei und wie weit zulässige Werte unterschritten würden. „Ich war selbst beim Erörterungstermin und fühle mich getäuscht!“, so Köhler. Büchler sieht sich in seinem Zweifel an der Zuverlässigkeit der TUM als Betreiberin des Atomreaktors bestätigt. „Der Zwischenfall wird auf einen Montagefehler zurückgeführt. Ich interpretiere das als Pfusch und Schlamperei“, sagt er und kritisiert die Staatsregierung dafür, dass sie der TUM entgegen der Genehmigungsauflagen erlaubt, mit waffenfähigem, hochangereicherten Uran zu hantieren.

Auch der Haarer CSU-Stimmkreisabgeordnete Ernst Weidenbusch ist alles andere als begeistert vom Vorfall am Reaktor: „Grenzwerte gibt es ja nicht umsonst“, betont er. Jetzt gelte es, den Zwischenfall bis ins kleinste Detail aufzuklären und dann Maßnahmen zu ergreifen, „damit so etwas nie wieder vorkommt“.

Bürgermeister sieht keinen Grund zur Beunruhigung

Garchings Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) sieht allerdings keinen Grund zur Besorgnis: „“Ich fühle mich nicht beunruhigt, zumal der Jahresgrenzwert nur geringfügig überschritten“, sagt er. Der Vorfall sei zwar sehr ärgerlich, da er „auf einen offenbar individuellen Fehler bei der Trocknungseinrichtung zurück geht“. Den Stab über den Betreiber des Kernreaktors, will der Rathauschef aber nicht brechen. Immerhin spreche es für die vertrauensvolle Zusammenarbeit, dass der zuständige Sicherheitsbeauftragte ihn angerufen habe, noch bevor die Öffentlichkeit von der Störung erfahren habe.

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