1958 bei der Übergabe des Reaktors an das Laboratorium für Physik: Maier Leibnitz (2.v.l) mit (v.l.) dem bayerischen Ministerpräsidenten Hanns Seidel, dem Rektor der TH, Ernst Schmidt und Bundes-Atom-Minister Siegfried Balke.
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1958 bei der Übergabe des Reaktors an das Laboratorium für Physik: Maier Leibnitz (2.v.l) mit (v.l.) dem bayerischen Ministerpräsidenten Hanns Seidel, dem Rektor der TH, Ernst Schmidt und Bundes-Atom-Minister Siegfried Balke.

Ein Leben für die Wissenschaft 

Neutronenforscher Heinz Maier-Leibnitz wäre am Sonntag 110 Jahre alt geworden

Heinz Maier-Leibnitz prägt die moderne Neutronenforschung wie kein anderer. Mit der Planung und dem Bau des „Atom-Ei“ (FRM) in Garching brachte er die moderne Neutronenforschung nach Deutschland.

Garching - Als „Vater des Atom-Ei“ in Garching und Begründer des internationalen Forschungsinstituts Laue-Langevin (ILL) in Grenoble prägte Heinz Maier-Leibnitz die moderne Neutronenforschung wie kein anderer. Am 28. März 1911 wurde er in Esslingen am Neckar geboren. Schon als Junge faszinierten ihn Naturwissenschaft und Mathematik, was ihn zum Studium der Physik an die Technische Hochschule Stuttgart und die Universität Göttingen führte. Heinz Maier-Leibnitz promovierte 1935 bei Nobelpreisträger James Franck. Nach seiner Berufung 1952 an die damalige Technische Hochschule München übernahm er das Laboratorium für technische Physik und entwickelte es zur Keimzelle der nuklearen Festkörperphysik. Mit der Planung und dem Bau des „Atom-Ei“ (FRM) in Garching brachte er die moderne Neutronenforschung nach Deutschland

Eigenständiges Denken wird verlangt

„Mit dem Forschungsreaktor in Garching und dem Institut, das wir dazu bekamen, begann für uns ein neues Leben, denn jetzt waren wir in der Lage, kernphysikalische Experimente zu verwirklichen, die nur an wenigen Forschungsinstituten der Welt durchgeführt werden konnten“, schilderte Maier-Leibnitz die erfolgreiche Inbetriebnahme des FRM, am 30. Oktober 1957. Die Suche nach immer neuen, innovativen Methoden trieb Heinz Maier-Leibnitz als Wissenschaftler an. „Forschung ist das, was mir am meisten Spaß macht, und ein Forscher ist jemand, der etwas kann und tut, was nirgendwo auf der Welt jemand besser kann als er“, erklärte er sein Verständnis von Wissenschaft. Diese Einstellung gab er auch an seine Studenten weiter, von denen er stets freies, eigenständiges Denken und Expertise einforderte.
Forschergeist und Einfallsreichtum kennzeichneten nicht nur das berufliche Leben des mehrfach ausgezeichneten Physikers. Mit großem Spaß experimentierte der passionierte Hobbykoch mit Mikrowellenküche und schrieb dazu ein Kochbuch mit unzähligen „ausgefuchsten“ Rezepten.

Viele Forscher für die Hochschule gewonnen

Heinz Maier-Leibnitz engagierte sich wissenschaftspolitisch und trieb die Einführung des Departmentsystems an der Technischen Hochschule München voran. Er gewann damit viele talentierte Forscher für die Hochschule, darunter seinen Schüler und Physik-Nobelpreisträger Rudolf Mößbauer. Die Krönung seiner wissenschaftlichen Laufbahn war der Aufbau des internationalen Neutronenforschungszentrums „Institut Max von Laue-Paul Langevin“ (ILL) in Grenoble. Von 1967 bis 1972 setze er dort alle Ideen und Methoden um, die er zuvor in München entwickelt hatte. „Man kann heute nicht mehr sagen, was er dort alles erfunden hat, so viel ist es gewesen“, beschrieb Tasso Springer, ein Schüler Heinz Maier-Leibnitz´, dessen Verdienste am ILL.

In Erinnerung bleibt Maier-Leibnitz auch als politischer Mensch, dem die öffentliche Diskussion kontroverser Themen am Herzen lag. Bis heute haben seine Ausführungen nichts an Aktualität eingebüßt. Er sah Forscher stets in der Verantwortung, der Politik beratend zur Seite zu stehen. Entscheidend sei dabei die verständliche Darstellung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Maier-Leibnitz war überzeugt: „Die Probleme der modernen Welt verlangen zu ihrer Bewältigung mehr Forschung und mehr Technologie, nicht weniger.“ Teresa Kiechle

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