Astrophysiker Reinhard Genzel steht mit einem Glas Champagner in seinem Büro.
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Astrophysiker Reinhard Genzel. Der Max-Planck-Direktor am Forschungscampus Garching erhält den Nobelpreis für Physik 2020.

Astrophysiker Reinhard Genzel ausgezeichnet

Nobelpreis geht an Garchinger Forscher: Mitarbeiter berichtet von besonderem Moment - und zieht Beckenbauer-Vergleich

  • Charlotte Borst
    VonCharlotte Borst
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Eine wahre Sternstunde erlebte am Dienstag der Astrophysiker Reinhard Genzel. Der Max-Planck-Direktor erhält den Nobelpreis für Physik 2020.

  • Der Nobelpreis für Physik geht an den Garchinger Astrophysiker Reinhard Genzel.
  • „Jetzt versuchen wir, Champagner heranzukriegen“, so ein Mitarbeiter im Freudentaumel.
  • Ein Mitarbeiter berichtet nun von einem besonderen Moment.

Garching – Das Nobelpreis-Komitee zeichnet den Wissenschaftler Reinhard Genzel für den Nachweis des schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße aus. Im Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik löste die Nachricht Jubel aus. „Jetzt versuchen wir, Champagner ranzukriegen“, sagte gestern ein Mitarbeiter im Freudentaumel.

Nobelpreis für Garchinger Astrophysiker: „Uns hat es die Sprache verschlagen“

Physiker Ekkehard Wieprecht, der in der Gruppe von Reinhard Genzel arbeitet, berichtet von dem Vormittag, der wie viele andere im Besprechungsraum im Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik begann. „Wir saßen zu dritt im Besprechungsraum, als Reinhard aus seinem Büro nebenan reinkam. Er war ganz bleich“, erzählt der 58-Jährige. „Er sagte: ,Hört zu, ich habe gerade einen Anruf aus Stockholm bekommen. Wir sind für den Nobelpreis vorgeschlagen.‘ Uns hat es die Sprache verschlagen. Wir haben es erst gar nicht glauben können.“

Die Pressekonferenz des Komitees war auf 11.55 Uhr angesetzt. Ekkehard Wieprecht und seine Kollegen trommelten das 20-köpfige Team zu einer Live-Konferenz zusammen, bauten eine Leinwand auf und verfolgten auf online über den Video-Kanal „Youtube“ die Bekanntgabe der Preisträger. „Erst als der Name Reinhard Genzel fiel, konnten wir es wirklich glauben. Es brach ein riesiger Jubel im Raum aus“, erzählt Wieprecht, „ein unvorstellbarer Moment!“

Physiker Ekkehard Wieprecht, der in der Gruppe von Reinhard Genzel arbeitet, erlebte den Moment der Bekanntmachung live mit.

Garchinger Forscher bekommt Nobelpreis: Bahnbrechende Ergebnisse in der galaktischen und extragalaktischen Astrophysik

Dass der Nobelpreis in die Astrophysik geht, sei eine „Riesenüberraschung“, sagt er, „damit haben wir nicht gerechnet.“ Reinhard Genzel habe den Moment eher im Stillen genossen. „Er hat mich in diesem Moment an Franz Beckenbauer erinnert, als er 1990 Fußballweltmeister wurde und ganz allein über den Rasen lief.“ Reinhard Genzel und seine Gruppe haben in den vergangenen Jahren mehrere bahnbrechende Ergebnisse in der galaktischen und extragalaktischen Astrophysik erreicht. Sein Chef sei ein Teamplayer, sagt Wieprecht. „Er ist absolut zielstrebig, aber vergisst dabei die menschliche Seite nicht.“ Er verstehe es, sein Team mitzunehmen, seine Ziele zu erklären und gut zu kommunizieren, „denn was geleistet wurde, ist unvorstellbar viel Arbeit gewesen und auch eine sehr große Motivationsarbeit von Reinhard Genzel.“

Nobelpreis geht nach Garching: Bürgermeister: „Anerkennung für den Forschungscampus“

Stolz ist auch Garchings Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD). Die Auszeichnung rücke „unsere junge Universitätsstadt in den Fokus Weltöffentlichkeit“. Denn stellvertretend sei es auch eine Anerkennung für den Forschungsstandort Garching. „Weil wir hier eine sehr gute Infrastruktur geschaffen haben.“ Das habe die Wissenschaft auch der Stadt Garching zu verdanken. „Wir haben damals die Initiative ergriffen und die U-Bahn hierher bekommen.“ Die Stadt Garching habe zumindest den ersten Streckenabschnitt ganz alleine finanziert - bis Hochbrück. „Beim letzten Streckenabschnitt waren wir zwar nur mit zehn Prozent beteiligt, aber wir haben die gesamte Bauleitung übernommen. Die Stadt München sagte damals, das schaffen sie nicht. Wir sind also in Vorlage gegangen. Und das war bestimmt die Voraussetzung, dass hier heute so eine exzellente Forschung stattfinden kann.“

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