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Andrea Sauer mit ihrem Rettungshund Dana. 

Rettungshundestaffel Hochbrück

Lebensretter mit besonderer Spürnase

Drei Teams der Rettungshundestaffel Oberbayern haben in Hochbrück eine der schwersten Prüfungen für Rettungshunde bestanden und sind damit für den Einsatz im Ausland qualifiziert. Andrea Sauer, seit 2002 mit ihrem Mann Christian im Team, erzählt über die Arbeit in der Rettungshundestaffel, die seit 2014 in die Freiwillige Feuerwehr Hochbrück eingegliedert ist.

-Frau Sauer, welchen Aufgaben muss sich ein Team bei der Prüfung stellen?

Innerhalb von 24 Stunden muss das Team auf zwei Flächen mit jeweils 60 000 Quadratmetern eine drei Kilometer lange Wegesuche absolvieren. Zum Auffinden der versteckten Personen hat man jeweils eine Stunde Zeit. Die Anzahl der versteckten Personen ist vorher nicht bekannt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Prüfung unter Real-Bedingungen abläuft, das heißt Alarmierung unmittelbar vor Prüfungsbeginn und Selbstversorgung für das ganze Team.

-Wie sehen diese realen Einsatzbedingungen der Rettungshundestaffel Oberbayern denn aus?

Die Einsätze finden meistens nachts zwischen 22 und 4 Uhr statt. Unser Kommandant wird von der Polizei oder Feuerwehr angefordert und informiert uns. Innerhalb von zehn Minuten müssen wir dann bereit sein und uns auf den Weg machen. Das komplette Equipment, Einsatzfahrzeug, -gepäck, Ortungstechnik, GPS-Geräte, Aggregat für die Stromversorgung, das alles bringt die Feuerwehr zum Einsatzort. Dadurch ist eine professionelle Einsatzplanung und -umsetzung gewährleistet.

-Aus wie vielen Personen bestehen die Einsatzteams der Rettungshundestaffel?

Ein Team ist immer zu dritt unterwegs. Ein Hundeführer, der Rettungshund und ein Truppmann/Suchgruppenhelfer. Letzterer ist für die Kommunikation mit der Einsatzleitung und für die Orientierung zuständig.

-Für welche Einsätze wird die Staffel hauptsächlich angefordert?

Wir werden fast ausschließlich für die Personensuche angefordert. In der Regel haben wir 20 bis 30 Einsätze im Jahr. 2017 hatten wir bis Ende Juli bereits 13 Einsätze, darunter drei vermisste Personen, die lebend gefunden werden konnten.

-Ist es denn eine Seltenheit, dass Vermisste lebend gefunden werden?

Das lässt sich so nicht sagen. Oft tauchen die gesuchten Personen auch an einem anderen Ort wieder auf. Aber leider gehören auch Leichen zu unserem Alltag. Deshalb sind Lebendfunde für uns ein besonderes Glücksgefühl. Dabei ist völlig egal, welcher Hund oder welche Staffel die vermisste Person findet.

-Was war für Sie bislang der größte oder bewegendste Einsatz?

Ich war 2006 beim Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall. Diesen Einsatz kann man kaum beschreiben. Es war der schwerste und emotional belastendste Einsatz, den wir je hatten. Als wir zu unserem Suchgebiet in die Eishalle geführt wurden und wir uns dann bereit machen sollten, saßen wir zwischen Kinderschuhen. Das war sehr ergreifend. Es gibt zwei einschneidende Erlebnisse aus diesem Einsatz, die ich nie vergessen werde: Eine unter Schock stehende, hilflos weinende Mutter und eine kleine leblose Kinderhand, die aus der Trage heraushing.

-Wie viele Mitglieder hat die Hunderettungsstaffel Oberbayern?

Aktuell sind wir 17 Teams, bestehend aus Hundeführer und Hund. Sieben davon befinden sich in Ausbildung.

-Welche Ausbildung muss man absolvieren, um Rettungshundeführer werden zu können?

Zunächst benötigt man eine Grundausbildung zum Truppmann, diese dauert zwei Jahre. Parallel dazu läuft die Ausbildung des Hundes und des Hundeführers. Dabei wird der Hundeführer in Karte-Kompass, Erste Hilfe am Mensch, Erste Hilfe am Hund, Kynologie (Lehre von Rassen, Zucht, Pflege, Verhalten, Erziehung und Krankheiten der Haushunde, Anm. d. Red.), Such-Taktik, Gefahren im Einsatz und weiteren Themen ausgebildet. Nach einer Ausbildungszeit von etwa zwei Jahren kann sich das Team einer ersten Prüfung stellen. Nach bestandener Prüfung geht das Team aber noch nicht in den Einsatz. Erst, wenn die Zugführer ihr Okay geben. Erst nach bestandener Einsatzüberprüfung steht dem realen Einsatz dann nichts mehr im Wege.

-Welche Anforderungen muss denn ein Hund für eine Ausbildung als Retter bestehen?

Der Hund sollte etwa mittelgroß und vor allem körperlich fit sein. Unsere Hunde werden sowohl im Gehorsam als auch im Ungehorsam ausgebildet. Klingt paradox, lässt sich aber leicht erklären. Wir möchten, dass der Hund, wenn wir ihn rufen, sofort zu uns zurückkommt. Wir möchten aber genauso, dass er nicht zu uns zurückkommt, wenn er menschliche Witterung aufgenommen hat, sondern in diesem Fall Ungehorsam zeigt und uns die vermisste Person sicher anzeigt. Da die Einsätze häufig im Wald stattfinden, darf er keinesfalls wildern.

-Wie groß ist der zeitliche Aufwand?

Wir trainieren zweimal in der Woche für etwa sechs Stunden, dazu kommen Fortbildungen und private Schulungen. Aufs Jahr gerechnet muss man mit wöchentlich 15 Stunden rechnen. Dazu kommen noch Auffrischungskurse und weitere Prüfungen.

-Und wie schaut es finanziell aus?

Wir arbeiten alle ehrenamtlich. Das fängt bei der Anschaffung der Ausrüstung an und hört bei Tierarztrechnungen oder Versicherung auf. Mein Mann und ich haben mittlerweile den dritten Hund in der Staffel, die genauen Ausgaben können wir aber nicht bestimmen. Für uns sind das mittlerweile laufende Kosten.

-Wird Ihre Arbeit entsprechend gewürdigt?

Wir werden oft mit der Rettungshundesportgruppe verwechselt. Im Gegensatz zu ihnen bekommen wir aber keine Pokale. Darum geht es uns auch nicht. Wir wollen helfen und Leben retten. Gelingt uns das, sind wir vollkommen zufrieden.

Das Gespräch führte Sebastian Schuch.

Mehr Informationen

über die Rettungshundestaffel Oberbayern gibt es unter www.rettungshunde-muenchen.de.

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