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Die „Science City“ Garching entsteht hier zwischen Freisinger Landstra ße und Fraunhofer-Campus (rechts). Dort plant auch SAP seinen Standort.

SAP baut groß in Garching: Maue Vorstellung

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600 Arbeitsplätze plant der Software-Riese SAP in Garching. Doch nicht alle sind glücklich darüber, wie die erste Präsentation der Pläne im Stadtrat lief.

Garching – Es war wohl der Respekt vor dem großen Namen SAP und dem potenten Steuerzahler, der ab 2023 an der Freisinger Landstraße in enger Kooperation mit der TU München Unternehmens-Software entwickeln will. So lehnten nach einer wenig aussagekräftigen Präsentation nur fünf Stadträte den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan ab.

Stefan Wagner aus der SAP-Zentrale in Walldorf stellte kurz den Weltmarktführer für betriebswirtschaftliche Software vor, ehe er auf das Projekt in Garching einging. Auf dem Uni-Campus will das Unternehmen in der sogenannten „Science City“ in einem gemeinsamen Gebäude und in enger Kooperation mit der TUM im 21. deutschen Entwicklungslabor – sowie dem drittgrößten deutschen Standort nach Walldorf und Berlin – Software erarbeiten und erproben. „Wir haben bereits drei Niederlassungen in und um München, eine davon in Hallbergmoos, zudem ist die Masse der deutschen DAX-Unternehmen, die unsere Kunden sind, in München, ebenso die meisten Start-Ups. Daher ist es wichtig, dass wir hier ein Entwicklungslabor einrichten, so eng dran an der TU“, begründete Wagner den Standort – wobei er allerdings anstelle von Garching fortwährend von München sprach.

Garchings Bürgermeister übers Sparen: Nicht alle Wünsche sind erfüllbar

SAP in Garching: Gebäude wird größer als von der Stadt vorgesehen

600 SAP-Arbeitsplätze sowie 130 für Professoren, Studenten und Bedienstete der TU sollen dabei entstehen. Das Gebäude soll hell und offen sein, sieben Stockwerke hoch und damit 30 Meter plus die Technikaufbauten. Damit überschreitet es deutlich die Vorgabe von 25 Metern, die der Stadtrat im Masterplan „Science City“ vorgegeben hat. Ein Modell oder Grafik des Gebäudes zeigte Wagner nicht, dies sei wohl erst in zwei Monaten fertig, für die Autos ist ein Parkhaus samt Radständern und E-Ladestationen geplant. „Um Talente anzulocken und zu halten sind für uns die Themen Mobilität, Sport und Freizeit ganz wichtig, von daher würden wir den Radschnellweg ebenso wie große Sportmöglichkeiten sehr begrüßen“, sagte Wagner.

Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) betonte die Wichtigkeit des Vorhabens für SAP, „daher wollen wir und die so rasch wie möglich loslegen.“ Joachim Krause (SPD) und Jürgen Ascherl (CSU) unterstrichen die große Bereicherung, die SAP für Garching und die TU bedeute und dass man die Ansiedelung begrüße. „Toll wäre es natürlich, wenn das Unternehmen nicht nur Studenten beschäftigt, sondern auch Wohnraum für sie schafft. Ebenso könnte man über das Thema Werkswohnungen für einen Teil der 600 Mitarbeiter nachdenken“, regte Ascherl an. Wagner sagte, dass man diese Thematik bislang nicht auf der Agenda habe, versprach aber immerhin: „Ich nehme das als Anregung mit in die Planung.“

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Weit weniger angetan waren Hans-Peter Adolf (Grüne) und Alfons Kraft (BfG) von Wagners Auftritt. „Nicht nur dass wir hier unzählige Folien mit Anglizismen präsentiert bekamen, das Wort Garching fiel gar nicht und wie das Gebäude aussehen soll wurde uns nicht gezeigt. Wir wissen nur, dass es zu hoch ist – und da sollen wir jetzt einem Aufstellungsbeschluss zustimmen?“, fragte Adolf. Krafts Kritik ging in die gleiche Richtung. „Außerdem ist das eine Privatfirma, die hat doch auf dem Uni-Campus nichts verloren.“

Annette Knott vom Bauamt erläuterte, dass es schon bei der Ansiedelung von General Electrics und Galileo ähnliche rechtliche Konstrukte mit einem städtebaulichen Vertrage gegeben habe, damit sich Privatunternehmen auf dem Campus niederlassen können. Gruchmann bat den Stadtrat trotz der Präsentation um Zustimmung zum Aufstellungsbeschluss. „Das ist heute ja nur eine Absichtserklärung und gleichzeitig ein Vertrauensbeweis von uns an SAP.“ Gegen fünf Stimmen votierte der Stadtrat in diesem Sinne.

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