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Viermonatiges Intermezzo: Patrizia Kempel ist als Grünen-Stadträtin vereidigt worden. Tags drauf trat sie aus der Partei aus. Sie sitzt nun als „parteilos“ im Stadtrat.

„Ich wurde von den eigenen Parteimitgliedern...“

Grünen-Stadträtin vereidigt, am nächsten Tag verlässt sie Fraktion - Das steckt dahinter

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Am Donnerstag ist Patrizia Kempel als Nachrückerin für die Grünen als Stadträtin in Garching vereidigt worden. Am Freitag hat sie die Partei verlassen. Die Hintergründe.

Garching – Es brodelt bei den Garchinger Grünen. Patrizia Kempel (29) ist am Donnerstag als Nachrückerin für die im Oktober verstorbene Stadträtin Ingrid Wundrack für das Bündnis 90/Die Grünen vereidigt worden. Einen Tag später tritt sie aus Partei und Fraktion aus. Ein Vorfall, der Gräben im Ortsverband offenlegt, die versucht wurden, öffentlich zu kaschieren.

Patrizia Kempel ist nach eigenen Angaben Grüne aus Überzeugung. Als Mutter beschäftige sie die Umwelt und familienpolitische Themen. „Ich bin viel mit Eltern im Gespräch, man kennt mich in Garching.“ Vor ihr liegen nun jedoch nur vier Monate Stadtratsarbeit, „auf die ich mich sehr freue“. Gerne hätte sie daher auch für die nächste Legislaturperiode kandidiert. „Ich bin und war motiviert.“ Auf der Stadtratsliste der Grünen für die Kommunalwahl 2020 sucht man ihren Namen allerdings vergeblich.

„Es scheint eine Abneigung gegen mich zu geben“

„Ich wurde von den eigenen Parteimitgliedern nicht nominiert“, erzählt sie. Warum sich für sie bei der Listenaufstellung keine Befürworter mehr fanden, wisse sie nicht. Bisher sei darüber nicht offen mit ihr gesprochen worden. „Es scheint eine Abneigung gegen mich zu geben“, vermutet Kempel. Vielleicht liege der Grund auch ganz anders.

Ihr Ehemann Thomas Kempel kündigte vor wenigen Wochen per Pressemitteilung an, dass er als Bürgermeisterkandidat der Grünen antreten wolle – gegen den langjährigen Grünen-Stadtrat Dr. Hans-Peter Adolf. Offiziell öffentlich vorgestellt wurden die beiden Kandidaten im Vorlauf der Aufstellungsversammlung nie, „da die Wahlen“, so der Ortsvorsitzende Rolf Schlesinger, „nicht durch Pressemitteilungen beeinflusst“ werden sollten, wie er auf Anfrage via E-Mail mitteilt: „Deshalb gibt es keine Interviews.“ Es gehe „um eine soziale und ökologische Ausrichtung der Stadtpolitik, die nicht von Personen abhängig ist“.

Auch die Aufstellungsversammlung Mitte November war nicht-öffentlich (ausführlicher Bericht folgt). An ihrem Ende wurde Adolf als Bürgermeisterkandidat bekannt gegeben. Von Kempel kein Wort. Ob intern über ihn als Kandidaten diskutiert oder sogar abgestimmt wurde, darüber ist nichts bekannt.

Kandidatenliste der Grünen: Zwei Namen fehlen

Doch damit nicht genug: Die Aufstellungsversammlung brachte eine Kandidaten-Liste hervor, auf der sowohl Patrizia als auch Thomas Kempel nicht auftauchen. „Unabhängig davon, wieso man uns Kempels anscheinend nicht mag, haben persönliche Dinge in der Politik überhaupt nichts zu suchen“, sagt Patrizia Kempel. Jahrelanges Engagement und ein hoher Bekanntheitsgrad und damit potenzielle Wählerstimmen seien für die Grünen anscheinend kein Grund, um einen Listenplatz zu bekommen. Kempels Vorwurf: „Wir sollten ganz klar aufs Abstellgleis gesetzt werden.“ Lückenlose Transparenz gelte bei den Garchinger Grünen anscheinend nur, solange es sich nicht um sie selbst handele.

Kempel konzentriert sich nun auf die kommunalpolitische Arbeit. Für sie steht fest: „Bis zum März werde ich im Stadtrat bleiben. Ich habe mich vereidigen lassen, da es von den Bürgern so gewollt ist, die mir vor sechs Jahren ihre Stimme gegeben haben.“ Und wie geht’s weiter? Sie werde sich einer anderen Partei anschließen, bei der Kommunalwahl aber auf keiner Liste kandidieren.

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