Auf Mut-Tour: (v.l.) Peter Kraus, Kerstin Schopf, Franziska Radczun, Bernhard Riederer, Lucia Koch und Werner Thron. mic
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Auf Mut-Tour: (v.l.) Peter Kraus, Kerstin Schopf, Franziska Radczun, Bernhard Riederer, Lucia Koch und Werner Thron.

Depression ist behandelbar, keine Charakterschwäche

Radeln mit Selbsthilfe im Gepäck: Tandem-Gruppe will über Depressionen informieren

  • Laura May
    VonLaura May
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Vorurteile gegenüber Depressionen will diese Tandem-Gruppe mit ihrer Mut-Tour abbauen. Sie machten dabei auch halt in Garching.

Garching – Wer unter Depressionen leidet, tut sich in unserer Gesellschaft oft schwer. Gerade Männer sprechen aus Angst vor Stigmatisierung oft nicht über ihre Erkrankung. „Viele sehen ein sich Kaputtarbeiten ja als Stärke“, beobachtet Peter Kraus, der selbst von Depression betroffen ist. Der 55-jährige Freiburger ist Teil einer Tandem-Gruppe der sogenannten Mut-Tour, die in sechs Tagen von Regenburg bis Ulm unterwegs ist – und gerade einen Stopp in Garching einlegt. Die Aktion der Deutschen Depressionsliga soll auf die Krankheit aufmerksam machen und darüber aufklären, dass sie durchaus behandelbar ist.

Immer noch halten sich viele Vorurteile in der Gesellschaft. „Wir wollen ermutigen, sich Hilfe zu suchen – viele sehen Depressionen als Charakterschwäche“, sagt Kraus. Seine Tandempartnerin ist Kerstin Schopf (27) aus Stuttgart, die ebenfalls an der Krankheit leidet und vor drei Jahren über Soziale Medien von der Mut-Tour erfuhr.

„Am Ende machen wir Öffentlichkeitsarbeit mit Selbsthilfe im Gepäck.“

Insgesamt ist die Gruppe mit drei Tandems unterwegs. Die sechs Personen wurden zufällig zusammengewürfelt und sind eins von insgesamt zehn Teams in ganz Deutschland. „Sieben Tage mit Fremden unterwegs – das ist auch Teil des Abenteuers“, erklärt Franziska Radczun (32) aus Berlin. „Am Ende machen wir Öffentlichkeitsarbeit mit Selbsthilfe im Gepäck.“ Sie selbst wurde im familiären Umfeld schon als Kind mit Depressionen konfrontiert und engagiert sich in Berlin für Kinder, deren Eltern an psychischen Krankheiten leiden. Die Berlinerin teilt ihr Tandem mit Bernhard Rieder (47) aus Landshut, der selbst betroffen ist und im vergangenen Jahr länger in einer Klinik war. „Ich stehe dafür, ohne Hemmungen über Depressionen zu sprechen“, sagt er.

Das dritte Tandem wird von Lucia Koch (59) aus Mainz und Werner Thron (45) aus Augsburg gefahren. Lucia Koch hatte schon lange Depressionen, ohne es zu wissen. „Es war dann schon fast eine Erleichterung, ein Wort dafür zu haben.“ Viele Menschen hätten die Krankheit und würden nie einen richtigen Grund für ihr Leiden finden. Wenn man die Diagnose hat, „lernt man, damit zu leben und sich zu helfen – auch wenn man die Krankheit nicht weghexen kann“, sagt Koch.

Die Mut-Tour ist neben Aufklärung und Öffentlichkeitswirksamkeit auch Balsam für die Seele der Teilnehmenden. Menschen mit Depression leiden oft an Antriebslosigkeit und mangelndem Selbstbewusstsein. Durch das Radeln im Team, das Zelten und die Selbstversorgung auf dem Weg schöpfen alle Kraft. „Die Erfahrung der Selbstwirksamkeit“, so empfindet es Werner Thron, „bei der Tour hilft gegen das Ohnmächtigkeitsgefühl.“ LAURA MAY

Hilfe bei Depression: Wer betroffen ist, kann sich entweder bei der Deutschen Depressionsliga informieren, depressionsliga.de, Tel. 0800/334 45 33, einen Psychologen aufsuchen oder sich an eine der Anlaufstellen im Landkreis wenden wie den Sozialpsychiatrischen Dienst der Caritas, Im Klosterfeld 14b, Unterschleißheim, (089/3218 32 31)

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