Fünf Polizeiautos Schrott 

Irre Verfolgungsjagd durch Deutschland nimmt Ende in Garching: „Hatte noch Restdrogen intus“

421 Kilometer Flucht quer durch Deutschland: Für eine filmreife Verfolgungsjagd, die nahe Garching (Kreis München) endete, müssen sich zwei junge Männer vor dem Landgericht Landshut verantworten. Sie rammten fünf Polizeiwagen. 

  • Zwei junge Männer lieferten sich mit der Polizei eine Verfolgungsjagd von Halle bis nach Garching.
  • Sie hatten einen blauen Kia Rio gestohlen.
  • Ihnen drohen bis zu zehn Jahren Haft.

Landshut – Selbst der routinierte Richter Ralph Reiter schickte nach Betrachtung der Video-Aufnahmen der Polizei ein Stoßgebet durch den Saal: „An diesem Tag waren alle verfügbaren Schutzengel in Südbayern.“ Am 27. März hatten sich zwei junge Männer aus Sachsen-Anhalt mit einem geklauten Kia Rio eine 421 Kilometer lange Verfolgungsfahrt mit der Polizei* von Halle/Saale bis nach Garching geliefert. Ihre Bilanz: fünf geschrottete Dienstfahrzeuge, aber trotz wilder Überholmanöver auf der A 9 keine Verletzten. Seit Freitag müssen sich Mick M. (21) und Marcel K. (22) wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr vorm Landgericht Landshut verantworten. 

Verfolgte werfen Suppenbüchsen auf Polizeiautos: „Ich hatte fast einen Herzstillstand“

Bei Bayreuth war der 100 PS starke, aber bis auf Tempo 198 hochgejagte blaue Kia Rio von einer Kennzeichen-Erkennungsanlage erfasst worden. Um 11.03 Uhr nahmen drei Bayreuther Polizeifahrzeuge die Verfolgung auf, wollten den als gestohlen gemeldeten Kia an der Raststelle Fränkische Schweiz ausleiten. Doch beim Anhalteversuch rammte Fahrer Marcel K. zweimal einen Streifenwagen.

„Ich hatte noch Restdrogen intus“, sagte K. zum Prozessauftakt aus. „Ich dachte, ich kann mir keine Fahrkontrolle leisten. Auch Mick sagte, mach zu, dass du wegkommst.“ Der Anstoß sei unbeabsichtigt gewesen. Mick M. gab an, der Fahrer habe ihn angewiesen, einen Türgriff, einen Mülleimer-Henkel und eine Suppenbüchse aus dem Auto auf die Verfolger zu werfen. M.: „Während der Fahrt hatte ich fast einen Herzstillstand, denn die Polizei hat uns zuerst gerammt. Ich hatte eine komplette Panikattacke.“

Garching: Bei Verfolgungsjagd fallen Schüsse - 55.000 Euro Schaden

Im Gerichtssaal wurde die Video-Aufzeichnung einer Zivilstreife ab Allersberg vorgeführt. Darauf zu sehen: Im Zickzackkurs jagt der Kia über die A 9 Richtung München, eine Blaulicht-Armada hinter ihm. Immer wieder bremst er andere Fahrzeuge scharf aus. Um 12.19 Uhr erfasst ein Hubschrauber das Fluchtfahrzeug, wie es an der Ausfahrt Garching-Süd die Ausfahrt verlässt und die Verfolger auf wilder Fahrt durch Wohngebiete und Felder zunächst abhängt. Um 12.35 Uhr fallen Schüsse, treffen den Kotflügel des Kia, zwei Minuten später fährt sich der Kleinwagen auf einem Feld bei Dietersheim fest. Mick M. flüchtet schwer bepackt zu Fuß – bis ihn ein hinterherlaufender Beamter überwältigt. Schadens-Bilanz: 55.000 Euro. Das Urteil soll am 6. Dezember gesprochen werden. Es drohen bis zu zehn Jahre Haft.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

Rubriklistenbild: © dpa / Matthias Balk

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