Trend geht zur Verkleinerung: Wegen eines Wasserschadens sind zwei Räume in Garching nicht nutzbar.

Neidvoller Blick zu den Nachbarn

Zu alt, zu klein: Wie geht‘s weiter mit der Volkshochschule?

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Das Gebäude der Volkshochschule in Garching ist merklich in die Jahre gekommen. Außerdem werden die Räumlichkeiten zu klein. Welche Optionen hat die Stadt? Wir haben nachgefragt.

Garching – Das Gebäude der Volkshochschule (VHS) Garching in der Bürgermeister-Wagner-Straße ist in schlechtem Zustand, im Herbst mussten sogar Räume geschlossen werden. Eine Sanierung erscheint unrentabel, ein Neubau ist nicht nur teuer, es stellt sich auch die Frage: Wohin damit?

Zahlreiche Fenster sind nur mühsam zu öffnen, da alt und verzogen, aus Platzmangel ist die Küchenzeile im Eingangsbereich direkt neben drei Kursräumen. In einem dieser Zimmer hält auch Friederike Vogl ihren Französisch-Kurs ab. Seit 30 Jahren unterrichtet sie in der VHS Garching, und ihr Blick richtet sich wehmütig zu den Erwachsenenbildungseinrichtungen nach Unterföhring, Ismaning und Unterschleißheim, die mit Garching in einem Verband arbeiten. „Ismaning verfügt über einen großen Teil der Seidl-Mühle, in Unterschleißheim hat die VHS mit Pegasusstraße und Landshuter Allee zwei Standbeine“, zählt Vogl auf, „in Unterföhring wurde im vergangenen Jahr ein schönes, großes Haus eröffnet.“ Das schmückt sich mit einer eigenen Lehrküche, einem wunderschönen Atelier und diversen Werkstatträume für textiles Werken, Schmuckdesign, Keramik und sonstige kreative Gestaltungsideen. Nur in Garching, der kleinsten und ältesten VHS des Verbandes, „ist nichts passiert“, beklagt Vogl. Es könne doch nicht sein, dass die Stadt der Fortbildung der Bevölkerung keine oder nur die letzte Priorität einräume und die soziale und gemeinschaftsbildende Komponente nicht sehen. „Das steht einer Universitätsstadt nicht gut an“, moniert Vogl.

Trend geht hin zur Verkleinerung

Im Herbst vergangenen Jahres musste wegen eines Wasserschadens am Dach und damit einhergehender Statikprobleme der Anbau geschlossen werden. Dadurch fielen zwei Räume weg, gleichzeitig erweitert sich das Programm ständig mit neuen Angeboten, die natürlich mehr Räume bedürfen. Statt Vergrößerung geht es in Garching platzmäßig in die Richtung Verkleinerung, was sich auf das gesamte Kursleben auswirkt.

Lothar Stetz, Leiter der VHS im Norden des Landkreises, sieht ebenfalls, dass der Kursbetrieb in Garching „sehr limitiert ist“. Das über 30 Jahre alte Gebäude sei einfach in die Jahre gekommen, da nun auch Räume weggefallen sind, generell ein Vortragsraum, der mehr als 15 Personen fasst, fehlt, „ist es schwierig hier ein Programm durchzuführen“. Kunst- und Malkurse seien so gut wie gar nicht möglich, Angebote aus dem Bereich Entspannung, Gesundheit und Prävention in Turnhallen auszulagern, sieht er nicht als Lösung: „Eine Halle ist hierfür nicht geeignet.“ Die Besucher müssten ausweichen auf die umliegenden Volkshochschulen wie Unterföhring und Ismaning. „Wir brauchen unbedingt ein neues Gebäude“, sagt Stetz.

Bürgermeister: VHS soll „woanders hin“

Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) ist sich bewusst, dass „wir dringend und langfristig eine Alternative für die Volkshochschule brauchen“. Aber die Frage ist, wie diese Alternative aussehen soll. Die Problematik sei auch im Stadtrat angesprochen worden, bisher „nur“ in nichtöffentlichen Sitzungen. Kurzfristig solle erst einmal der Anbau wiederhergestellt werden, aber langfristig soll laut Gruchmann die „VHS woanders hin“.

Für eine neues Gebäude bleiben drei Optionen: Miete, Kauf oder Neubau. „Und hier sind wir beim Punkt der Finanzierung“, so Gruchmann. Denn die VHS ist keine städtische Pflichtaufgabe, sodass „wir, auch wenn die Maßnahme dringlich ist, diese nicht über eine Kreditaufnahme finanzieren dürfen. Wir müssen das aus dem Haushalt finanzieren und der ist bereits ziemlich belastet.“ Daher bemühe man sich primär um ein Mietmodell.

Hier hakt auch Stetz ein, der die VHS im Stadtzentrum angesiedelt sehen möchte. „Eine Verlagerung in einen Außenbereich halte ich für nicht gut. Eine solche Institution muss zentral erreichbar sein“, schließlich trage sie ja auch zur Belebung der Stadt bei. „Hier sollen die Menschen zusammenkommen.“

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