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Trügerisches Idyll: Hinter dem Zaun der Garchinger Kleingartensiedlung rumort es. 

„Jeden Tag war da Halligalli, dass die Wände wackeln“

Zoff in Kleingartenanlage um laute Partys - es wurde offenbar handgreiflich

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In der Kleingartenanlage  wollen es die einen ruhig, die anderen feiern gerne, oft laut, nicht selten stundenlang. Das führt zu Konflikten am Maschendrahtzaun.

Garching – Im Kleingartenverein Garching rumort es gewaltig. Von der oft zitierten Idylle in der Gartenanlage ist derzeit nicht viel zu spüren. Es herrscht Ärger im Gartler-Paradies. In den Parzellen prallen Kulturen aufeinander. Ein Ausweg? Scheint nicht in Sicht. Der Vereinsvorsitzende Richard Feicht zieht daraus Konsequenzen. Er stellt sich bei der Jahreshauptversammlung am Montag nicht mehr zu Wahl, ein Nachfolger ist nicht in Sicht.

Seit Langem, erzählt Feicht, fehle es an Gemeinschaftssinn. Es gebe keine gemeinsamen Feste mehr, Regeln würden kaum noch beachtet. Zu guter Letzt mangele es an Unterstützung und Rückendeckung von Seiten der Gemeinde. Mit Feicht werfen auch seine Stellvertreterin Angelika Finkenzeller sowie vier weitere Vorstandsmitglieder das Handtuch.

Es fielen wohl Wort wie „ausländerfeindlich“ oder „Nazi“

Die Querelen am Maschendrahtzaun basieren aber auch auf kulturellen Unterschieden. Die Ur-Gartler sehen in ihrer Parzelle ein Kleinod, um Gemüse und andere Pflanzen anzubauen. Die Neu-Gartler, darunter offenbar viele ausländische Familien, sehen in ihrer Parzelle laut Feicht eine Wiese, auf der sie feiern können. Die Art und Weise falle unterschiedlich aus. Ist für die „Einen“ wichtig, die Nachbarn möglichst nicht durch Geruch oder Lautstärke zu belästigen, sehen die „Anderen“ darin einfach Ausdruck ihrer Lebensfreude. Zwischen beiden Parteien sollen auch Wort wie „ausländerfeindlich“ oder „Nazi“ gefallen sein, Feicht berichtet gar von körperlichen Angriffen.

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Pächterin Christine Hashmi wird deutlich: „Ich wurde regelrecht verfolgt, habe richtig Angst und seitdem ein Pfefferspray bei mir.“ Dabei habe sie nur darum gebeten, doch die Musik leiser zu stellen, „jeden Tag war da Halligalli, dass die Wände wackeln“. Mittlerweile setze sie alles daran, dass ihr Mann den Kleingarten aufgibt: „Ein älteres Ehepaar hat dies bereits getan, die haben keine Lust mehr, sich schikanieren zu lassen.“ Finkenzeller tun die älteren vielen Gartler leid, „die sich ja nichts zu sagen trauen. Ich kenne viele, die nicht mehr in ihren Garten gehen.“

Parzellen nur noch an Deutsche? Bürgermeister entschieden dagegen

Der Anteil an Kleingartenbesitzern mit Migrationshintergrund habe zugenommen, Feicht schätzt ihn auf etwa die Hälfte. Das Garchinger Liegenschaftsamt, das die rund 150 Parzellen vergibt, hält sich bei der Vergabe klar an Richtlinien: Datum des Antrags, kein eigener Garten, Garchinger Bürger – und auch die Anzahl der Kinder fließen ein. „Die Warteliste ist lang, aktuell werden Anträge aus dem Jahr 2014 bearbeitet“, berichtet Daniela Piel von der Vergabestelle. Mit steigendem Zuzug von Menschen mit Migrationshintergrund hätten natürlich auch die Anfragen von diesen Mitbürgern zugenommen. Und diese hätten einen andern Nutzungsansatz. Den Vorschlag, Kleingärten nur noch an Deutsche zu verpachten, wie er bereits öfter an ihn herangetragen worden sei, „habe ich bereits vor Jahren abgelehnt“, betont Bürgermeister Dietmar Gruchmann.

Bleibt abzuwarten, ob sich die Unstimmigkeiten auf der Versammlung ausräumen lassen. Eine offene Aussprache zwischen den Kulturen und „den Einen“ und „den Anderen“ täte gut. Auch, um einen neuen Vorstand zu finden.

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