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Kaum größer als ein Wohnzimmer ist der Gebetsraum der Garchinger Ditib-Gemeinde in Hochbrück. Deshalb sind (v.l.) Bülent Aksu, Bünyemin Sarac, Aykan Inan (Ditib-Referent für die Region München), Merve Yavuz und Özlem Kekec schon länger auf der Suche nach einer neuen Heimat.

Garchinger Ortsverband stellt sich gegen Pläne für ehemalige Sparkassen-Filiale in Hochbrück

CSU will Ditib-Moschee nicht

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Garching - Ärger gibt's um die Moschee, die Ditib in Hochbrück einrichten möchte. Der CSU-Ortsverband will das verhindern - weil Ditib der verlängerte Arm Erdogans sei.

„Garching im Dialog“ heißt die Parteizeitschrift des CSU-Ortsverbands, die kostenlos an alle Haushalte in der Universitätsstadt verteilt wird. Die aktuelle Ausgabe sorgt für böses Blut. 

Stein des Anstoßes ist ein Kommentar des stellvertretenden Ortsvorsitzenden Thomas Lemke. In dem Text lehnt er die Pläne der örtlichen Ditib-Gemeinde ab, die das leerstehende Gebäude der Kreissparkasse in Hochbrück kaufen und zum Gebetshaus umfunktionieren will. 

Lemke argumentiert, dass Ditib „ein direktes Macht- und Einflussinstrument“ des türkischen Präsidenten Erdogan sei, den man insbesondere nach dessen Reaktionen auf den Putsch in der Türkei kritisch betrachten müsse. Und eine Sparkasse, die „den Steuerzahlern gehört“ und „eine politische Verantwortung trägt“, dürfe ihre Immobilie nicht „an eine ausländische, nationalistische, politische Einflussorganisation“ verkaufen. 

Bei der Garchinger Ditib-Gemeinde hat dieser Kommentar Entsetzen und Entrüstung hervorgerufen – nicht zuletzt wegen der Vorgeschichte. So hat der Verein zu Jahresbeginn den Stadtrat eingeladen, um sich und seine Arbeit vorzustellen. Im zweiten Anlauf kam im Juli ein Termin in den Ditib-Räumen im Haus der Vereine zustande. Zu dem Treffen erschienen jedoch nur fünf von 25 Stadträten. „Für uns war das sehr enttäuschend“, sagt Mustafa Baspinar von der Ditib-Gemeinde. 

Bei dem Treffen sei auch über die Suche des Vereins nach größeren Räumen gesprochen worden – und über die Idee, die Kreissparkasse zu erwerben. Ein CSU-Stadtrat habe berichtet, dass dort die Summe von 200 000 Euro gefallen sei, die der Verein dafür von der Stadt fordere, erzählt CSU-Ortsvorsitzender Jürgen Ascherl. In der Folge habe sich Thomas Lemke zu jenem Kommentar entschlossen, „der im Vorstand abgestimmt war“, betont Ascherl. 

Dieser Darstellung widerspricht Bünyemin Sarac von der Ditib-Gemeinde. Eine Forderung über 200 000 Euro sei bei dem Treffen nie erhoben worden. „Natürlich haben wir gefragt, was die Stadt für uns tun kann“, sagt er. „Aber von einer konkreten finanziellen Unterstützung war nie die Rede.“ 

Ohnehin bemängelt er, dass mit Thomas Lemke ein CSU-Mann das Thema aufgegriffen habe, der an dem Tag gar nicht anwesend war. „Wir hätten uns gewünscht, dass er das Gespräch mit uns sucht“, sagt Sarac. Mustafa Baspinar ergänzt: „Ich war schockiert und enttäuscht von diesem Text. Wir glauben, dass das Argument mit Ditib nur vorgeschoben ist. In Wahrheit will man ein solches Kulturzentrum hier nicht haben.“

Dem widerspricht Ascherl: „Wir sagen: Moschee ja, Ditib nein. Ditib ist der verlängerte Arm von Erdogan, und der ist nicht unbedingt ein lupenreiner Demokrat.“ 

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