Die Vorgänger im Blick: Anfang des Jahres wurde auf der Deponie Nord-West ein noch größeres Windrad als auf dem Fröttmaninger Berg in Betrieb genommen. In Garching könnte sich eines ab 2024 drehen.
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Die Vorgänger im Blick: Anfang des Jahres wurde auf der Deponie Nord-West ein noch größeres Windrad als auf dem Fröttmaninger Berg in Betrieb genommen. In Garching könnte sich eines ab 2024 drehen.

Vortrag zum Projekt, das sich ab 2024 drehen könnte

Garchinger Windrad soll viel bewirken

  • Sabina Brosch
    vonSabina Brosch
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Die Prognosen für das Garchinger Windrad sind super: Es ist rentabel, könnte sich ab 2024 drehen und hätte schon nach einem Jahr die Kosten eingespielt. Bürgerbeteiligung wäre möglich.

Garching – Das geplante Garchinger Windrad ist wirtschaftlich rentabel und soll etwa acht Prozent des Garchinger Energieverbrauchs aus regenerativer Energie sicherstellen. Ab 2024 kann es sich drehen. Diese beiden Punkte waren für die rund 80 Teilnehmer des virtuellen Doppelvortrags mit Franz Mühle vom TUM Lehrstuhl für Windenergie und Gregor Freiherr von Aretin, Projektentwickler des Betreibers Ostwind GmbH, die wohl wichtigsten. Die beiden Referenten waren der Einladung der Garchinger Agenda 21 gefolgt, die in Kooperation mit der VHS München Nord die Veranstaltung durchführte.

Bisher nur wenig regernative Energie

Aktuell verbraucht die Stadt Garching 150 GWh Strom pro Jahr, rechnet man den Verbrauch des Campus hinzu, verdoppelt sich dieser Wert auf 300 GWh. Weniger als zehn Prozent stammen bislang aus regenerativen Energien, ein Wert, der sich mit dem geplanten Strompark an der Autobahn um 1 GWh und dem geplanten Windrad um 12 GWh aufstocken ließe.

Noch vor zehn Jahren, als das Sondergebiet Windkraft ausgewiesen wurde, stoppte ein Gutachten das Projekt mit dem Ergebnis, dass die Windkraft und -geschwindigkeit nicht für eine Wirtschaftlichkeit ausreichen. Dass es nun doch funktioniert, wie Aretin bekräftigte, ist den Innovationen und technischen Entwicklungen zu verdanken, wie sie am TUM Lehrstuhl für Windenergie geleistet werden. Diese Forschungs- und Entwicklungsarbeit ist sehr komplex, machte Mühle deutlich. Es geht dabei unter anderem um die Leistungskurve der Turbine, das durchschnittliche Windaufkommen an diesem Standort, die spezifische Leistung im Verhältnis zur Rotorfläche. Einfach gesagt in Mühles Worten: „Je geringer die Windgeschwindigkeit, desto größer sollte die Rotorfläche sein.“

Rotordurchmesser von 170 Metern

Das zeigte auch der Vergleich mit dem Fröttmaninger Windrad. Es erzeugt 1,6 MW/pro Jahr mit einem Rotordurchmesser von 66 Metern, „beim Garchinger liegen wir bei einem Rotordurchmesser von 170 Metern bei 12 MW jährlich. Dafür benötigt man einen Rotorradius von 85 Metern, eine mittlere Windgeschwindigkeit in 160 Metern Nabenhöhe von 5,8 Meter pro Sekunde“, so Aretin. Natürlich spiele auch das verwendete Material eine Rolle, „statt noch vor Jahren verbautes, schweres Fiberglas kommt heute eine Hybrid-Technologe aus Karbon und Glasfaser zum Einsatz“, erklärte Mühle.

Auch wenn Aretin keine Summe für die Investitionskosten seines Unternehmens Ostwind bezifferte, geht Mühle davon aus, dass sich das Windrad im üblichen Rahmen bis spätestens nach einem Jahr amortisiert habe. Dass Garching das Windrad zur Erreichung seiner Klimaschutzziele braucht, ist unumstritten. „Wir müssen hier noch sehr viel auch im Ausbau der Netze tun“, betonte Mühle, „vor allem braucht es den politischen Willen für eine sektorübergreifende Technologie.“ Ostwind sieht sich mit 15 Solarparks, 603 Windenergie Anlagen und 120 Windparks als Pionier der erneuerbaren Energien. „Garching hat mit dem Aufstellungsbeschluss den ersten Schritt getan. Das Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz ist jedoch noch ein langwieriger Weg“, sagte Aretin.

Viele Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung

Derzeit werde die Machbarkeit des Windrades mit dem Flughafen München abgesprochen, eine artenschutzrechtliche Bewertung fehlt ebenso. Der Entwicklungsprozess lasse noch sehr viele Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung offen und auch Spielraum für eine Zusammenarbeit mit regionalen Partnern.

Beruhigen konnte Aretin bereits dahingehend, dass ein genügender Abstand zu Dietersheim und Garching gewahrt wurde, „eventuelle Lasten wurden gleich verteilt“, so Aretin. Den Einwand von einer Beeinträchtigung durch Infraschall entkräftete er ebenfalls: Messtechnisch ist dieser bei einem Abstand von 700 Metern nicht mehr nachweisbar, ob die Anlage in Betrieb ist oder nicht. „Hier könnten dann andere Umgebungsgeräusche, wie etwa die Autobahn, verantwortlich sein.“

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