Ließ die Spendierhosen daheim: Bürgermeister Dietmar Gruchman, hier mit einer Broschüre zum Bürgerhaus.
+
Ließ die Spendierhosen daheim: Bürgermeister Dietmar Gruchman, hier mit einer Broschüre zum Bürgerhaus.

Garchings Bürgermeister übers Sparen: Nicht alle Wünsche sind erfüllbar

  • Bert Brosch
    vonBert Brosch
    schließen

Fast 300 Bürger informierte Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) über Details der Kommunikationszone sowie darüber, was die Stadt Garching für ihre Bürger alles leisten muss und kann – und was nicht.

Garching – Für Gruchmann war es wichtig aufzuzeigen, wie so ein Stadt-Haushalt überhaupt aufgebaut ist. „Viele Bürger reden jetzt davon, dass wir erstmals einen Haushalt von 120 Millionen Euro haben, wo der doch in den letzten Jahren immer so bei 95 Millionen lag. Das muss ich mal im Detail erklären“, sagte Gruchmann. Der Verwaltungshaushalt in Höhe von 77 Millionen Euro sei notwendig für den Betrieb der Stadt: Personal, Schulen, Sicherheit und Ordnung, Verkehr, öffentliche Einrichtungen und mehr. „Die Ausgaben stehen am Anfang schon fest, die sind weg, ohne dass wir viel machen können.“

Wenige leere Stühle blieben bei der Bürgerversammlung in Garching übrig. Gut 300 Besucher waren da.

„Bleiben 43 Millionen im Vermögenshaushalt für Investitionen“, führte Gruchmann aus. Von diesem Betrag fließen rund 18 Millionen als außergewöhnliche Ausgaben in das neue Stadtviertel „Kommunikationszone“, die nicht jedes Jahr anfallen. Tatsächlich „übrig“ blieben somit nur 25 Millionen, mit denen die Stadt wirklich arbeiten könne. „Ein großer Teil davon sind Pflichtaufgaben, etwa für Kinder oder Senioren – und unser echter Spielraum, das sind die freiwilligen Leistungen.“ Davon sollen Spielplätze, Volkshochschule, Bürgerhaus oder auch ein Schwimmbad gebaut werden. „Jedem muss klar sein, dass wir nicht alle Wünsche sofort erfüllen können, das ist keine Willkür, sondern wirtschaftliches Handeln.“ Diese Mahnung quittierten die Besucher mit Beifall.

Bürger verkleben offene Kabel mit Paketband: So marode sind die Straßenlaternen in Hochbrück

Garching: So geht es weiter beim Wohnungsbau

Gruchmann betonte, dass trotz der geplanten Wohnungen für 3000 Menschen in der Kommunikationszone und 1000 am Schleißheimer Kanal Garching nicht überrollt werde. „Das ist ein langsamer Prozess von zehn Jahren. Dabei schaffen wir in der Kommunikationszone von den 152 000 Quadratmetern Wohnfläche durch die hart erkämpfte SoBoN-Quote von 25 Prozent 108 vergünstigte Wohnungen zu je 70 Quadratmetern.“

Hinzu kämen für günstigen Genossenschaftsbau 152 Wohnungen mit je 75 Quadratmeter Wohnfläche, was zwei großen Gebäude-Komplexen entspreche. Für das Einheimischen-Modell habe sich die Stadt 180 Wohnungen zu je 75 Quadratmeter und 36 Häuser mit 150 Quadratmeter gesichert. „Zudem gehören 20 Prozent der Fläche der Stadt, die wir ebenfalls günstig für Genossenschaftsbau oder das Einheimischen-Modell geben können. Es entstehen also für alle Garchinger ausreichend günstiger Wohnraum, für den man sich bereits jetzt – ohne Rechtsanspruch – anmelden kann“, sagte Gruchmann.

So geht’s weiter: Die Bürger konnten sich an Infowänden informieren, darunter zu den Rückbauplänen für die alte B 41 (Foto), zu Elektroladestationen oder zum Bürgerhaus.

Leider sei das Projekt nicht so rasch umzusetzen gewesen wie er gehofft habe, erst jetzt werde das Umspannwerk zurückgebaut und der Humus abgetragen, der an die Autobahn für die neue PV-Anlage kommt. „Im Jahr 2021 kommen Baustraßen, Leitungen, Rohre und die Geothermie und ab 2022 rollen endlich die Bagger für die Häuser“, versprach der Bürgermeister.

Die Fragen der Bürger

Die Bürgeranfragen gingen querbeet: Philipp Bauer forderte für die Agenda 21, die Stadt sollte Pläne zum Ausbau von regenerativen Energien für die Wärmeversorgung erstellen, da nach seiner Einschätzung nur die Hälfte aller privaten Haushalte angeschlossen werden können. Der Antrag wurde ebenso angenommen wie der von Heinrich Haag, die Zwei-Stunden-Begrenzung der Parkzeit im Stadtgebiet auf nach 20 Uhr auszudehnen. Viele Fußball-Fans würden das nämlich bereits legal ab 17.31 Uhr nutzen, was dazu führe, dass Garchinger, die noch einkaufen wollten, keinen Parkplatz fänden.

Abgelehnt wurde der Antrag, die gelbe Tonne in eine graue mit gelbem Deckel umzuwandeln wie auch der generelle Vorrang von Radfahrern im gesamten Stadtgebiet. Gar nicht erst behandeln ließ Gruchmann einen Antrag, den Zuzug von Ausländern nach Garching zu begrenzen. „Das entspricht nicht unserer Verfassung und vor allem nicht meiner Einstellung“, sagte Gruchmann unter Beifall.

Neu in Garching: Von Kelten und Pollern

Zwei Punkte waren dem Bürgermeister wichtig: Auf der Fläche der Kommunikationszone habe man über 1000 hochwertige, archäologische Einzelfunde aus der Keltenzeit gemacht: Gräber, Skelette, Scherben und vieles mehr. „Das zeigt, dass Garching schon immer attraktiv war.“ Außerdem sei endlich die Poller-Anlage am Bürgerplatz in Betrieb. „Dass es so lange dauerte lag an der Baustelle Bürgerhaus mit den schweren Lkws und dem Kran. Wenn die darübergefahren wären, hätten sie die Elektronik zerstört.“ Ab 1. März werde die Anlage „scharf“ sein, nach 15 Uhr (samstags ab 13 Uhr) könne dann kein Geschäft mehr mit dem Auto beliefert werden, raus aus der Fußgängerzone kommen durch eine Lichtschranke aber alle Fahrzeuge.

Mehr Tempo 30 für Garching: Langsamer als die Polizei erlaubt

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Party, Müll und überall Stand-Up-Paddler: Immer mehr Ausflügler belagern Sport-Anlage im Münchner Norden
Die Regattaanlage Oberschleißheim wird in Zeiten von Corona noch stärker zum Ausflugsziel. Die Polizei musste Party-Gruppen auflösen, dazu kommen Klagen über Müll und …
Party, Müll und überall Stand-Up-Paddler: Immer mehr Ausflügler belagern Sport-Anlage im Münchner Norden
Wieder kentert ein Boot auf der Isar: Mann wird durch Wehr gezogen - Pärchen sitzt auf Mauer fest
In der Isar vor dem Großhesseloher Wehr sind drei junge Leute mit einem Schlauchboot gekentert. Ein 26-Jähriger wurde samt Boot durchs Wehr gezogen, ein Pärchen rettete …
Wieder kentert ein Boot auf der Isar: Mann wird durch Wehr gezogen - Pärchen sitzt auf Mauer fest
Polizei entdeckt Drogenversteck - mehrere hundert Gramm Betäubungsmittel
Die Polizei fand am vergangenen Donnerstagabend in einer Wohnung im südlichen Landkreis München mehrere hundert Gramm Betäubungsmittel.
Polizei entdeckt Drogenversteck - mehrere hundert Gramm Betäubungsmittel
Unbekannter bedroht 14-Jährige mit Klappmesser
Ein unbekannter Täter hat eine Jugendliche am Sonntagabend erpresst und mit einem Messer bedroht. Danach flüchtete der junge Mann. Die Polizei sucht Zeugen. 
Unbekannter bedroht 14-Jährige mit Klappmesser

Kommentare