Das Windrad auf dem Schuttberg neben der Allianz Arena ist knapp 100 Meter hoch
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Das Windrad auf dem Schuttberg neben der Allianz Arena ist knapp 100 Meter hoch. In Freimann bauen die Stadtwerke München derzeit ein weiteres. Gesamthöhe: 149 Meter.

Die Nachbargemeinde muss aber zustimmen

250 Meter hoch: Garching stellt Pläne für Windrad vor

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Bekommt der Münchner Norden ein drittes Windrad? Die Stadt Garching hat Pläne für den Bau einer Anlage vorgestellt. Der Stahlriese wäre höher als seine Pendants in Fröttmaning und Freimann.

Garching – Das Windrad soll zwischen der Freisinger Landstraße und der A 9 stehen, etwa 1,5 Kilometer von Dietersheim entfernt, einem Ortsteil von Eching. Genutzt werden soll es, um Energie zu gewinnen, aber auch für dei Forschung. Der Garchinger Bauausschuss gab dem Vorhaben jetzt schon mal sein Einvernehmen. Der Stadtrat muss nun über die Aufstellung des Bebauungsplans entscheiden.

Antragssteller ist die Regensburger Firma Ostwind Erneuerbare Energien GmbH, die im bereits im Flächennutzungsplan dargestellten Sondergebiet Windkraft ein 250 Meter hohes Windrad errichten will. Ein Standort, den Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) bereits vor fünf Jahren als „sehr interessant“ titulierte. Auch die Stadt Garching signalisierte mit der Ausweisung im Flächennutzungsplan politischen Willen. Im Gegensatz zu den Vorjahren sind die Grundstücksverhandlungen nun so weit gediehen, dass ein Windrad errichtet werden kann. „Wir hätten gerne weiterhin zwei oder drei gehabt, aber das gibt die zur Verfügung stehende Fläche nicht her“, sagte Götz Braun (SPD). Entsprechende Grundstücksverkäufe müssten erst noch erfolgen.

„Grundsätzlich stehe ich Garchings Vorhaben positiv gegenüber“

Größenverhältnisse: Diese Visualisierung veranschaulicht die Dimension des Windrads im Vergleich zur Kirche St. Katharina. Im Hintergrund zu sehen ist der Echinger Ortsteil Dietersheim.

Die Nabenhöhe des geplanten Windrads beträgt 165 Meter, inklusive der Rotorblätter ist es insgesamt 250 Meter hoch. Es ist damit gut doppelt so hoch wie seine Geschwister in Fröttmaning und Freimann. Letzteres befindet sich noch im Bau. Das Problem: Mit dieser Größe erfüllt der Garchinger Windriese die „10H-Regelung“ nicht, wonach ein Abstand zu Wohngebäuden eingehalten werden muss, der dem 10-fachen der Windrad-Höhe entspricht. Eine Unterschreitung dieser Vorgabe ist möglich, der Bebauungsplan muss entsprechend angepasst werden. Hierzu ist jedoch die Zustimmung der Nachbargemeinde, sprich Eching, erforderlich. „Wir dürfen durch die Unterschreitung nicht die guten nachbarschaftlichen Beziehungen etwa zu Dietersheim gefährden oder deren Entwicklung in Richtung Süd-Westen negativ beeinflussen“, gab Michaela Theis (UG) zu Bedenken.

Legen die Echinger also ihr Veto ein? Damit ist offenbar nicht zu rechnen. Bürgermeister Sebastian Thaler (SPD) stellt auf Anfrage seine Zustimmung in Aussicht. Er sieht in der Windenergie ein „Arbeitspferd der Energiewende“ und positionierte sich in seinem, gemeinsam mit 50 anderen Bürgermeistern an die Bayerische Staatsregierung gerichteten Appell: „Die 10H Regelung muss abgeschafft werden.“ Selbstverständlich müssten auch beim Garchinger Windrad Abstände zur Wohnbebauung eingehalten werden, sagt Thaler, aber „grundsätzlich stehe ich Garchings Vorhaben positiv gegenüber“.

„Sinn machen erst zwei oder drei Anlagen“

Angesichts der angestrebten Energiewende ist sich der Garchinger Stadtrat auch einig, dass Windenergie wichtig für eine „regenerative Energieerzeugung ist“, so Bastian Dombret (FDP). Aber mit der einen Anlage, die bereits negative Auswirkungen auf das Landschaftsbild habe, habe man nicht den möglichen Nutzen aus der Energieerzeugung. „Sinn machen erst zwei oder drei Anlagen.“ Die Grünen begrüßten im Ausschuss, dass „nun endlich etwas passiert“, vor allem sehen sie weitere Entwicklungen, etwa Agro-Photovoltaik unterhalb des Windrades, als eine sinnvolle Synergie.

Geteilter Meinung war hingegen die CSU, wenngleich „wir der Windkraft an sich positiv gegenüberstehen“, betonte Jürgen Ascherl. Wie der Schatten fällt, das müsse laut Albert Biersack (CSU) noch genau angeschaut werden. Ascherl hätte sich auch eine intensivere Bürgerbeteiligung begrüßt, bevor der Bebauungsplan geändert wird. In anderen Kommunen habe sich doch gezeigt, dass „Windkraft durchaus Gegenwind in der Bürgerschaft erzeugen kann“.

„Es geht hier nicht um Schönheit oder Ästhetik“, erwiderte Bürgermeister Gruchmann. „Wir haben die Pflicht, jeden nur möglichen Beitrag zur Energiewende zu leisten.“ Zumal es nicht nur um Energiegewinnung, sondern auch um Zugewinn für die Forschung gehe. Denn Ostwind kooperiert mit dem Lehrstuhl für Windenergie der TU München, der das Windrad als eine „sehr große Bereicherung für die Lehre und auch die Vergabe von Forschungsthemen sieht“, so der wissenschaftliche Mitarbeiter Franz Mühle. Auch dass der Anlagenhersteller SiemensGamesa mit im Boot ist, ist für Gruchmann „sehr positiv. In einer Woche obliegt es dem Stadtratsgremium über die Aufstellung des Bebauungsplanes zu entscheiden.

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