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An die 5000 Besucher feiern am See. Dass die Polizei am Abend schon überlegt, das Festival wegen Gewittergefahr zu räumen, bekommen sie gar nicht mit.

Am garchinger See

Gewitterfront zieht knapp am Festival "Schall im Schilf" vorbei 

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Garching - Gegen 20 Uhr macht sich Unruhe im Wohnwagen breit. Von draußen wummert elektronische Musik gegen die dünnen Wände, keinen Steinwurf entfernt tanzen und feiern tausende Besucher beim „Schall im Schilf“-Festival am Garchinger See. Im Wohnwagen aber starren die Veranstalter auf den Laptop, wo der Regenradar inzwischen verkündet: Es nähert sich ein Gewitter.

Zu diesem Zeitpunkt liegen hinter den Organisatoren bereits Tage des Zitterns und Bangens: Während des einwöchigen Aufbaus gehen immer wieder heftige Schauer über dem Gelände nieder. Zeitweise sieht es so aus, als würde der Termin ins Wasser fallen und müsste das Festival um eine Woche verschoben werden. Bei Facebook halten sich die Meinungen die Waage: „Unbedingt durchziehen, wir packen Gummistiefel ein“, schreibt einer, während der nächste warnt: „Gewitter ist zu gefährlich, lasst es sein.“

Blitzeinschläge bei "Rock am Ring"

Als wäre all dies nicht genug, erreichen die Organisatoren am Freitag auch noch die Nachrichten vom „Rock am Ring“ in Rheinland-Pfalz. Beim dortigen Festival, das 90 000 Besucher anzieht, sind mehr als 80 Menschen durch Blitzschläge verletzt worden. „Wir waren uns der Verantwortung bewusst“, sagt Gabriel Adorf, einer der Veranstalter. „Wir haben im Vorfeld ein 130-seitiges Sicherheitskonzept entwickelt und standen im ständigen Austausch mit Polizei und Feuerwehr.“ Am Freitagabend entscheiden die Veranstalter: Wir ziehen das durch. 

Sonnenschein am Nachmittag

Und der Samstag scheint ihnen Recht zu geben – zumindest anfangs. Als um 12 Uhr die Eingangstore geöffnet werden, strahlt die Sonne vom Himmel, und auch danach zeigt sich das Wetter von der besten Seite. Schnell füllt sich das Festivalgelände, das diesmal doppelt so groß ist wie im Vorjahr. 5000 Karten wurden verkauft, „und fast alle sind dann auch gekommen“, berichtet Adorf. 

Angesichts dieser Dimension muss man sich immer wieder vor Augen halten, dass dieses Festival aus einer Abschlussfeier von Abiturienten des Garchinger Gymnasiums heraus entstanden ist. Und dass die Organisatoren – eine Handvoll gute Freunde – eigentlich alles Studenten sind, die diese Veranstaltung quasi als Hobby auf die Beine stellen.

Polizei erwägt kurzzeitig Räumung des Geländes

Als der Abend über dem Garchinger See hereinbricht, nähert sich die Stimmung vor den zwei Bühnen ihrem Höhepunkt. Derweil blickt man im Wohnwagen sorgenvoll auf den Regenradar; immer wieder sprechen sich die Veranstalter mit der Polizei ab. „Wir waren kurz am Überlegen, ob wir räumen sollen, weil ein Gewitter im Anmarsch war“, sagt ein Polizeisprecher. Doch dazu kommt es nicht. Stattdessen macht das Unwetter einen Bogen um Garching, nur ein paar Tropfen fallen vom Himmel. Das bekommen die meisten Partygäste gar nicht mit.

„Der Stimmung hat das keinen Dämpfer getan“, sagt Gabriel Adorf, der vielmehr ein rundum positives Fazit zieht: „Es war hundertprozentig die richtige Entscheidung, das durchzuziehen“, sagt er. „Von unserer Seite aus ist das Festival traumhaft gelaufen."

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