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Klischee-Typen: (v.l.) Das Ehepaare Michael (Rolf Schönwald) und Veronika Hofrichter (Jutta Roller) im Verbalaustausch mit Rene (Nikolaus Müller-Weihrich) und Annett Bruckhardt (Simone Dirksen). 

Theatergruppe Zeitkind

“Gott des Gemetzels“: großer Polanski-Stoff auf Garchinger Bühne

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An großen Stoff hat sich Zeitkind aus Garching gewagt: an „Gott des Gemetzels“, das Roman Polanski schon mit Jodie Foster und Christoph Waltz verfilmte. Die Garchinger fanden den richtigen Dreh.

Garching – Mit dem „Gott des Gemetzels“ hat die sich die Garchinger Theatergruppe Zeitkind an eine große Nummer herangewagt. Schließlich ist schwarze Komödie der französischen Autorin Yasmina Reza von Roman Polanski verfilmt worden, mit Hollywood-Größen wie Jodie Foster, Kate Winslet und Christoph Waltz in den Hauptrollen.

„Ihr seid aber mutig.“ Das hat das Ensemble von Regisseurin Stephanie Brack im Vorfeld immer wieder mal zu hören bekommen. Doch von möglichen Vergleichen hat sich die Laienspielgruppe nicht schrecken lassen und eine ganz eigene Interpretation gefunden. Brack setzt mehr auf die komödiantische Seite des Stücks,auf die Wirkung der feinsinnigen Dialoge und starken Charaktere, in denen sich das Publikum auch schon mal ertappt fühlt.

Ein gelungener Ansatz: Die Premiere und auch die zweite Aufführung waren ausverkauft, für die Vorstellungen am Freitag, 12., und Samstag, 13. Oktober, gibt es aber noch Karten.

Verbalgemetzel von Klischee-Typen

Der Inhalt: Nach einer Schlägerei ihrer Söhne samt zwei verlorenen Schneidezähnen versuchen sich die Elternpaare zivilisiert auszusprechen. Zunächst um Höflichkeit bemüht, gleitet die Unterredung immer mehr in Beleidigungen und Aggressionen ab. Die Paare versuchen immer weniger, ihre grundlegenden Animositäten mit aufgesetzten Freundlichkeiten zu verdecken. Schon beim Apfel-Birnenstrudel werden Umgangsformen und -ton rauer. Als schließlich noch der Scotch von Gastgeber Hofrichter ins Spiel kommt, ist das Quartett schon weit fortgeschritten im Verbalgemetzel.

Und die Zuschauer mittendrin, denn der Werkraum-Charakter des Römerhof-Theaters vermittelt das Gefühl, mit am Couchtisch zu sitzen. Und entdeckt man sich selbst auch in jedem der Charaktere mal, von deren unterschiedlichen Allianzen das Stück lebt und die Stephanie Brack mit ihren Schauspielern eindrucksvoll herausgearbeitet hat.

Temperament runterbremsen

Rolf Schönwald spielt den Vater des zahngeschädigten Bruno, ein Haushaltswarenhändler mit Bierwampe und Filzpantoffeln, der durchs Bühnenwohnzimmer schlurft. Nach der Vorstellung, dann ohne Kissenwampe, nimmt man ihm sofort ab, dass es schwierig war, sich selbst immer zu bremsen mit dem Temperament. Jutta Roller gibt die Initiatorin der Aussprache, Veronika Hofrichter, so richtig nervig weltverbessernd.

Da freut man sich fast ein bisschen, als Tätermutter Annett Bruckhardt ihren nervösen Magen über die Kunstbände ihrer Gastgeberin entleert. Hübsch lebensecht nicht nur die Würgeorgien von Simone Dirksen, sondern auch Annetts angeschickertes Rumgelalle und Getorkele, in dem sie schließlich das Handy ihres Mannes im Goldfischglas entsorgt. Dabei trinkt Dirksen im wahren Leben gar keinen Alkohol, wie sie verrät. 

Wichtiger Businesstyp: „Das bin ich“

Lebensstudien hatte Schauspieler Nikolaus Müller-Weihrich für den René Bruckhardt, den dauertelefonierenden Anwalt und penetrant-ignoranten Businesskasper par excellence, gar nicht nötig. Er sagt: „Das bin ich“, was hoffentlich ironisch gemeint ist. Denn so will doch eigentlich kein Mensch sein. Nach der Vorstellung schalteten viele Zuschauer ihre Handys eher mit einem verschämten bis gequälten Grinsen wieder an.

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