Stark im Dialog: Gregor Gysi, Ex-Fraktionschef der Linken im Bundestag, im Gespräch mit Garchings Kulturreferent Wolfgang Windisch. Foto: GEfö

Gysi zu Gast: Spitzenkandidat als Kulturbonbon

Garching - Gregor Gysi ist ein Politiker mit vielen Facetten. Der ehemalige Fraktionschef der Linken ist für seine Wutausbrüche im Bundestag berüchtigt und bekannt, aber auch für seine durchaus humorvolle Art. Dass der 68-Jährige jetzt die Stadt Garching besucht hat, überrascht dann aber doch eher.

Und auch nicht, denn der Rechtsanwalt war zu Gast bei Kulturreferent Wolfgang Windisch. Und der ist bekannt dafür, dass sein „Garchinger Kulturbonbon“ gerne mal mit besonderen Gästen füllt. Gysi war das 77. Bonbon, das erst am Abend selbst „ausgepackt“ wurde. Denn auch das gehört zum „Kulturbonbon“: Windisch verrät vorab nicht, wer zu Gast sein wird.

Gysi sprach mit Windisch im ausverkauften Römerhof-Theater über Politik, über Privates und Kulturelles. „Ich wollte mit Gysi nicht nur über Politik reden, was bei einem Politiker natürlich schwierig ist. Er kann aber auch außerhalb der Politik viel erzählen“, sagte Windisch.

Und so erzählte Gysi von seiner Kindheit, während Bilder aus dieser Zeit auf einer Leinwand im Theater zu sehen waren. Auch der gesundheitliche Zustand des 68-Jährigen war Thema des Abends, nachdem er schon drei Herzinfarkte überlebt hatte und am Gehirn operiert worden war. Gysi, der auch dreifacher Vater ist, hat das alles überstanden, sein Gesundheitszustand ist gut. Umso mehr will er sein weiteres Leben genießen. Er zieht sich aus der Politik zurück, da er sich nicht irgendwann auf dem „absteigenden Ast“ befinden will.

Durch die neue „Bierdeckel-Aktion“ der Gesprächsrunde hatten auch die Zuschauer die Möglichkeit, Gysi Fragen zu stellen. Die Deckel, auf deren Vorderseite ein Bild Gysis prangte, wurden im Publikum verteilt. Und wer mochte, konnte auf der Rückseite des Deckels eine Frage notieren. Auf die Frage „Sind sie noch zu haben“ antwortete Gysi etwa mit einem witzigen „Ich bin nicht verheiratet“. Er ließ auch Fragen über die Flüchtlingspolitik, bei der sich seine Haltung mit der der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) deckt, nicht unbeantwortet. schreckte er nicht zurück.

Windisch, der schon Rainhard Fendrich und Roger Willemsen zu Gast hatte, hielt Gysi bereits vor seinem Besuch für einen „interessanten Menschen“. Vor eineinhalb Jahren rief er im Büro des Politikers an und bat um einen Termin für die Gesprächsrunde. Gysi, damals noch Fraktionschef der Linken, hatte zu dieser Zeit allerdings sehr viel zu tun. „Sobald er aber Zeit hatte, sagte er sofort zu“, sagte Windisch. Im Juni 2015 stand dann fest, dass er im März das „Garchinger Kulturbonbon“ sein wird.

Windischs Fazit nach dem Abend: „Er nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um Selbstkritik geht. Er gibt seine Fehler offen zu.“ So bereue es Gysi, sich während seiner beruflichen Laufbahn zu wenig um sein Privatleben gekümmert zu haben. Auch Gysis Selbstironie gefällt dem Kulturreferenten: „Er kann über sich selbst lachen. Und das erwartet man vielleicht von Kabarettisten, aber nicht von Politikern.“ jb

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