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Steht ein bisschen verloren vor der Jury im prunkvollen Silbersaal des Deutschen Theaters: Helena Bauer aus Garching hat die Jury beim Kinder-Casting überzeugt: Die Neunjährige wird in den Osterferien mit dem Musical-Ensemble von „Evita“ auf der Bühne des Theaters stehen.

Rolle bei Musical „Evita“

Helena aus Garching gewinnt Kinder-Casting

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Ab 11. April gastiert das Musical „Evita“ in München. Neben den Stars aus dem Londoner West End steht auch eine Garchingerin auf der Bühne des Deutschen Theaters: Helena Bauer (9) hat sich beim Kinder-Casting durchgesetzt.

Garching– Ein wenig verloren sieht das kleine Mädchen dann doch aus inmitten des prunkvollen Silbersaals des Deutschen Theaters in München. An der Decke prangt barocker Stuck, ringsum sind edle Spiegeltüren und kunstvoll verzierte Fenster, und direkt über Helena hängt ein gewaltiger Kronleuchter. Und ja, sie sei in diesem Moment ziemlich nervös gewesen, wird die Neunjährige aus Garching später gestehen – noch.

Denn kaum erhebt sie ihre Stimme, sind die zuvor zappligen Hände still; kerzengerade steht Helena da und ist die Ruhe selbst. „Das ist immer so“, sagt sie. „Sobald ich anfange zu singen, bin ich gar nicht mehr nervös.“ Was angesichts der Umgebung umso erstaunlicher ist – nicht nur wegen der Pracht des Silbersaals, sondern weil dies hier ein Casting ist und alle Blicke auf dem Mädchen ruhen. Und dennoch singt Helena das Stück „Santa Evita“ so klar, so kräftig und so tonsicher wie kaum eine andere der rund dreißig Kandidatinnen.

Einzige Kinderrolle mit Gesangspart

Das notieren auch die Juroren Martin Flohr und Gary Hickeson, die wenige Meter vor Helena am Tisch sitzen. Der eine ist der Künstlerische Leiter der Produktionsfirma, der andere Musical Supervisor von „Evita“ und extra für dieses Casting nach München gekommen. Gesucht werden mehrere Darstellerinnen zwischen sieben und elf Jahren für die einzige Kinderrolle mit Gesangspart in dem Stück. Sie sollen zusammen mit den Musical-Stars aus London auf der Bühne stehen, wenn „Evita“ vom 11. bis 23. April im Deutschen Theater gastiert.

„Ich weiß meist schon nach ein paar Sekunden, ob wir ein Mädchen nehmen“, sagt Gary Hickeson, der seit 25 Jahren Gesangstalente castet. Und dennoch wird den Kindern die Entscheidung nicht sofort nach dem Vorsingen, sondern erst im Nachgang mitgeteilt. „Das machen wir bewusst so“, sagt Martin Flohr. Schließlich sei man hier nicht bei „Germany’s next Topmodel“. „Wir wollen die Mädchen motivieren und nicht demotivieren.“

Helenas Vater ist Opernsänger

Schon am Tag nach dem Casting klingelt in Garching das Telefon – doch sie sei zu langsam gewesen, erzählt Andrea Bauer, Helenas Mutter. Auf dem Display ihres Handys leuchtet eine Mannheimer Nummer auf. „Ich habe gedacht, dass das wieder so ein Werbeanruf war“, sagt sie. Doch als sie ihre Mailbox abruft, ist es das Deutsche Theater – und wenig später hüpft Helena freudestrahlend auf dem Wohnzimmersofa herum. Denn: Sie ist für die Evita-Rolle ausgewählt worden und wird in den Osterferien viermal mit dem Musical-Ensemble aus London auftreten.

„Ich freue mich riesig darauf“, sagt die Drittklässlerin. „Ich liebe Musicals,und singen macht mir unglaublich viel Spaß.“ Wobei es für Helena nicht das erste Mal ist, dass sie vor großem Publikum auftritt: Vor gut einem Jahr gab die Garchingerin die Rolle der kleinen Prinzessin Anna bei „Disney in Concert: Die Eiskönigin“ in der Gasteig-Philharmonie – auch damals nach einem erfolgreichen Casting.

Die Eltern sind stolz

Das Gesangstalent ist Helena gewissermaßen in die Wiege gelegt worden: Vater Christian Bauer ist Opernsänger, hatte feste Engagements im Staatstheater am Gärtnerplatz sowie an der Staatsoper seines Heimatorts Wien. Zudem arbeitet er seit 2014 als Gesangslehrer an der Garchinger Musikschule, wo er auch den Chor betreut, in dem wiederum seine Tochter singt. „Allerdings hört sie Tipps vom Papa nicht so gerne“, sagt Christian Bauer und grinst. Seine Frau und er würden Helena auch keineswegs dazu animieren, in seine Fußstapfen zu treten – im Gegenteil: „Ich weiß ja selbst am besten, wie schwer es in dem Beruf ist – gerade für Frauen“, sagt Christian Bauer. Und dennoch habe er sich natürlich für seine Tochter gefreut – und auch „ein bisschen stolz“ seien sie gewesen, erzählt die Mutter.

Ob Andrea Bauer auch im Deutschen Theater mit hinter die Bühne darf, wie es im Gasteig der Fall war, weiß sie noch nicht. Damals freilich sei sie viel nervöser gewesen als ihre Tochter, sagt die Mutter. Wobei auch Helena ob der großen Kulisse Lampenfieber verspürt habe, sagt sie ganz offen. „Aber nur, bis ich angefangen habe zu singen.“

Vorstellungen

vom 11. bis 23. April im Deutschen Theater München, Schwanthalerstraße 13, Tickethotline: Tel. 089/55 23 44 44.

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